Produkt: Jack Bruce 1943 – 2014
Jack Bruce 1943 – 2014
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Goldene Brücke

Test: LEH Guitars Offset 5 P/S Fire Burst

(Bild: Dieter Stork)

Lisa Ellis Hahn hat eine Geschichte, auch wenn ihre Marke LEH so frisch aussieht. Als Top-Instrumentenbauerin im Sadowsky-Team durfte sie kennenlernen, wie Qualität entsteht. Seit 2018 bietet sie eigene Modelle an.

Für Deutschland hat sich Steffen Fendt‘s Finest Bass Lounge des Vertriebs der LEH-Bässe aus Brooklyn angenommen und damit offenbar einen guten Griff getan. Der Testbass in Fire Burst ist nämlich nicht nur eine höchst auffällige Erscheinung, sondern zeigt bis ins Detail die inspirierte Finesse einer intelligenten Bassbauerin, die traditionelle Stärken mit zeitgemäßen Zutaten stimmig hochfrisieren kann.

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(Bild: Dieter Stork)

DETAILLIERT

Allzu weit entfernt sich das Offset-Konzept nicht von traditionellen Vorgaben, der zweiteilige Body besteht aus Erle, der aufgeschraubte Hals aus Ahorn. Doch es empfiehlt sich ein Blick auf die Feinheiten: Dieser Hals ist mit klangharter Statik gebaut und weist tadellos stehende Jahresringe auf. Zusätzlich zum justierbaren Spannstab, sind stabilisierende Grafiteinlagen vorhanden. Und beim dicken Erle-Body helfen ausgefräste Kammern, ein zuträgliches Gewicht einzuhalten.

Solch kalkulierte Modernisierungen finden sich noch anderswo am LEH-Bass, beispielsweise bei der Kopfplatte. Die kann man auf den ersten Blick als plump ansehen, auf den zweiten wird man schließlich die extrastabile Bauweise erkennen, die einem starken Ton zugutekommen wird.

Angeblich ist der Hals aus zwei Ahornstreifen gebaut, aber wenn es wirklich so sein sollte, erkennt man davon selbst unter der Lupe nichts, weshalb er hier als einstreifig gelistet wird. Auffällig ist allerdings das makellos gerade gewachsene Palisandergriffbrett mit den feinen Ahorn-Dots in der Front, welches mit 21 Medium Jumbo Bünden bestückt ist. Die Spannstabmutter ist von der Korpusseite her frei zugänglich, das Lochrad kann ohne Spezialwerkzeuge eingestellt werden.

Und man muss hier nochmals auf das außergewöhnlich schöne, stark gemaserte Erlenholz des zweiteiligen Bodys zurückkommen, dessen wilde Maple-Burl-Decke sowieso ein Hingucker ist. Hinzu kommt die umgedrehte Fire-Burst-Hochglanzlackierung, die zu den Rändern hin nicht dunkler, sondern heller wird und dabei alle Feinheiten geradezu dramatisch präsentiert. Selbstverständlich kommt dabei nur ein durchsichtiges Pickguard in Frage.

(Bild: Dieter Stork)

Auf dem extrastabilen Headstock arbeiten halboffene Präzisions-Tuner von Hipshot USA, auf dem Body sitzt ein beinahe konventioneller, aber stabil gebauter Gotoh-Steg mit Massefaktor. Die Gurthalter von Dunlop können sowohl mit normalen Gurten, wie auch mit einrastenden Gegenstücken verwendet werden. Bei den Nordstrand-Tonabnehmern wird bewährte Tradition mit neuen Ideen kombiniert, wobei die Alnico-Stabmagnete das traditionelle Element repräsentieren und die Diagonal-Anordnung der Magnetpaare zu den Saiten subtil das tiefe Pfund verstärkt.

Beim BigRig-Humbucker in der Stegposition ist interessanterweise nur ein Stabmagnet pro Saite und Spule eingesetzt, der mit dem versetzt angeordneten Magnet der gegenüberliegenden Spule wieder ein Paar bildet. Durch das weitere Magnetfenster gleicht sich dieser Steg-Pickup günstiger an den kraftvollen P-Splitcoil an.

