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Test: Holly Blue 12er & 15er

Holly Blue(Bild: Dieter Stork)

Aus guten Gründen findet man in Wiedergabesystemen für hohe Ansprüche immer mehrere Lautsprecher, die für ihren jeweiligen Frequenzbereich optimiert sind. Holly Blue setzt in diesem Sinne auf unverfälschte Details.

Bei modernen Bassboxen ist ein Hochtöner Standard, um neben satten Bässen auch die crispen Brillanzen angemessen zu präsentieren. Wesentliche Nuancen spielen sich allerdings in den Mitten ab, weshalb Holly Blue dafür noch einen Spezialisten an Bord holt. Die feine Aufteilung auf drei Wege ist jedoch längst nicht alles, was diese sauber gebauten Qualitätstöner aus deutscher Fertigung auszeichnet.

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FEINABSTIMMUNG

Leichtbau ist heutzutage beinahe selbstverständlich, das gilt auch für diese Lautsprecher aus robustem 15-mm-Pappelmultiplex: Mit nur 18,5 kg lässt sich die Dreiwege-12er locker alleine tragen, der zusätzliche 15″-Subwoofer ist trotz etwas größerem Gehäusevolumen sogar fast zwei Kilo leichter! Und was hier aussieht wie ein geschmackvoller Kunstlederbezug, ist eine extraharte, schlag- und kratzfeste Beschichtung aus Polyurea, einem Zweikomponenten-Material, welches industriell für höchste Beanspruchungen verwendet wird.

Auch die verwendeten Speaker tragen wegen der leichten, dennoch starken Neodym-Magnete zum angenehmen Gewicht bei. In der 12er arbeitet ein Basslautsprecher von Faital, auch der Mitteltöner mit dem Hochtonkragen ist eine Neodym-Type des italienischen Herstellers. Um den spitzen Klang eines Hochtonhorns zu vermeiden und gleichzeitig einen weiten, homogenen Abstrahlwinkel für die höchsten Frequenzen bereitzustellen, werden zwei Kalotten-Hochtöner von Mivoc mit Seidengewebe-Membran eingesetzt.

Damit die Mitteltonmembran von den Druckschwankungen des Basslautsprechers entkoppelt ist, arbeitet er (zusammen mit den Hochtönern) in einer gegenüber dem Bassreflexgehäuse abgeschlossenen Kammer. Auskleidungen mit Noppenschaumstoff sowie Akustik-Pads auf der Rückwand eliminieren Klangfärbungen durch stehende Wellen im Inneren.

Außer der Verdrahtung mit angemessen kräftigen Zuleitungen fällt auch der hochwertige Aufbau der Frequenzweichen auf, die zugunsten eines ausgeglichenen Phasengangs „weich“ mit nur 6 dB Flankensteilheit zugreifen. PTC-Elemente schützen Hoch- und Mitteltonlautsprecher separat vor Überlastungen. Die 12er ist mit zwei parallel geschalteten Speakon-Buchsen ausgestattet, verträgt 300 Watt Dauerleistung und besitzt eine Anschlussimpedanz von 8 Ohm.

Obwohl die 12″ von Holly Blue schon alleine ein erwachsenes Klangbild liefert und als Stand-Alone-Lösung konzipiert ist, wurde die 15er zur Verstärkung des Fundaments geschaffen. Auch hier arbeitet ein Neodym-Lautsprecher von Faital im Bassreflex-Gehäuse. Dass hier trotz der größeren Abmessungen ein geringeres Gewicht zustande kommt, liegt zum einen daran, dass hier Mittel- und Hochtonlautsprecher fehlen, zum anderen daran, dass keine Gehäuse-Unterteilung notwendig ist.

Dennoch sind Boden und Deckel intern mit je drei in Nuten eingeleimten Streben versteift. Wie die 12er ist die 15er mit zwei Speakon-Buchsen bestückt, die Belastbarkeit beträgt 400 Watt, die Impedanz 8 Ohm.

Holly Blue
Beim Stapeln stehen die Gummifüße sicher in den eingefrästen Passmulden. (Bild: Dieter Stork)

MIT LEICHTIGKEIT

Wo explizite Detaildarstellung angestrebt ist, darf natürlich das schützende Frontgitter nicht im Wege sein, weshalb ein stabiler Stahl mit großen wabenförmigen Löchern gewählt wurde. Was manchem auffallen wird: Bei Holly Blue sind keine Pegelsteller für den Hochtonbereich vorgesehen, denn schließlich arbeiten die Speaker der Dreiwege-12er in harmonischer Abstimmung. Und wo kein schrilles Hochtonhorn zum Einsatz kommt, gibt es selbst bei krassen Zerr-Sounds keinen Grund, die klare Ausleuchtung der Höhen wegzudrehen.

Tatsächlich integrieren sich die beiden Silkdome-Tweeter angenehm stimmig ins Gesamtbild und liefern klare Durchsicht, ohne sich irgendwie in den Vordergrund zu spielen. Das Gleiche gilt für den Mitteltöner, der ganz selbstverständlich feinste Charakternuancen in Szene setzt, die stimmig an die tiefe und zugleich klare Basswiedergabe des fullrange betriebenen Zwölfzöllers anschließen.

Dass hier keine dröhnenden Bässe die Feinheiten überdecken, liegt nicht nur an der gelungenen Abstimmung, sondern auch an den rückwärtig mündenden Bassreflex-Ports. Mit luftiger Leichtigkeit präsentiert die 12er einen gediegenen Detailklang vom tiefen Basskeller bis in glänzende Highlights, wobei der teils nach hinten abgestrahlte Bassanteil noch eine feine Prise an Räumlichkeit hinzufügt. Die stimmige Dreiwege-Wiedergabe bleibt bis in gehörige Band-Lautstärken sauber erhalten, aber natürlich gibt es auch Situationen, wo ein größerer Basston gefragt ist.

Zusammen mit der 15er ergibt sich eine enorme Verstärkung des Fundaments im Klangbild, erstaunlicherweise ohne die detaillierte Transparenz zu mindern! Sogar alleine kann der Fullrange-Fünfzehnzöller mit seiner mild abgerundeten Präsenz überzeugen und punktet nicht nur durch straffe Tiefbässe, sondern auch angemessen saftigen Growl – womit sich diese Box auch alleine für runde Vintage-Sounds qualifiziert.

Holly Blue
Die Bassreflex-Tunnel liegen auf der Rückseite. (Bild: Dieter Stork)

RESÜMEE

Holly Blue verfolgt den schlüssigen Grundgedanken, dass nicht die Box den Klang prägt, sie ihn aber explizit in allen Feinheiten wiedergeben soll. Und ganz offenkundig ist dieser Gedanke hier kompetent und stimmig umgesetzt worden, sodass alle Frequenzbereiche mit luftiger Leichtigkeit, sauber und klar dargeboten werden. Für den Sound sind Instrument, Pedale und Amp zuständig, und das starke Boxen-Setup von Holly Blue sichert die angemessene Wiedergabe.

PLUS

  • Wiedergabe-Qualität
  • Transparenz, Ausgeglichenheit (12er)
  • runder Vintage-Sound (15er)
  • Harmonie zwischen 12er und 15er
  • Gewicht
  • Verarbeitung, Oberflächenbeschichtung

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Kommentare zu diesem Artikel

  1. Warum testet ihr Boxen, die nicht mehr gebaut werden?
    FGr

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