Er steht auf Nylons

Test: Jablonski Guitars Menhir Jumm-Boh!

Jablonski Menhir Jumm-Boh
(Bild: Dieter Stork)

Gute Elektrobässe können etliche bauen, hervorragende Akustikinstrumente nur wenige. Denn hier hängen die klanglichen Ergebnisse von diffizileren Feinheiten ab, von handwerklicher Meisterleistung und nicht zuletzt auch der Erfahrung.

Die hat Christian Jablonski sich in fast dreißig Jahren Gitarrenbau erworben, seine Abschlussarbeit für den Zupfinstrumentenmachermeister wurde einst mit dem Meisterpreis der Bayerischen Staatsregierung ausgezeichnet. Weil er heute in Österreich an einer Technischen Bundeslehranstalt Instrumentenbau unterrichtet, entstehen zwar nur wenige eigene Instrumente im Jahr, der Passion für Außergewönliches schadet das aber nicht. Dieser hochklassige Akustikbass ist etwas Besonderes.

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großer sensibler

Das fängt bei der voluminösen Handlichkeit dieses Jumm-Boh! an, wo der Fünfsaiter einerseits das ausreichende Korpusvolumen für die tiefen Töne der H-Saite aufbringen muss, dabei aber praktisch die gleiche, leichte Spielbarkeit wie ein E-Bass aufweisen soll. Diese Problematik löst Christian Jablonski beim Korpus auf mehrfache Weise: Breite Schultern fürs Volumen, schmale Taille plus Cutaway für ungehinderten Zugriff; der große Menhir-Korpus ist betont kurvig.

Und ein Keil, denn am großen Korpusrund beträgt die Zargentiefe fette 155 mm und schnurrt dann in Richtung Spielbereich bis auf handliche 93 mm zusammen, was gemeinsam mit dem E-Bass-flachen Shortscale-Hals wirklich entgegenkommend ist. Richtig gelesen: Dieser große Akustik-Fivestring ist ein Shortscale mit 762-mm-Mensur. Im Grunde ist eine kurze Saite für kraftvolle Tiefen gar nicht so ungeeignet, schließlich ist ja der Saitenzug geringer als bei längeren Mensuren, die schlabbrigere Saite kann ungehemmter ausschwingen – wenn sie nur in sich selbst nicht zu steif ist.

Für besondere Elastizität sorgen beim Jablonski-Bass die aufgespannten Nylonsaiten von Hannabach, deren Kern aus vielen biegsamen Nylonfäden besteht, umwickelt mit versilbertem Runddraht. Sie reagieren ungleich sensibler als Stahlsaiten, sind dabei viel weicher und dynamisch heikler, was aber durch außergewöhnlich volle und detailstarke Ausgewogenheit belohnt wird. Natürlich muss das Instrument auf die speziellen Verhältnisse angepasst werden, nämlich entsprechend feinfühlig auf die Saitenanregung reagieren.

filigran detailreich

Die große Schwingdecke aus massiver Fichte ist knapp 3 mm stark und innen über weite Strecken lediglich durch eine hauchfeine Fächerbeleistung verstärkt, selbst die beiden Fichtenholz-Querbalken vor und hinter dem Schallloch wirken zierlich. Nur 2 mm dünn sind die Zargenteile aus hartem, gesegnetem Apfelbaum, der vorher einen Pfarrgarten zierte und jetzt im dünnen Aufschnitt ein himmlisch wildes Maserungsbild beim Menhir-Bass abgibt. Aus dem gleichen charakterstarken Holz ist auch der zweiteilige Boden gebaut, der seine Stabilität aus der Wölbung und einer angemessenen Querverbalkung bezieht.

Jablonski Menhir Jumm-Boh
Für Zargenteile und Boden kommt gesegneter Apfelbaum aus einem Pfarrgarten zum Einsatz. (Bild: Dieter Stork)

Schöne Einfassungen aus Rosenholz, mehrfach kombiniert mit dreilagigem ABS, Palisander und Fiber-Zwischenlagen umrunden Decke und Boden, die schmale Daumenstütze ist aus strapazierfähigem Zwetschgenholz angefertigt. Rundum findet man meisterliche Verarbeitung vor, unter perfektem Hochglanz-Hartlack präsentiert. Zugunsten der Griffigkeit wurde der einstreifige Cedro-Hals seidenmatt lackiert, in Höhe der 14. Lage ist er mit kurzem deutschem Halsfuß an den Korpus gesetzt, die angeschäftete Kopfplatte vorne durch das wiederkehrende Apfelholz verziert und einen mehrfarbig abgesetzten Mittelstreifen aus Rosenholz.