Auch die Aktiv-Elektronik stammt von Nordstrand. Ellis Hahn hat sie mit Schiebereglern für Bässe, Mitten und Höhen ausgestattet, was dem Offset ein weiteres, ungewöhnliches Detail beschert, flink zu bedienen und übersichtlich in der Darstellung. Auf Absenkungen wird hier verzichtet, alle drei Einsteller sind als reine Booster geschaltet!

Auf dem Elektronik-Modul befindet sich ein Trimmregler zum Abgleich des Aktiv-Pegels. Der rückwärtige E-Fach-Deckel ist unterteilt, sodass man zum Wechseln der 9-Volt-Batterie nicht immer alle Schräubchen herausdrehen muss – die übrigens in metallene Gewindemuffen greifen. Im Elektrofach sieht es perfekt aufgeräumt aus, auch hier spielt die Verarbeitung auf höchstem Niveau, inklusive der betont sauber ausgeführten Leitlack-Abschirmung des gesamten Fachs.

VERBINDEND

Trotz fetter Kopfplatte hängt der Fivestring ausgewogen und angenehm am Gurt. Auch der massig wirkende Body ist, aufgrund der gewichtssparenden Aushöhlungen, keine Last und hält das Gesamtgewicht im komfortablen Rahmen: 4,2 kg wiegt der ausgewachsene Longscale. Das breite Griffbrett bietet viel Platz für einen sauberen Fingersatz, das flache C-Profil des Halses liegt dazu bequem in der Hand. Alles richtig gemacht, und dass der Offset 5 bei allem Komfort doch ein wenig Arbeit bei der Tonerzeugung einfordert, kommt dem Klangergebnis zweifellos zugute.

Zunächst erfüllt der Sound auf Anhieb alle Erwartungen, die man an einen guten Vintage-Bass stellen könnte, mit viel Holz im Ton, durch das Palisandergriffbrett rund und zugleich präzise artikuliert. Bei genauerem Hinhören entfaltet sich jedoch eine explizite Detailfeinheit, die mit angemessen gehypter Performance in allen Frequenzlagen einhergeht. Der Offset gibt seine moderne Seite so feinfühlig preis, dass der urwüchsige Charakter nicht überspielt, sondern wirksam gestärkt wird!

Wie wirksam, entscheidet man schließlich selbst mithilfe der drei Boost-Regler, die einen sauber dosierbaren Zugriff auf den jeweiligen Frequenzbereich erlauben. Die passive Tonblende arbeitet sowohl im Aktiv-Modus, wie auch bei abgeschalteter Elektronik. So stehen auch milde Vintage-Sounds in feiner Tonkultur bereit, wobei die Höhenblende so abgestimmt ist, dass im mittleren Dämpfungsbereich eine dezente Mittennase erzeugt wird.

(Bild: Dieter Stork)

RESÜMEE

Ellis Hahn baut eine goldene Brücke für die Liebhaber starker Vintage-Darsteller zur aufgefrischten, modernen Präsentation des Charaktertons. Viele eigene Anstöße stecken im Offset 5 – aber die überdecken nicht die urwüchsige Kraft, sondern stellen sie wohldosiert in ein zeitgemäßeres Licht, wobei neben der originellen Aktiv-Lösung mit drei Boost-Schiebereglern, auch die sorgsam austarierten Passiv-Sounds bemerkenswert sind. So aufregend der Fire-Burst-Fünfsaiter aussieht, so kultiviert geht er klanglich zu Werke!

PLUS

● kultiviertes Klangverhalten
● Sound-Variabilität
● Spielbarkeit, Balance
● Hölzer, Verarbeitung

(erschienen in Gitarre & Bass 04/2020)

Produkt: Gitarre & Bass 5/2019 Digital
Gitarre & Bass 5/2019 Digital
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