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Walfänger

Test: Hot Wire Inlaw 4

(Bild: Dieter Stork)

Das Flaggschiff bei Hot Wire ist der Inlaw, da bekommt man eine Menge Spitzenniveau geboten. Neben spektakulären Eigenheiten geht es hier um Verwandtschaft. Um die Verwandtschaft mit einem Traumbass, der schwer zu bekommen ist.

Zu Zeiten seines Mr.-Bassman-Shops hat Bert Gerecht eine Menge britischer Wal-Bässe unter die Leute gebracht; Ian Waller war zu Lebzeiten schon eine Legende, die sich gerne rarmachte. Seinen Bässen ging ein fabulöser Ruf voran, doch war es nie einfach, so ein Teil in die Finger zu bekommen. So ist es bis heute geblieben, selbst Vintage-Stücke, wenn sie denn gelegentlich auftauchen, gehören zu den teuersten Eighties-Bässen, die man finden kann. Da ist es nur willkommen, dass sich Hot Wire zu einer alten Liebe bekennt und den Inlaw im Geiste Ian Wallers aufgelegt hat. Mit einigen zeitgemäßen Optimierungen, denn es handelt sich nicht um eine Kopie, sondern um einen Verwandten, der die Stärken des Vorbilds auf eigene Weise interpretiert.

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Entsperrt

Der echte Wal gibt sich so eigen, dass er in mancher Hinsicht ziemlich sperrig wirkt. Das vermeidet der Inlaw, indem der Hals das ausgeprägte V-Profil stark abmildert und die beliebten Music-Man- Maße aufweist. Die fünfstreifige Konstruktion ist auch nicht aufgeschraubt, sondern durchgehend, dominierend sind die drei harten Ahornstreifen, zweimal schmäler mit Sapeli-Mahagoni versteift.

Die Korpusflügel bestehen bei Hot Wire aus leichter Sumpfesche. Zu den spektakulären Eigenheiten gehört hier die mit schwarzem Trennfurnier aufgesetzte 6-mm-Decke aus Buckeye-Knolle, die zweiteilig gespiegelt die komplette Korpusfront ausfüllt. Für die rundum perfekte Verarbeitung der leckeren Holzkonstruktion im knackigen Hochglanzlack ist übrigens Rüdiger Ziesemann verantwortlich – was die Verwandtschafts-Initiative von Bert Gerecht nicht schmälern soll, er hat schließlich die Vorgaben geliefert.

Beste Tonhölzer – perfekt verarbeitet und knackig präsentiert (Bild: Dieter Stork)

Ein besonderer Blick gehört den Tonabnehmern, die natürlich etwas mit dem Original zu tun haben müssen. Die Optik der W-Bucker mit den kleinen, justierbaren Polschrauben stimmt jedenfalls, auch das Innenleben wurde von Bassculture entsprechend der Originale abgestimmt.

Allerdings hier nicht mit Einzelspulen pro Saite realisiert, sondern insgesamt als zweispuliger Humbucker, mit dem Auftrag, sich am Ende nicht relevant von der Vorgabe zu entfernen. Entsprechend dem Verwandtschaftsgrad ist auch der Inlaw mit einer aufwendigen Aktivelektronik ausgestattet, verwendet allerdings nicht die für manchen schwer durchschaubaren Peak-Filter wie bei Wal, sondern setzt auf maximale Variabilität durch einen Dreiband-EQ mit 18-Volt-Speisung und durchstimmbaren Mitten.

Im Grunde sind auch die Regler für Bässe und Höhen nicht auf eine vorgegebene Funktion beschränkt, sondern können im Elektronikfach modifiziert werden: An zwei kleinen Rädchen sind obere und untere Grenzfrequenz des Bassbands justierbar, ein drittes Rädchen verstimmt die Höhenfrequenz. Ein Jumper dient noch dazu, den Bassregler wahlweise als reinen Booster zu verwenden. Und schließlich findet sich noch ein verstecktes Bright-Preset, welches durch Ziehen des aktiven Höhenknopfs abrufbar ist.

