Produkt: Gitarre & Bass 5/2019
Gitarre & Bass 5/2019
INTERVIEWS: Slash, Phil Campbell, J.J. Cale, Bill Frisell, Kreator +++ VINTAGE-SPECIAL: Fender Princeton
Glanzstück

Test: K.Bass PV4 Alder/Flamed Maple

K.Bass PV4

Knut Reiter ist erwiesenermaßen gut darin, die Stärken der alten Fenderbass-Größen maximal zu erfassen. Und wenn er sich nun einem spezielleren P-Thema zuwendet, geschieht das mit bemerkenswerten Ergebnissen.

Anzeige

Voll Eighties sieht der glitzergrün lackierte K.Bass aus und hat auch eine aktive Klangregelung an Bord. Passend zur Optik soll also der adäquate Powersound mit dem einen, zweigeteilten Preci-Pickup entwickelt werden, wobei am Ende die meisterliche Holzgrundlage noch wesentlicher zum Ergebnis beiträgt, als es die peppige Erscheinung vermuten lässt.

Mit gediegenem Vintage-Anspruch lässt sich immer noch manches Rennen gewinnen, und sei es in der kraftvollen Liga der Eighties-Power-Bässe. Passend zur K.Bass-Gründung am 16. April 2004 feiert nun das grüne Glanzstück das 15-jährige Firmenjubiläum.

K.Bass PV4
Beim One-PieceNeck sitzen die Bundstäbchen direkt im Halsholz. (Bild: Dieter Stork)

wirklich vintage mit sonderzutaten

Zweifellos hat der Mann ein gutes Händchen bei der Holzauswahl und kann das Grundmaterial besonders gekonnt zusammenfügen. Zunächst ist an der Kombination von Erle für den Body und Ahorn für den Vierpunkt aufgeschraubten Hals nichts Aufregendes, es sei denn, man schaut auf die besondere Qualität der Hölzer und einige Kniffe bei der Verarbeitung.

So besteht der aufregend geflammte Ahornhals aus einem Stück, das Griffbrett ist also nicht aufgeleimt, sondern Teil des Halses, in den 20 sorgfältig verrundete Medium-Jumbo-Bünde von Wagner und ein Knochensattel eingesetzt sind. Um die Optik anzufeuern und zugleich ein griffiges Spielgefühl nahe am Holz zu erzeugen, wurde in die Holzoberfläche eine honiggelbe Ölversiegelung einmassiert, die Kopfplatte ist mit Nitrolack beschichtet.

Für gute Orientierung sorgen die konzentrisch zweifarbigen Lagenmarkierungen in der Griffbrettflanke, wo mittig in die großen schwarzen Dots weiße Punkte eingelassen wurden. Etwas Besonderes steckt auch unter dem grünen Metalflake-Hochglanzlack des Bodys: 50 Jahre lang schlummerte die amerikanische Erle bei einem Holzhändler und Knut Reiter kaufte den gesamten Bestand auf, um daraus etwa 30 Instrumente zu bauen.

Nobler Riegelahorn, poppige Glitterlackierung – wenn schon solche typischen Eighties-Attribute vorhanden sind, soll auch der Rest dazu passen. Zwar ist der Splitcoil-Tonabnehmer eine Vintage-gerechte Alnico-Anfertigung von David Barfuss, dessen Klangbild wird jedoch mit einer Aktiv-Klangregelung von Sadowski zusätzlich aufpoliert.

Damit dabei aber auch die Vintage-Qualitäten nicht auf der Strecke bleiben, ist ein dreistufiger Kippschalter vorhanden, mit dem sich die Aktiv-Einstellung durch zwei vorgegebene, passive Höhendämpfungen abmildern lässt. Zum Powerbass-Stil gehört der fette Aluminium-Steg von Hipshot sowie die präzise arbeitenden Leichtgewichts-Tuner der gleichen Marke.

K.Bass PV4
Auch der fette Alu-Steg trägt zum Offensivcharakter bei. (Bild: Dieter Stork)

offensivpräsenz

Schon beim ersten akustischen Anschlag merkt man dem PV4 seine besonderen Qualitäten an, so sensibel und unverzüglich jeder Ton drauflosschnurrt, mit üppig resonierendem Sustain und intensiver Schwingfreude gesegnet. Die uralte Erle macht sich auch anderweitig bemerkbar, und zwar im komfortablen Gewicht: Nur 3,6 kg bringt der erwachsene Longscale auf die Waage. Dass der Viersaiter trotz leichten Bodys keine Kopflast zeigt, darf man wohl den Ultralight-Stimmmechaniken danken, und das kräftige C-Halsprofil signalisiert bei allem Komfort, dass es sich um einen erdigen Worker zum Zupacken handelt. Und das mit einer speziellen Ausrichtung.

Denn durch Mapleneck, Alu-Steg und Alnico-Pickup genießen hier die bissigen Präsenzen gleich dreifache Unterstützung, und entsprechend offensiv gibt sich der PV4-Ton von vornherein. Natürlich lassen sich am Sadowski-Bassbooster entsprechende Fundamentbässe bei 40 Hz hinzufügen, um auch adäquate Schubkraft zu unterlegen. Da man zugleich am Treble Booster aber auch reichlich Reserven bei 4-kHz-Edge hat, reicht die Offensivpräsenz dieses Instruments weit über die üblichen Rocker-Sounds eines Precision-Modells hinaus und stellt sogar die meisten Funk-Spezialisten in den Schatten.

Doch keine Angst, man ist hier nicht auf die Präsenz festgelegt, denn auf die Schnelle lässt sich auch übermäßig aggressiver Draht am dreistufigen Kippschalter passiv abmildern, wobei je nach Stellung des Höhen-Boosters sogar extrem molligwarme Klangbilder entstehen. Und zwar immer mit dem besonderen Rückenwind der resonanten, Sustainstarken Holzkonstruktion.

K.Bass PV4
Um die Rückseite nicht mit einem hässlichen Batteriefach zu verunzieren, wurde der Saftspender unter dem Schlagbrett untergebracht. (Bild: Dieter Stork)

resümee

Im wahrsten Sinne des Wortes ist der PV4 von Knut Reiter ein Glanzstück, und damit ist zum einen der grüne GlitzerLook gemeint, zum anderen die eindrucksvolle Offensivpräsenz im Ton. Mit den aktiven Boostern für Bass und Treble lassen sich hochglanzpolierte Eighties-Sounds auf die Spitze treiben, mit den zusätzlichen Passiv-Presets aber auf die Schnelle wieder molligwarm einfangen. Und die eigentliche Grundlage für das extrem eindrucksvolle Klangverhalten dieses Powerbasses liegt in den hervorragenden Hölzern, so wie man es von Knut Reiter ja gewohnt ist.

PLUS
• Klangverhalten, offensive Präsenz, Sustain
• Sound-Variabilität
• Hölzer
• Ausstattung
• Verarbeitung

K.Bass PV4

Produkt: Metallica Special
Metallica Special
Das große Metallica-Special auf über 100 Seiten!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Das könnte Sie auch interessieren