Zur Attack-Schärfung ist ein hartes Bubinga-Griffbrett von mehr als 5 mm Stärke aufgeleimt, wobei eine hellere Splitzone als dekoratives Element eingesetzt wird. Die Oktavlage ist durch eine konzentrisches Inlay aus Messing, Aluminium und Perlmutt markiert, in der Griffbrettflanke finden sich dezente schwarze Dots für die wichtigsten Lagen. Dank des Korpusausschnitts geht es ungehindert bis in die 18. Lage, darüber muss man freilich auf den abstützenden Daumen verzichten. Am anderen Griffbrettende sitzt ein Sattel aus ungebleichtem Rindsknochen.

Jablonski Menhir Jumm-Boh
Griffbrettende, Schallloch, Cutaway: Ungehindert spielt sich der Fünfsaiter bis zur 18. Lage. (Bild: Dieter Stork)

was ist dran?

Elektrisch ist der Jumm-Boh! mit einer Kondensator-Stegeinlage, einem zusätzlichen Decken-Tonabnehmer und dem passenden Preamp von B-Band ausgestattet, der per Schieberegler die Mischung der beiden unterschiedlichen Abnehmer erlaubt. An Bord ist dabei ein Dreiband-EQ, ein durchstimmbares Notch-Filter gegen Rückkopplungen, ein Phasenumschalter und ein Stimmgerät. Die Bedienelemente hat man in der oberen Zarge im Prinzip gut im Blick, wenn auch deren teils kryptische Beschriftung nicht bei der intuitiven Bedienung hilft. Batteriefach und Klinkenausgang sitzen im Korpusrund, das wertvolle Instrument ist mit Sicherheits-Gurthaltern bestückt.

Interessant ist der Steg geformt, der ja die Zugkräfte der Saiten auf eine größere Deckenfläche verteilt. Es fällt auf, dass die auslaufenden Stegenden von oben stark ausgehöhlt sind, um die Schwingdecke nicht unnötig zu versteifen; für die Stabilität reichen die dicken Seitengrate. Tatsächlich fällt schon beim ersten Jablonski-Ton ungemeine Tonwärme und Bassigkeit auf, das spricht für gute Zusammenarbeit zwischen Spezialsaiten und Spezialbass. Einerseits schnurrt er schon bei zarten Berührungen wollwarm und füllig drauflos, und zwar vollkommen gleichmäßig bis zum tiefen H hinab. Wow!

Andererseits täuscht der erste Eindruck von weicher Sanftmütigkeit durchaus, wenn man nämlich einen Gang höher schaltet und fester in die Nylons geht. Markant und knorrig stellt der Menhir nun seine Mittenstärken heraus, nach wie vor auf saftigem Fundament, Tonfülle und Kontur der Ansprache lassen sich mit den Fingern ungewohnt willig variieren – eine ausdrucksstarke Spanische Konzertgitarre im tiefen Bass-Register! Man kann sogar verblüffend laut spielen, wenn man sich an eine angemessene Zupftechnik für die weichen Saiten herantastet.

Mit seinem kultivierten, modulationswilligen Detailklang sichert der Menhir Jumm-Boh! vollendeten Klanggenuss. Von seinen Feinheiten kommt übrigens auch viel bei elektrischer Abnahme rüber, wobei man zwischen Stegeinlage und Deckenmikrofon die Wahl zwischen gesteigerter Direktheit und luftigem Korpusklang hat.

Jablonski Menhir Jumm-Boh
Um die Decke nicht unnötig zu dämpfen, sind die Stegschwingen von oben ausgehöhlt. (Bild: Dieter Stork)

resümee

Man muss nur einige Töne zupfen, um das Spitzenniveau dieses Meisterbasses zu erkennen, dessen sensible Schwingkonstruktion perfekt auf die weichen Spezialsaiten angepasst ist. Die warmtönende Bassfülle verblüfft ebenso wie die vollkommene Ausgewogenheit vom tiefsten bis zum höchsten Ton, der Menhir Jumm-Boh! glänzt zudem mit enormer Detailfeinheit und geht ungewohnt willig auf zarte Variationen der Spieltechnik ein. Ohne Frage spielt dieser durchdacht konstruierte Fünfsaiter in der akustischen High-End-Klasse.

Jablonski Menhir Jumm-Boh

Jablonski Menhir Jumm-Boh

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(erschienen in Gitarre & Bass 09/2018)

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