Produkt: Gitarre & Bass 8/2019 Digital
Gitarre & Bass 8/2019 Digital
Special: PUNKROCK – Die Toten Hosen, Donots, Muff Potter +++ STORY: Paul Gilbert, Derek Trucks, Stu Hamm, Esperanza Spalding, Laura Cox, The Amazons, Accept, Carol Kaye, Keith Merrow +++ TEST: LTD Xtone PS-1000, Framus D Series, Mesa California Tweed 6V6 4:Forty, BassLine Bustiny 5, Collings D2H, G&L Fullerton Deluxe ASAT, EBS Reidmar 502, Walrus Audio Lillian & Monument, Seymour Duncan Billy Gibbons Red Devil PUs
Der Innovator

Test: Ibanez AFR5WAP

Ibanez AFR5WAP(Bild: Dieter Stork)

Rolf Spuler war ein begnadeter Instrumentenbauer und Designer und insbesondere für seine innovativen Ansätze rund um das Thema Piezo bekannt. Anfang der 1990er-Jahre entwarf er für Ibanez den edlen Affirma Bass, der jetzt als Premium-Modell wieder aufgelegt wird.

Die exzentrische Form ist unverwechselbar und steht dabei ganz im Dienste der Ergonomie. Und was am Affirma-Bass so spartanisch aussieht – scheinbar nur ein Pickup ist vorhanden – endet nachher klanglich mit ganz besonderen Ergebnissen, denn in diesem Instrument werkelt noch viel mehr im Hintergrund. Zwei AFR-Ausführungen stehen zur Wahl, einmal mit Ahorn-Body, einmal aus Walnut, und das sowohl mit vier wie auch mit fünf Saiten.

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ERGONOMIE

Konstruktiv bietet der Affirma einen eingeleimten Hals, der bis in die Mitte des Bodys reicht. Da Rolf Spuler einer der ersten war, der mit Graphitversteifungen experimentierte, besitzt auch der aktuelle, dreistreifige Ahornhals entsprechende Einlagen. Im Ebenholzgriffbrett sitzen 22 Jumbo-Vollbünde sowie zwei Teilbundstäbchen für die obersten Saiten.

Bei unserem Testmodell ist der Korpus aus zwei Stücken Walnut zusammengesetzt, auf der schmalen, abgewinkelten Kopfplatte taucht dieses Holz als 3 mm starker Front-Belag wieder auf. Wie beim Original, findet sich im Korpus eine Perlmutteinlage mit dem Hinweis auf den Designer.

Ibanez AFR5WAP
Sorgfältig verrundete Bundenden tragen zum angenehmen Spielgefühl bei. (Bild: Dieter Stork)

Feingängige, gekapselte Tuner sind hier selbstverständlich, und wie beim damaligen Ur-Affirma sitzen Monorail-Einzelstege mit eingebauten Piezo-Köperschallabnehmern im Korpusholz. Von der Rückseite her lassen sich die Pegel der einzelnen Saiten an fünf Trimmpotis exakt abgleichen. Im Bedienfeld besitzt die Piezo-Abnahme einen eigenen Volumen-Regler sowie eine Tonblende.

Ebenfalls mit eigenem Volume ist der magnetische Pickup von Bartolini im Reglerfeld vertreten. Als Klangregelung für den zweispuligen Tonabnehmer kommt eine aktive Zweibandschaltung mit gestackten Reglern für Höhen und Bässe zum Einsatz.

In einem Klappfach auf der Korpusrückseite ist die Batterie leicht zugänglich. Das ist auch wichtig, weil der 9-Volt-Block zwar für rund 180 Spielstunden ausreicht, wegen des aktiven Elektro-Konzepts aber auch unbedingt gebraucht wird – denn ohne Strom läuft hier nichts.

Ibanez AFR5WAP
Perfekter Abgleich der Piezo-Saitenpegel ist auf elektrischem Wege möglich. (Bild: Dieter Stork)

GROSSER TON

3,9 kg sind für einen erwachsenen Longscale-Fünfsaiter ausgesprochen günstig, entsprechend entspannt (und gut ausbalanciert) hängt der Affirma an der Schulter. Auch das vom Korpus wegstrebende untere Korpushorn hat seinen Sinn, denn damit krallt sich der Bass beim Spiel im Sitzen am Bein fest. Der breite, flach geformte Hals bietet viel Raum für kollisionsfreie Fingerarbeit ohne Anstrengung – alle Lagen auf dem Griffbrett sind ungehindert erreichbar.

Nicht nur im eigenständigen Aussehen, auch klanglich ist der AFR eine imposante Erscheinung, was er dem perfekten Zusammenwirken von präziser, schneller Piezo-Ansprache und wuchtigem Schub vom Magnet-Pickup verdankt. Dabei sind beide Abnahmearten wirkungsvoll im Sound variabel, sodass man mithilfe der wirkungsvollen Tonblende aus den Steg-Piezos nicht nur den aufreizend schmatzenden Brillanzton, sondern sogar sehr milde Klangbilder herausholen kann.

Ibanez AFR5WAP(Bild: Dieter Stork)

Auf der anderen Seite lässt sich dem schlanken Candybucker von Bartolini nicht nur unglaublicher Tiefenwumms entlocken, sondern bei aufgedrehtem Höhenregler soviel strahlende Brillanz, dass er damit glatt den Piezo in den Schatten stellen kann.

Bei aller Variabilität zeigt sich im Affirma-Konzept ein roter Faden, und der führt zum großen Ton. Von der Holzkonstruktion her sowieso mit flinker Tonansprache und mit üppiger Sustain-Entwicklung ausgestattet, fördert das Elektro-Konzept die breitbandige Präsentation vom wuchtigen Bassfundament bis zur offensiven Brillanzausleuchtung.

Ibanez AFR5WAP
Eine tiefe Rinne im Korpus dient als Daumenhalt (Bild: Dieter Stork)

RESÜMEE

Starke Performance: Ganz abgesehen von den Vorzügen der ergonomisch und klanglich durchdachten Holzkonstruktion führt die duale Tonabnahme zu imposanten Ergebnissen, die auch Jahrzehnte nach der Erstauflage des Affirma-Basses noch beeindrucken! Es ist das perfekte Zusammenwirken des ungemein direkten, intimen Piezo-Sounds mit der drückenden Dichte und Tiefe des magnetischen Pickups, welches diesem eigenständigen Fivestring den wirklich großen Ton beschert.

PLUS

● Klangverhalten, explizite Darstellung
● Sound-Variabilität
● Spielbarkeit, Ergonomie
● Verarbeitung, Ausstattung

MINUS

● kein Passivbetrieb möglich

Produkt: Gitarre & Bass Digital 12/2018
Gitarre & Bass Digital 12/2018
Mark Knopfler +++ Billy Gibbons +++ Behemoth +++ John Butler Trio +++ Coco Schumann +++ Voivod +++ MonoNeon +++ Besuch bei Deimel +++ Guitarworks

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