Produkt: Kemper Amp Special
Kemper Amp Special
Der große Kemper Amp Testbericht! Kemper Amp – High-Tech in neuer Evolutionsstufe
Graue Eminenz

Test: Hevos 800S

Hevos 800S(Bild: Dieter Stork)

Nicht weniger als Highend-Status reklamiert der niederländische Hersteller für seine aktuelle Serie von Class-D-Bass-Amps. Der 800S ist leistungsmäßig das neue Spitzenmodell.

Gemäß der Philosophie, dass die Stromversorgung maßgeblich für die Qualität ist, hat Hevos das Schaltnetzteil überarbeitet, was dem Leichtgewichts-Verstärker ein zusätzliches Kilo Gewicht beschert. Außerdem kommt der 800S ohne störendes Lüftergeräusch aus, intern erübrigt ein Alu-Kühlkörper die Zwangsbelüftung. Und schließlich bürgt auch die nebengeräuscharme Vorstufenschaltung, die bereits im kleinen 400-Watt-Bruder erprobt ist, für absolute Ruhe, wenn kein Ton gespielt wird. Zwei unabhängig pegelbare Eingänge bescheren dem 800S zudem einige Praxisvorteile.

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Hevos 800S
Als praktisches Zubehör ist eine maßgeschneiderte Polstertasche lieferbar (Bild: Dieter Stork)

doppelt kann mehr

Zwei Eingänge mit separaten Gain-Reglern sind nämlich nicht nur praktisch, wenn man live auf die Schnelle den Bass wechseln will. Sie machen auch die Kombination mehrerer Abnahmearten bei elektroakustischen Instrumenten möglich, wobei die extrem hohe Eingangsimpedanz von 5 Megohm auch verlustfrei mit Piezo-Tonabnehmern ohne zusätzliche Preamps klarkommt. Der an Input 1 vorhandene Phasenschalter vermeidet gegebenenfalls Auslöschungen zwischen Magnet- und Piezo-Abnahme, außerdem lässt sich an einem zweiten Kippschalter die Eingangsempfindlichkeit halbieren.

Auf die zweikanalige Eingangssektion folgt der Mute-Schalter, um den Amp in Spielpausen stumm schalten zu können, ohne die Einstellungen zu verändern; am rückseitigen Mute Out liegt währenddessen dennoch das Bass-Signal fürs Stimmgerät an. Zur Klangformung hat der 800S eine aktive Vierband-Klangregelung an Bord, dann schließt schon der Master-Regler die Bestückung des Bedienfelds ab. Auf einen Effekt-Einschleifweg verzichtet der Hevos, natürlich aber nicht auf einen symmetrischen Ausgang für Aufnahme- und PA-Zwecke.

Der elektronisch symmetrierte XLR-Abzweig lässt sich vor oder hinter die Klangregelung schalten und ist im Pegel unabhängig von der Master-Einstellung; ein Ground-Lift-Schalter ist vorhanden, um etwaige Brummprobleme bei Doppelerdung zu lösen. Zur angemessenen Verteilung der Ausgangsleistung von 800 Watt auf mehrere Boxen stehen zwei SpeakonAnschlüsse bereit, die volle Nennleistung wird an 4 Ohm abgegeben. Die Lautsprecherwiedergabe wird automatisch abgeschaltet, wenn die vorhandene Headphone-Buchse belegt wird.

Hevos 800S
Auch am Kopfhörer-Ausgang kommt man in den Genuss der detailfeinen Wiedergabegüte. (Bild: Dieter Stork)

cleaner zupacker

Mit 3,3 kg ist der handliche 800S zwar um die Hälfte schwerer als sein Vorgänger, aber natürlich immer noch extrem handlich und leicht zu transportieren. Als optionales Zubehör liefert Hevos eine maßgeschneiderte Polstertasche mit Kabelfach und Schultergurt.

Schon bei der ersten Inbetriebnahme wird das Ruhe-Versprechen eingelöst, und zwar zweifach. Mangels vorhandenen Lüftermotors ist kein mechanisches Geräusch zu vernehmen, was vor allem beim Üben und für Studio-Anwendungen angenehm ist. Und auch die Vorstufenschaltung zeigt, was sie kann: Die auffällig detailfeine Wiedergabe wird nicht im mindesten durch Rauschen beeinträchtigt, selbst wenn Klangregler voll aufgedreht werden, darf man sich hier auf studiotaugliche Eigenschaften verlassen.

Gepflegte Sauberkeit bis in höchste Wiedergabepegel bedeutet aber nicht, dass hier der Sound auf der Strecke bliebe, denn die vier EQ-Regler erweisen sich nicht nur als wirkungsstark, sondern auch musikalisch sinnvoll abgestimmt. Reichlich Punch und gezielten Druck auf die Magengrube liefert der Bassregler, während der Low-Mid-Bereich schön tief auf den fetten Growl einwirkt, sodass er bei Anhebungen fast schon als zweiter Bassregler auf das sattfüllige Knurren einwirkt; zugleich schafft er aber in den (durchaus extrem dosierbaren) Dämpfungseinstellungen ein aufgeräumt trockenes Klangbild, ohne dass der Basston dürr wirkt.

Als sinnvolle Ergänzung bietet der Mid-High-Regler noch offensive Nase bei Anhebungen, die er in den Dämpfungen ebenso wirksam herausfiltert. Angenehm klar und knackig arbeitet der High-Regler schließlich die allgemeine Transparenz heraus und ist so abgestimmt, dass selbst maximale Höhendämpfung nicht dumpf rüberkommt.

Die starke Performance kann man übrigens nicht nur über die Lautsprecherboxen genießen, denn auch der Kopfhörer-Ausgang zeugt von hoher Qualität, sodass das stille Üben auch wirklich Spaß macht.

Hevos 800S
Durch die hohe Eingangsimpedanz kommen die Preamps sogar mit passiven Piezos klar. (Bild: Dieter Stork)

resümee

Durch die zweikanalige Eingangssektion ist der Hevos 800S einerseits sehr variabel, was die Anwendungen angeht, andererseits überfordert sein aufgeräumtes Bedienfeld nicht die Konzentration des Live-Musikers. Absolut überzeugend und detailfein liefert der straight ausgestattete Bolide seine saubere Ausgangsleistung, andererseits bedient die wirkungsstarke Klangregelung auch extremere Sound-Vorstellungen. Ohne Frage wird der starke Hevos auch anspruchsvollste Bassisten für sich einnehmen.

PLUS
• Wiedergabe-Qualität, saubere Ausgangsleistung
• Sound-Variabilität
• zweikanalige Eingangssektion
• ohne Lüftergeräusch, rauscharme Vorstufe
• Verarbeitung

Hevos 800S

(erschienen in Gitarre & Bass 03/2019)

Produkt: Gitarre & Bass 6/2019
Gitarre & Bass 6/2019
Neoclassical Bluesrock: Yngwie Malmsteen+++Strat, Style, Strings, Sound: Jimmie Vaughan+++Glam-Metal 2019: Steel Panther+++Auf langer Abschieds-Tour: Rickey Medlocke & Lynyrd Skynyrd

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