Zusätzlich zur üppigen Aktiv-Ausstattung ist eine passive Höhenblende an Bord, in die zugleich die Passiv-Umschaltung per Zugschalter integriert ist. Und damit sind wir klanglich noch immer nicht am Ende der Möglichkeiten, denn es steht für jeden Tonabnehmer ein dreistufiger Kippschalter bereit, mit dem die Einstellungen Parallel, Seriell und Singlecoil gewählt werden können. Auf der Kopfplatte arbeiten präzise halboffene Hipshot-Ultralites, als Steg wurde eine massestarke Messingkonstruktion von Hipshot gewählt.

Die umfangreiche Elektronik erlaubt extremste Sound-Schöpfungen. (Bild: Dieter Stork)

Walriabitität

Die umfangreiche Elektronik fordert allerdings ihren Tribut in Form regelmäßigen Batteriewechsels: Etwa alle 80 Spielstunden wollen die beiden 9-Volt-Blöcke erneuert werden, will man nicht nur rein passiv weiterspielen. Am Gurt hängt dieser große 4,2-kg-Longscale perfekt ausgewogen und stabil, ohne Frage ist auch der breite Hals mit den Stingray-Maßen mehrheitsfähig.

Die entscheidendste Zutat ist selbstverständlich klanglicher Natur, und die W-Bucker liefern einen hervorragenden Job ab: Wer den typischen Wal-Sound kennt (z. B. Mick Karn anhören), wird sofort erkennen, wie nahe der Inlaw diesen markanten Charaktereigenschaften kommt.

Insbesondere die knorrigen Mitten werden bei parallel geschalteten Spulen markant herausgestellt, während in der seriellen Verdrahtung verblüffend tiefer, weicher Bassdruck im Zentrum steht.

Schließlich ist für umfangreiche Obertöne die Singlecoil-Einstellung günstig, wobei allerdings beim Steg-Pickup die stegnähere Spule verwendet wird und einen entsprechend harten Sound herausgibt. Cremiger käme die etwas weiter vom Steg entfernte W-Bucker-Hälfte rüber. Aber das ist ja nur eine Frage der Verdrahtung und entsprechend leicht zu ändern.

Enorme Variationsspielräume beschert die umfangreiche Aktivschaltung, wobei die East-Elektronik in allen Einstellbereichen die Extreme auslotet. Etwas Zurückhaltung ist also bei der Reglerdosierung anzuraten, wenn man nicht aus der Bass-Rolle fallen will. Oder eben gerade das – wobei die Mitten-Parametrik genau die Wal-Stärken wie mit der Lupe vergrößert ausspielt.

Da die passive Tonblende auch in der Aktiv-Einstellung funktioniert, lassen sich damit auch rigide Präsenz- und Höhen-Boosts gefühlvoll abmildern. Andersherum erzeugt das Bright-Preset im Aktivmodus die crispen Brillanzschmatzer, wie sie auch von der Wal-Elektronik geboten werden. In jedem Fall bietet die Vielknopf-Ausstattung Möglichkeiten, die in ihrer Drastik weit über die üblichen Aktiv-EQs hinausgehen, was ja insgesamt sehr gut zur ursprünglichen Wal-Klangphilosophie passt.

Eine wichtige Zutat für den Charakter sind die hervorragenden W-Bucker von Bassculture. (Bild: Dieter Stork)

Resümee

Beim Testbass wurden alle Options-Register gezogen, entsprechend nobel kommt die perfekt gearbeitete Holzkonstruktion rüber und entsprechend riesig ist die klangliche Variationsbreite. Und die Verwandtschaft mit den legendären Wal-Bässen ist im Elektro-Sound klar zu erkennen, so markante Charaktermitten und weiche Tiefbässe werden sonst nämlich nicht geboten. Und was die Spielbarkeit angeht, gibt sich der Hot Wire zweifellos mehrheitsfähig, hängt angenehm und stabil am Gurt. Keine Frage, so sieht ein nobles Flaggschiff aus!

PLUS

  • Klangverhalten, Charakter-Sounds
  • extreme Sound-Variabilität
  • Spielbarkeit, Balance
  • Hölzer, Verarbeitung
  • Ausstattung

MINUS

  • Batterie-Verbrauch

(erschienen in Gitarre & Bass 04/2019)

Produkt: Gitarre & Bass Digital 09/2018
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