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back & better

Test: Ibanez EHB1505 & EHB1505MS

(Bild: Dieter Stork)

Mit dem Electric Headless Bass bringt Ibanez das kopfplattenlose Design zurück, welches seit Längerem gründlich aus der Mode gekommen war. Zu Unrecht, wie sich zeigt.

Praktisch ist ein Headless allemal, wenn er auf engem Raum mehr Bewegungsfreiheit schafft. Noch wichtiger, steckt jedoch auch klanglich eine Menge Potential darin, das von diesen Ibanez-Modellen sehr überzeugend ausgenutzt wird. Der EHB1505 ist ein normaler Longscale-Fivestring, die MS-Version (Multi Scale) bietet gefächerte Bünde, von knapp Longscale für die höchste Saite bis 35″-Extralongscale fürs tiefe H.

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WEGLASSEN UND ZUFÜGEN

Die Kopfplatte fehlt, und ob der hier übrig gebliebene Stumpf wirklich besser aussieht, darf diskutiert werden. Doch zweifellos ist es eine sehr stabile und praktikable Lösung, bestückt mit fünf einzelnen Stringposts, in denen die Saitenenden von hinten durch Inbusschrauben festgesetzt werden. Natürlich sitzt die Stimmmechanik hier am anderen Saitenende, als fünffach Monorail, kombiniert mit einer dreidimensional justierbaren Stegkonstruktion, bei der die verschiebbare Saitenauflage durch eine Klemmschraube unverrückbar fixiert wird.

Zur Stärke der neuen EHB-Modelle trägt durchweg hochwertige Ausstattung bei. (Bild: Dieter Stork)

Um Steife und Stabilität geht es auch bei den Hölzern, insbesondere bei der neunstreifigen Halskonstruktion aus dem Wenge-artigen Panga Panga und den dünneren Zwischenlagen aus Nussbaum. Der Headless-Hals ist fünffach mit dem Body verschraubt und sitzt spielfrei in der präzise bemessenen Korpustasche. Spektakulär wild präsentiert sich die zweiteilige Decke aus Poplar Burl, afrikanisches Mahagoni bildet die Korpusbasis. Im Griffbrett, welches wiederum aus dem braunschwarz gemaserten Panga Panga besteht, sitzen 24 harte Edelstahlbünde im Medium-Jumbo-Format.

Wo der normale EHB1505 die standardmäßige Longscale-Mensur von 862 mm besitzt, bietet das MS-Modell mit der gefächerten Bundierung für jede Saite eine eigene Mensurlänge, angefangen bei 839 mm für die G-Saite bis zu 889 mm Extralongscale fürs tiefe H. Um bei beiden Bässen die Abtastpunkte der Tonabnehmer in etwa gleich zu platzieren, sind die Pickups beim Multiscale-Modell schräg eingebaut. Es handelt sich um große Splitcoils von Nordstrand, die im Soapbar-Format gebaut sind.

Aufgrund der diagonal zu den Saiten angeordneten Alnico-Magnete passt dieser Pickup-Typ auch perfekt für den Multiscale-Einsatz. Im Reglerfeld fallen zwei doppelstöckige Potis auf, wovon das eine die Regler für Bässe und Höhen zusammenfasst, im zweiten die Einsteller für Mitten und die stufenlos durchstimmbare Mittenfrequenz zu finden sind. Per Kippschalter ist die aktive Klangregelung abschaltbar, im Passiv-Modus wird der Höhenregler zur passiven Tonblende umfunktioniert. Die Stromaufnahme der Vari-Mid-Elektronik liegt knapp unter 1,5 mA, was eine Batterie-Lebensdauer von rund 380 Spielstunden verspricht.

POTENZSCHWINGER

Der Hals ist nicht nur neunstreifig gebaut, sondern innen zusätzlich mit Grafitstäben versteift. (Bild: Dieter Stork)

Mangels Kopfplatte kann ein Headless-Bass natürlich keine Kopf­lastigkeit entwickeln. Die beiden EHB-Modelle hängen entspre­chend willig und stets ausbalanciert in jeder gewünschten Spiel­haltung. Damit sie nicht unerlaubt vom Gurt flutschen können, sind Schaller Security Locks montiert. Angenehm ist bei den aus­gewachsenen Fünfsaitern das maßvolle Gewicht von nur 3,5 kg, auch das griffig-flache Halsprofil weist die Bässe als leichtgängige und entgegenkommende Player aus.

Neben den Vorzügen im Spielkomfort kann ein guter Headless übrigens auch klanglich punkten. Eine traditionelle Kopfplatte mag zwar schön aussehen, sie kann aber auch Schwingungsenergie aufzehren, sofern sie nicht besonders steif und stabil gebaut ist. Dieses Problem ergibt sich bei einer kopflosen Bauweise erst gar nicht, und das hört man den erfrischend energetischen und obertonstarken EHB-Fünfsaitern auch deutlich an!

Natürlich trägt der ungemein stabile und schwingsteife Neunstreifen-Hartholzhals hier auch seinen Teil zum schwingfreudigen, tighten Ton bei. Und der Hersteller macht auch kein Geheimnis daraus, dass im Hals zusätzliche Grafitversteifungen dem Sustain und der Gleichmäßigkeit nachhelfen.

Vollends überzeugt wird man von den EHBs nach dem Einstöpseln in den Amp sein, wo die Nordstrand-Splitcoils den erwachsenen Basston ebenso fundiert wie präzise rüberbringen, wobei der angriffslustige Growl auch nicht zur kurz kommt. Wo der normale Fivestring sich insgesamt etwas nüchterner präsentiert, kommt beim Multiscale-Modell noch die mächtigere Tiefenmacht hinzu, aber bei beiden EHBs sorgt die potente Aktiv-Klangregelung für enorme Variations-Spielräume; insbesondere die durchstimmbaren Mitten setzen dabei für den persönlichen Sound unverwechselbare Timbre-Akzente.

In einzelnen Stringposts werden die Saiten per Inbusschraube festgeklemmt. (Bild: Dieter Stork)

RESÜMEE

Vielleicht kann man die fehlende Kopfplatte bei einem Headless-Bass betrauern, aber sonst bekommt man bei den neuen EHB-Modellen von Ibanez nur Vorteile geboten. Die liegen natürlich zuerst in der praktischen Handhabung, leichter Spielbarkeit und perfekter Balance in allen Haltungen – aber auch klanglich haben diese hochgezüchteten Headless-Fivestrings überzeugende Stärken zu bieten. Schwingfreudig, drückend und tight gehen die hochwertig ausgestatteten Fünfsaiter zu Werke, und was die ungemein variable Klangregelung aus den starken Pickups herausholt, beeindruckt in jeder Hinsicht.

PLUS

● Klangverhalten, schwingfreudiger Ton
● Sound-Variabilität
● Ausstattung
● Hölzer, Verarbeitung

(erschienen in Gitarre & Bass 04/2020)

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