Produkt: Jack Bruce 1943 – 2014
Jack Bruce 1943 – 2014
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Ungleiche Brüder

Test: Ibanez EHB1005 & EHB1005MS

(Bild: Dieter Stork)

Die opulenten Modelle EHB1505 (siehe Test in G&B 04/2020) sind nicht die einzigen Headless-Neuheiten bei Ibanez, sie haben nämlich auch schlichter aussehende Geschwister. Wobei die aufgeräumtere Optik ja nicht bedeuten muss, dass hier etwas fehlt.

In puncto hochwertiger Ausstattung sind die günstigeren Model­le tatsächlich gleichwertig, wenn auch hier mit anderen Marken­tonabnehmern gearbeitet wird. Hinzu kommt, dass andere Hölzer verwendet werden, sodass auf gleicher konzeptioneller Basis verschiedene Klangergebnisse kultiviert werden. Wie bei den EHB1505ern, sind die EHB1005-Varianten wahlweise mit normaler Longscale-Mensur und als Multiscale-Fivestring zu haben.

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VERTRAUTER

Wo die 1505er auf spektakuläre Knollendecken und exotische Hölzer setzen, sind bei den 1005ern konventionellere Arten ver­baut. Der deckend lackierte Body besteht aus amerikanischem Basswood, also Lindenholz, für den aufgeschraubten Hals wird vorwiegend Ahorn genommen. Auch hier sorgt eine mehrstreifige Konstruktion für gesunde Statik, allerdings nicht mit neun Streifen, sondern mit fünf, wobei zwei schmalere Lagen Nussbaum die drei breiteren Ahornstreifen absperren.

Drei Streifen thermobehandelter Ahorn sind mit zwei Streifen Nussbaum abgesperrt. (Bild: Dieter Stork)

Durch eine Thermobe­handlung wird freilich der Halsahorn in seiner Struktur modifiziert und gehärtet, zusätzlich versteifen auch hier eingelegte Graphit­stäbe die Konstruktion. Roasted Maple wird auch für das aufge­leimte Griffbrett verwendet, das mit 24 Edelstahl-Medium-Bünden bestückt ist und auf eine zusätzliche Einfassung zum Verdecken der Bundschlitze verzichtet.

In der Hardware-Ausstattung sind gegenüber den teureren Brü­dern keine Unterschiede feststellbar, die gleichen hochwertigen Monorail-Stimmstege sitzen auch hier auf dem Korpus, ebenso arretierbare S-Locks von Schaller, auf dem Kopfplattenstummel sitzen einzelne Saitenklemmen. Auch die extrem klangflexible Vari-Mid-Elektronik kommt wieder zum Einsatz, wird allerdings von anderen Tonabnehmern angesteuert. Bei den BH2 handelt es sich Humbucker mit zwei Spulen für sämtliche Saiten, was gegen­über dem Splitcoil-Design der 1505er-Nordstrand-Bestückung einen deutlichen Sound-Unterschied erwarten lässt.

Zur Feinjustierung der Abstände sind die Saitenauflagen verschiebbar. (Bild: Dieter Stork)

LEICHTER

Ergonomisch bekommt man bei den EHB1005 das Gleiche wie bei den großen Geschwistern geboten, die Testbässe sind aufgrund ihrer zur Gewichtsreduktion teils ausgehöhlten Bodys sogar noch 100 Gramm leichter. Auch der breite, flach geformte Hals fühlt sich genauso an, sieht man von der etwas glatteren, seidigen Lackober­fläche ab.

Extreme Unterschiede sind allerdings im Klangverhalten zu verzeichnen: Wo die 1505er mit ihrem Hartholzhals betont obertonstark auftreten, wirkt der Grund-Sound der 1005er geradezu gedämpft und konzentriert sich auf die runde Bassbasis. Das ist schon rein akustisch nicht zu überhören und wird offenbar elektrisch noch durch die warmbassige Übertragungscharakteristik der Bartolini-Humbucker unterstützt.

Sowohl der normale Longscale wie auch die Multiscale-Ausführung geben sich damit im Klang viel mehr Vintage, als es die moderne Optik vermuten ließe. Da mit dem Vari-Mid-EQ eine wirkungsstarke und sehr variable Klangregelung an Bord ist, bleibt man zwar nicht auf den milden, warmen Ton festgenagelt – aber bei aller Variabilität bleibt dieser doch im Zentrum des Geschehens.

Die Lagenmarkierungen leuchten im Dunkeln nach. (Bild: Dieter Stork)

RESÜMEE

Wer hätte das gedacht? Obwohl die günstigeren EHB1005 in vielen Details den aufwendigeren 1505-Modellen gleichen und konzeptionell auf der gleichen Basis stehen, bewirken die veränderten Hölzer zusammen mit den warmtönenden Pickups unerwartet drastische Klangveränderungen. Im Gegensatz zu den obertonstrahlenden Brüdern wird hier der runde, mollige Vintage-Sound kultiviert. Bei der schlichteren Präsentation geht es also nicht allein ums Sparen, sondern um einen anderen Grundcharakter.

PLUS

● Klangverhalten, runder, bassiger Ton
● Sound-Variabilität, Klangregelung
● Ausstattung
● Hölzer, Verarbeitung

(erschienen in Gitarre & Bass 05/2020)

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