Produkt: Kemper Amp Special
Kemper Amp Special
Der große Kemper Amp Testbericht! Kemper Amp – High-Tech in neuer Evolutionsstufe
Griffiger Charakter

Test: Hartke TX600

(Bild: Dieter Stork)

Moderne Class-D-Basstops sind zweifellos eine praktische Entwicklung, mit der die alten, schweren Analogkisten weitgehend vom Markt gespült wurden. Wobei leider auch mancher Charakterkopf auf der Strecke blieb.

Dass sich aber markante Eigenheiten auch mit aktueller Praktikabilität vereinen lassen, will Hartke mit dem TX600 beweisen. Dabei ist nicht nur der ins Gehäuse integrierte Tragegriff ein Hingucker mit hohem Praxiswert, auch die Kombination von Röhren-Sound und starker Class-D-Endstufe verspricht eine eigene Klangästhetik.

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Röhre mit Extras

Mit einer hochverstärkenden 12AX7-Doppeltriode in der Vorstufe wird hier nicht nur Röhrenklang simuliert, sondern authentisch verwirklicht, wozu an getrennten Reglern für Gain und Master auch die Aussteuerung der Vorstufe frei gewählt werden kann. Dazu passt auch das Klangregelkonzept mit dem interaktiven Tone Stack, wo im Grunde keine definierte Neutraleinstellung vorhanden ist, sondern auf jedem Millimeter Reglerweg ein Sound geschaffen wird. Erweitert wurde das klassische Tone Stack nur um einen Frequenzregler, an dem der Mittenschwerpunkt zwischen 200 und 800 Hertz variiert werden kann. Per Schalterdruck kann zudem ein Brite-Preset angewählt werden. Und für schmatzend verdichtete Sounds ist auch ein stufenlos dosierbarer Kompressor an Bord.

Das übersichtliche Reglerfeld ist mit einer kultigen Hinterleuchtung ausgestattet, sodass man auch im Bühnendunkel nicht die Orientierung verliert. Dabei wechselt die Farbe rund um den Compressor-Regler von Orange zu Gelb, wenn das Aggregat arbeitet, bei Gain geht es von Orange nach Rot, wenn die Röhrenvorstufe in den Übersteuerungsbereich getrieben wird.

Getrennte Klinken mit angepasster Empfindlichkeit sind für passive und aktive Instrumente vorhanden, per Miniklinke kann zusätzlich eine Playback-Begleitung eingespielt werden. Ebenfalls mit Miniklinke ist der Kopfhöreranschluss auf der Frontseite ausgestattet. Weitere Klinkenbuchsen als Preamp-Ausgang und Endstufen-Eingang liegen auf der Rückseite, wo auch der elektronisch symmetrierte XLR-Ausgang samt Ground-Lift-Schalter platziert wurde. Lautsprecher können per Klinkenbuchse oder Speakon an den TX600 angeschlossen werden, die zulässige Minimallast für die 600-Watt-Endstufe ist mit 4 Ohm angegeben.

Schön, dass der Lüfter nur dann anspringt, wenn er wirklich gebraucht wird. (Bild: Dieter Stork)

Klassische Wucht

Vom ersten Ton an gibt sich der TX600 als Röhrencharakter zu erkennen und setzt den Bass mit wuchtiger Füllkraft in Szene, sofern der Bass-Regler nicht für ein knochiges Mittentimbre zurückgedreht wird.

Ausgesprochen gutmütig und harmonisch reagiert der Gain-Regler bis in den Übersteuerungsbereich – mit einem normalen Passivbass geht es dabei zwar nicht bis in die Säge, doch steht fetziger Crunch bereit, wenn man die Leuchten rund um den Gain-Knopf bis ins Rote bringt.

Dass es sich bei den Klangreglern um ein klassisches Tone Stack handelt, merkt man daran, dass nichts mehr aus dem Amp herauskommt, wenn alle drei Klangregler zugedreht sind; im Grunde handelt es sich also um weitere Lautstärkesteller, mit denen sich Bässe, Mitten und Höhen hinzudosieren lassen. Vor allem bei aufgedrehten Mitten ist es übrigens normal, dass die Wirkung von Bass- und Höhenregler eingeschränkt wird, diese gegenseitige Beeinflussung entspricht genau den klassischen Röhrenschaltungen und entsprechend authentisch bringt der Hartke auch den Basston rüber. Eine sinnvolle und wirksame Erweiterung der Nuancen bringt der Frequency-Regler ins Spiel, während das zusätzliche Brite-Preset eher dezent auf die Highlights einwirkt.

Einen großen Dosierbereich weist hingegen der Kompressor auf, mit dem sich der Basston bis zur Mittelstellung dezent verdichten lässt, darüber hinaus greift die Dynamikbegrenzung auffälliger pumpend zu, bis sogar der Tonanschlag unterdrückt wird. Für kultige Charakter-Sounds ist hier also gut gesorgt. Leider steht am rückwärtigen DI-Ausgang nur das unbearbeitete Bass-Eingangssignal zur Verfügung, der sorgsam eingestellte EQ-Sound samt Kompressor-Effekt ist nur unsymmetrisch an der Preamp-Out-Klinke abzugreifen.

Der ins Gehäuse integrierte Tragegriff ist eine geniale Idee. (Bild: Dieter Stork)

Resümee

In jedem Fall ist der Hartke TX600 ein kultiges Basstop mit pfiffigem Design und markantem Röhrenklang! Schade, dass davon nichts am symmetrischen Ausgang zur Live-PA geschickt werden kann, doch ansonsten bekommt man hier zu einem sehr attraktiven Preis die bullige Wucht eines echten Röhren-Sounds geboten.

PLUS

  • Wiedergabeverhalten, Röhren-Sounds
  • Tone Stack mit Frequenz-Regler
  • Frontplatten-Beleuchtung
  • integrierter Tragegriff
  • Preis/Leistungs-Verhältnis

MINUS

  • DI Output nur Pre EQ und ohne Kompressor

(erschienen in Gitarre & Bass 11/2019)

Produkt: Gitarre & Bass 10/2019 Digital
Gitarre & Bass 10/2019 Digital
INTERVIEWS: Toto & ZFG – FAMILIENTREFFEN, The Allman Betts Band, In Extremo, Jared James Nichols, Nathan Navarro u.v.m. +++ TEST: Kemper Profiler Stage, Engl Savage 120 Mark II, Gretsch G5655TG Center Block Jr., Ibanez Fingerstyle-Collection, Reverend Rick Vito Soulshaker, Phil Jones Bass BP-800, Dingwall NG3 Combustion 5, Fender Vintera ’70s Telecaster Thinline & ’50s Precision Bass

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