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Fette Beute

Test: Harley Benton TB-70

Harley Benton TB-70(Bild: Dieter Stork)

Wer gerne den großen Bass spielt, landet automatisch bei bestimmten Modellen. Der legendäre Thunderbird ist sowohl physikalisch, wie auch im Klang eine passende Wumme. Und warum nicht einfach den gnadenlos günstigen Harley Benton ausprobieren?

Denn nicht nur in der imposanten Erscheinung macht der 169-Euro-Viersaiter eine gute Figur, auch in seinen inneren Werten gibt sich diese T-Bird-Interpretation verblüffend stimmig. Und das, wo man aufgrund des Preises eigentlich fast nichts erwarten darf.

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Ernst gemeint

Eingeleimter Mahagonihals, zweiteiliger Mahagonikorpus mit der typisch dickeren Mittelzone: Harley Benton meint es mit der authentischen Bauweise wirklich ernst. Da mittlerweile Palisander unter besonderem Schutz steht, ist der TB-70 mit einem Blackwood-Griffbrett bestückt, in dem 20 Jumbobünde sitzen. Zum Reversed Body passt die ebenfalls seitenverkehrte Kopfplatte bestens, und an die nach unten weisenden Tunerknöpfe wird man sich schnell gewöhnen. Die Holzkonstruktion gibt sich makellos verarbeitet und ist in Hochglanz lackiert.

Beim TB-70 zeigen die Tuner nach unten.
Auch bei den Originalen der Siebziger kam die Dreipunkt-gelagerte Guss-Bridge zum Einsatz.

Auch die auf drei einstellbaren Pfosten schwebende Guss-Bridge ist eine authentische Zutat wie bei den Seventies-Originalen, zeitgemäß die gekapselten Stimmmechaniken. Nur die konventionellen Gurthalter könnte man gegen arretierbare austauschen, damit der fette Straßenkreuzer nicht vom Gurt flutscht, zur speziellen Ergonomie später. Natürlich kann man nicht erwarten, dass in diesem Bass teure Tonabnehmer zu finden sind, doch eine erfahrene Marke steckt dennoch dahinter, denn Roswell ist aus dem bekannten Tonabnehmer-Ausstatter WSC hervorgegangen.

Im TB-70 arbeiten zwei Mini-Humbucker, und das mit sehr spezieller Anwahlmöglichkeit: Per Zugschalter im gemeinsamen Volume-Poti hat man die Wahl, beide Tonabnehmer parallel oder nur den Steg-PU einzuschalten.

Um die Performance zusätzlich aufzublasen, ist eine aktive Zweiband-Klangregelung chinesischer Herkunft an Bord. In Anbetracht eines mittleren Batteriehungers (Lebensdauer des 9-Volt-Blocks ca. 240 Spielstunden), ist das rückwärtige Klappfach für die Batterie willkommen und erlaubt den schnellen Austausch eines müde gewordenen Saftspenders.

In der elektrischen Organisation ist hier generell noch Luft nach oben, schließlich muss man auf den Alleinbetrieb des Hals-Tonabnehmers verzichten, ebenso ist ein Passiv-Modus ohne Aktiv-EQ nicht vorgesehen und im Elektronikfach geistern zwei unisolierte PU-Kabel umher. In der Preislage mag man dies dem sonst so eindrucksvollen TB-70 kaum ankreiden, eher werden sich elektrisch ambitionierte Modifikateure über dieses Schnäppchen freuen.

Harley Benton TB-70
Ungewöhnliche Elektro-Verwaltung mit aktiver Klangregelung (Bild: Dieter Stork)

Satte Basis

Absolut gewiss ist bei dieser Formgebung eine ernste Kopflastigkeit, die der Greifhand einiges abverlangt, um den schweren Hals in der Höhe zu halten. Legt man den rechten Unterarm auf den Korpus, spielt sich der 4,5 kg schwere T-Bird am bequemsten.

Schön gelungen ist der schmale, aber dafür etwas fetter geformte Longscale-Hals, für ein Vintage-Spielgefühl sind die Griffbrettkanten angenehm abgerundet. Das T-Bird-Design ist eindeutig etwas für Zupacker, interessanterweise sind dazu die Saitenabstände am Steg mit 17 mm eher auf entspanntes Anschlagen ausgerichtet, was natürlich flinke Plektrumarbeit nicht ausschließt.

Ein wichtiger Handhabungsaspekt liegt im verfügbaren Transportbehältnis, schließlich benötigt die ungewöhnliche Form auch einen passenden Schutz beim Transport; der Harley Benton kommt zwar blank im Karton, allerdings ist das maßgeschneiderte Gigbag separat für einen Spottpreis erhältlich.

Klanglich weiß der TB-70 schon im Trockenbetrieb zu überzeugen, wo üppiges Sustain in bassstarker Mahagoni-Manier geboten wird. Und auch die Roswell-Tonabnehmer machen einen guten Job, bringen gemeinsam einen satten, butterweichen Basston mit charmanter Hohlnote in den Mitten zustande, der Steg-PU allein fokussiert hingegen den Ton viel konkreter, sein knurriges Tiefmitten-Timbre macht auch diesen schlankeren Sound tragfähig.

Zusätzliche Bässe sind bei einem T-Bird immer brauchbar, und das Xingi-Klangregelmodul liefert sie in angemessener Fülle. Eher homöopathisch ist hingegen der Höhenregler ausgelegt, was nicht heißt, dass man seine betont feinfühlige Wirkung nicht auch gerade wegen der milden Nuancen gut finden kann. Der ganze Bass hat jedenfalls viel Charakter, und genau das sollte bei einem Thunderbird ja wohl im Zentrum stehen.

Resümee

Volle Punktzahl für den spektakulär billigen TB-70 von Harley Benton, der die wesentlichen Charakterstärken des Thunderbirds in verblüffender Qualität abliefert! Holzkonstruktion und Ausstattung überzeugen sogar gehobene Ansprüche, wenn auch in der elektrischen Verwaltung der Tonabnehmer-Signale noch Spielraum für spätere Aufwertung zu finden ist. Die erstaunlich wertige Basis lohnt jedenfalls noch weitere Investitionen – aber auch so, wie er ist, liefert der TB-70 bereits eine markante Performance im T-Bass-Stil.

PLUS

  • Holzbasis, Klangverhalten
  • Verarbeitung, Ausstattung
  • authentisches Spielgefühl

MINUS

  • Kopflastigkeit

(erschienen in Gitarre & Bass 04/2019)

 

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