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Rote Rakete

Test: Jackson X-Series Concert V

(Bild: Dieter Stork)

Traditionelle Grundwerte bieten hier die verlässliche Basis, deren Auslegung von Jackson dann aber alles andere als zahm ist. Für die Anfeuerung sorgt dabei jedenfalls nicht nur der offensive Rotlack.

Unübersehbar bezieht sich der Concert-Fünfsaiter auf das Precision-Arbeitstier, allerdings um einen J-Pickup erweitert, mit zeitgemäßer Aktiv-Schaltung und moderner Hardware ausgerüstet. Das Wichtigste ist hier zudem der Speed, den der leichtgängige Hals ins Spiel bringt, und das auch noch mit frisierter Tonmacht.

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Tongesundheit

Denn was man dem flott spielbaren Jackson nicht auf Anhieb anmerkt: Es handelt sich um einen Extralongscale mit 888-mm-Mensur! Das hat natürlich Folgen für die Klangartikulation, ebenfalls die Bauweise mit durchgehendem Hals, sodass hier machtvolle Souveränität mit üppiger Sustain-Entwicklung einhergeht. Der lange Hals ist aus einem Stück Ahorn gebaut, seitlich sind Korpusteile aus Pappelholz angeleimt. Für das schwarz eingefasste Griffbrett mit den markanten Haifischflossen-Einlagen kommt wieder harter Ahorn zum Einsatz.

(Bild: Dieter Stork)

Die abgewinkelte Kopfplatte sorgt auch ohne Niederhalter dafür, dass die Saiten sicher in den Sattelkerben liegen, allerdings birgt die lange spitze Kopfplatte bei einem Sturz oder ungeschütztem Transport auch die Gefahr, abzubrechen, zumal der unverstärkte Übergang zum Hals durch die Spannstabfräsung geschwächt ist.

Einwandfrei gestärkt zeigt sich jedoch der Ton, und das nicht zuletzt durch den massigen Flachsteg, dessen T-förmige Saitenreiter in der dicken Grundplatte in Führungsnuten greifen. Die gekapselten Stimmmechaniken arbeiten feingängig und spielfrei. Damit der Bass trotz konventioneller Halter nicht vom Gurt flutscht, sind extragroße Knöpfe montiert.

(Bild: Dieter Stork)

Bei den Jackson-Tonabnehmern in P/J-Konfiguration handelt es sich um moderne Interpretationen der klassischen Formate, bei denen die Stahlpole von unten durch kräftige Keramik-Magnete aufgeladen werden. Jeder Tonabnehmer besitzt einen eigenen Pegelsteller, zur weiteren Klangformung ist eine dreibandige Aktiv-Klangregelung an Bord, wobei eine Passiv-Einstellung beim Concert V nicht vorgesehen ist. Die 9-Volt-Batterie ist im rückwärtigen Klappfach schnell zu wechseln und für mehr als 400 Spielstunden gut.

Immer stark

Extralange Mensur, langgestreckte Kopfplatte – das ergibt am Gurt unweigerlich eine gewisse Kopflastigkeit. Wer damit klarkommt, dass der Bass in cooler Pose waagerecht vor dem Körper hängt, wird das nicht als Einschränkung empfinden. Zumal das flache D-Profil des Halses ansonsten das Agieren auf dem Griffbrett komfortabel macht, sodass man dem Concert V seine zusätzlichen Mensur- Zentimeter kaum anmerkt.

Aber man hört sie eindeutig, denn sie sorgten für eine höhere Saitenspannung und somit für besonders kontrolliertes Schwingungsverhalten: Derart sonore, souveräne Power liefern die wenigsten Fünfsaiter, stramm und machtvoll bis in tiefste Lagen hinab! Die straffe Drahtigkeit bewirkt auch, dass die bemerkenswerte Sustain-Entwicklung des durchgehenden Halses nicht ins schwelgend-weiche abdriftet, sondern klare Konturen behält. Absolut passend dazu übertragen die Jackson-Tonabnehmer die Saitenschwingungen breitbandig vom Tiefbass bis zur Brillanzspitze, hier ist also die Frequenzband-Erweiterung durch die keramischen Magnete nur angemessen.

(Bild: Dieter Stork)

Dass dabei der Charakter nicht auf der Strecke bleibt, wird durch eine kernige Präsenznuance gewährleistet, besondere Durchsetzungskraft im Band-Kontext ist somit in allen Pickup-Einstellungen gewährleistet. Mit besonders aggressiv knorrigen Mitten geht der J-Singlecoil in der Stegposition zu Werke, wobei am Ende allerdings die kerngesunden Bässe der H-Saite überraschen. Beim Übergang auf den P-Splitcoil ist ohnehin die stramme Wucht der Druckbässe begeisternd, wobei dieser Tonabnehmer das Kunststück zuwege bringt, auch den präzisen Brillanzklick ebenso energiereich in Szene zu setzen. Hilft man da noch mit dem aktiven Höhenregler nach, entsteht ein spitzmetallisches Lispeln in bester StingRay-Manier, auch der wirkungsvolle Bassregler greift tight, aber machtvoll zu. Und gehörige Kontrolle über die Charaktermitten hat man auch, sodass sich kissenweiche Abdämpfungen ohne Verlust in der Basskraft einstellen lassen, oder sich bei Anhebungen kernig aggressiver Draht in den Vordergrund stellt.

(Bild: Dieter Stork)

Resümee

Stramme Power und souveräne Durchsetzungskraft vom Tiefbass bis zum Brillanzklick – bei diesem Extralongscale stehen alle Zeichen auf maximale Kraftentfaltung! Nicht nur mit eindrucksvollen Klangstärken und präziser Artikulation präsentiert sich der Concert-Fivestring, hier passt auch alles harmonisch zusammen, sodass man bei jeder Tonabnehmer- Einstellung und allen Klangregel-Varianten im wahrsten Sinne des Wortes starke Ergebnisse erwarten darf. Dass dies zu einem derart maßvollen Preis gelingt, spricht nochmals für die X-Serie von Jackson.

PLUS

  • machtvoller, souveräner Powersound
  • Sound-Variabilität
  • Definiertheit, Sustain, Präzision
  • Ausstattung, Verarbeitung

MINUS

  • Kopflastigkeit

(erschienen in Gitarre & Bass 08/2019)

Produkt: Gitarre & Bass 10/2019
Gitarre & Bass 10/2019
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