Produkt: Gitarre & Bass 9/2019 Digital
Gitarre & Bass 9/2019 Digital
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Barockengel

Test: Jozsi Lak Selma 4 Saiter

(Bild: Dieter Stork)

Dass die Liebe zum Instrumentenbau schon auf Großvater und Urgroßvater zurückgeht, sieht man Jozsi Laks Selma an. Mehr als das, man spürt es, und gerade der eigenwillige Stil dieses opulenten Basses hat eine besondere Ausstrahlung.

Maßgeblich ist hier für den ersten Eindruck zunächst ein kunstvolles Finish, wie man es noch nie serviert bekam: Die wilden Hölzer golden angefeuert, antik und highend zugleich und dabei mit Sicherheit weit entfernt von plumper Prahlerei. Überhaupt ist die barocke Selma frei von populären amerikanischen Sentimenten, statt derer setzt das handgefertigte Instrument auf einen umso tiefgründigeren Charakter mit etlichen Eigenheiten.

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ANDERS

Im Prinzip kommen bei der Grundkonstruktion gar nicht mal so exotische Materialien zum Zuge: Ahorn mit Palisander-Griffbrett beim aufgeschraubten Hals, Swietenia-Mahagoni für den Body. Letzterer ist freilich mit einer spektakulär wilden Maserpappel-Decke versehen, die sich im kristallklaren Hochglanz-Polish höchst ungewöhnlich, nämlich offenporig präsentiert, was auch für die Korpusrückseite gilt. Im krassen Gegensatz dazu ist der hochglanzlackierte Riegelahorn-Hals spiegelglatt, und dabei wird, wieder ungewöhnlich, auch das Palisander-Griffbrett einbezogen.

Auch das schöne Palisander-Griffbrett wurde in die Hochglanzlackierung einbezogen. (Bild: Dieter Stork)

Und weil in den Holzporen nicht an eingeriebenem Goldlack gespart wurde, sind auch alle Anbauteile vergoldet, was dem schmucken Selma Bass einfach nur bestens steht.

Das aufwendige Finish kombiniert beim Korpus Offenporigkeit mit Hochglanz. (Bild: Dieter Stork)

Unter den blinkenden Goldkappen arbeiten fette Einspuler von David Barfuss, per Überblender stufenlos mischbar. Höhen und Bässe können an der aktiven Zweiband-Klangregelung von Klaus Noll sowohl angehoben wie gedämpft werden, mit herausgezogenem Mastervolume-Knopf bekommt man den puren Passiv-Sound geboten.

Beim massigen Transtone-Steg können die Saiten wahlweise von oben oder durch den Korpus eingefädelt werden. (Bild: Dieter Stork)

Grundsolide kommt der massige Hipshot-Transtone-Steg rüber, dessen langgestreckte Saitenreiter in einzelne Bahnen der extrastabilen Grundplatte festgeklemmt werden; die Saiten können sowohl von oben wie durch den Korpus eingefädelt werden. Schaller Security Locks halten den wertvollen Lak-Bass sicher am Gurt, ebenfalls von Schaller stammen die gekapselten Präzisions-Tuner auf der Kopfplatte. Noch ein spezielles Baudetail findet sich hier, denn der stabile Headstock ist nur gerade so sanft abgewinkelt, dass sich ausreichender Saitendruck auf den Knochensattel ergibt.

INSPIRIEREND

Die Spielfreude beflügelt der handwerklich höchst akkurat gebaute Barockbass nicht nur durch die spezielle Ausstrahlung, sondern ganz konkret mit entgegenkommender Ergonomie. Fast meint man, einen leichtgängigen Mediumscale in den Händen zu halten, doch das Nachmessen ergibt die volle Longscale-Mensur.

Der standfeste Hals wirkt griffig und zugleich schmal, wieder verwundern dabei die erwachsenen 19-mm-Saitenabstände am Steg. Am 22. Bund ist freilich Schluss und das Hauptgewicht liegt beim fülligen, großen Body, der für vorbildlich stabile Lage am Körper sorgt. Immerhin bringt die Selma als Viersaiter 4,2 kg auf die Waage, die man wegen der günstigen Balance jedoch nicht unangenehm auf der Schulter spürt.

Schon das akustische Vortesten beeindruckt, das Gold hat der Bass offenbar nicht nur auf der Haut, sondern ebenso in der Kehle! Präsentes Sustain geht einher mit bemerkenswerter Tonkontrolle; die nur sanft abgewinkelte Kopfplatte scheint hier eine kalkulierte Wirkung auszuüben und den Saitenzug maßvoll zu erhöhen, um die konkrete Tondarstellung zu fördern. Den Selma-Bass zu beschreiben, ist wegen seiner charakterlichen Eigenständigkeit nicht ganz einfach, und ganz gewiss spielen hier Faktoren ineinander, die viel Identität stiften. Wenn sie einfach nur den Spieler inspirieren, hat das abgefahrene Instrument schon einen wertvollen Dienst erfüllt.

Vom Hals-Pickup kommen klar durchzeichnete, trotzdem fundiert warme Klänge mit markanten Mitten, die Stegposition verblüfft hingegen durch nicht minder tragfähigen Sound und ist hier die offenere Klangquelle ohne die sonst positionstypischen Nasalfärbungen. Problemlos lassen sich am EQ die gewünschten Starkbässe und Klick-Schmatzer dosieren. Hinter aufgebretzelten Aktiv-Sounds muss sich der Passiv-Modus keinesfalls verstecken, da hat Selma kraft ihrer schwingfreudigen Holzbasis und der Singlecoils filigrane und zugleich offensive Charaktere zu bieten.

Leider hat man in der Mittelstellung des Überblenders auf eine Humbucker-Wirkung des Einspuler-Paares verzichtet, sodass in sämtlichen Einstellungen mit Nebengeräusch-Einstreuungen in der Nähe von Trafos gerechnet werden muss – das ist nun die einzige Blöße, die sich dieses große Instrument gibt.

(Bild: Dieter Stork)

RESÜMEE

Diese barock gestaltete Selma ist ein höchst eigenständiger Bass, und das liegt nicht nur am spektakulären Finish. Frei von jeglicher Anbiederung an irgendwelche Vorbilder entfaltet der Viersaiter seinen eigenen Stil, und der überzeugt sowohl haptisch wie auch klanglich, vereint Solidität mit entgegenkommender Spielbarkeit, Sustain-Stärke mit besonders konkreter Tonartikulation. Ein großartiger Bass mit inspirierenden Eigenheiten!

PLUS

  • Klangverhalten, Sustain, konkrete Tondarstellung
  • Spielbarkeit, Balance
  • außergewöhnliches Finish
  • Hölzer, Ausstattung, Verarbeitung

(erschienen in Gitarre & Bass 06/2020)

Produkt: Gitarre & Bass 8/2019 Digital
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