Produkt: Jack Bruce 1943 – 2014
Jack Bruce 1943 – 2014
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Frage der Interpretation

Test: Harley Benton PJ-5 Deluxe & PJ-75 Vintage

Harley Benton PJ-5 Deluxe & PJ-75 Vintage(Bild: Dieter Stork)

Beide Fünfsaiter besitzen ein klassisches Vorbild, welches jeweils anders interpetiert wird. Nämlich vom PJ-5 Deluxe in einigen Details eher modern, vom PJ-75 in Vintage-Manier, dabei kommen am Ende ziemlich verschiedene Player heraus.

Dass man sich mit solchen Feinheiten beschäftigt, ist aus einem Grund erstaunlich: dem Preis. Denn beide Varianten stammen aus der günstigsten Preiskategorie und liefern dennoch Features, die eindeutig über die Einsteigerklasse hinausgehen. Feinsinn ist somit auch beim Discounter zu haben, und was man als Deluxe oder Vintage geboten bekommt, soll dieser Vergleich klären.

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diversifiziert

Mit nur unwesentlich variierter Form basieren beide Modelle auf dem Precision Bass, hier allerdings mit zusätzlichem J-Pickup am Steg und tiefer H-Saite. Auch das Tortoise-Schlagbrett und der Vierpunkt-aufgeschraubte Hals mit 20 Jumbobünden gehört zu beiden Ausführungen, aber nun scheiden sich schon die Wege.

Wo beim roten Deluxe schlicht Erle als Korpusholz angegeben ist, steckt unter dem Vintage-Lack laut Herstellerinfo „afrikanische Erle“. Sicht- und fühlbarer ist der nächste Unterschied, wo der einstreifige Ahornhals beim Deluxe hauchdünn mattversiegelt in seiner hellen Natur präsentiert wird, beim Vintage-Modell jedoch hochwertiger kanadischer Ahorn unter vergilbt eingefärbtem Halbglanzlack, mit passend zum Korpus lackierter Kopfplattenfront sowie rückseitig dunklem Skunk Stripe im Stil der Seventies.

Wie das Griffbrett, besteht auch der eingelassene Holzstreifen aus Blackwood, einem Vertreter der Palisander-Familie. Für das ebenfalls fast schwarze Fingerboard beim Deluxe ist hingegen „Roseacer“ angegeben, ein Wortspiel, welches Rosewood (Palisander) und Acer (botanisch für Ahorn) zusammenbringt. Es handelt sich also um dunkelgebackenen Ahorn, der aussehen soll wie Palisander – und thermisch behandelte Hölzer haben schon in höheren Preisklassen eine gute Performance abgeliefert.

Auch bei der Hardware wird diversifiziert. Während auf der kräftig ausgeführten Blechwinkel-Grundplatte beim Deluxe verchromte Saitenreiter à 7,2 Gramm stehen, sind sie beim Vintage aus Messing und jeweils 8,9 Gramm schwer; es liegt also tatsächlich ein Materialunterschied vor. Sogar die offenen Stimmmechaniken sind bei den Harley-Benton-Brüdern verschieden, wobei die Vintage-Bestückung nach Schaller-Vorbild etwas feiner untersetzt ist als die flotter zupackenden Deluxe-Tuner.

Entscheidend werden schließlich die Tonabnehmer den Charakter prägen: Die Vintage-Version ist natürlich mit Alnico-Pickups bestückt, der moderner interpretierte Deluxe mit Ferritmagneten und Stahlpolen. Gemischt werden Splitcoil und Singlecoil an separaten Volume-Reglern, eine Höhenblende schließt die simple Passivelektrik bei beiden Versionen ab. Ab Werk ist der etwas teurere Vintage-Bass mit D‘Addario-Saiten ausgerüstet.

Harley Benton PJ-5 Deluxe & PJ-75 Vintage
Schlichter Ahorn beim Deluxe, kanadische Qualität mit Skunk
Stripe beim Vintage.
(Bild: Dieter Stork)

auf den punkt

Für den Deluxe ist das moderne C-Halsprofil angegeben, beim Vintage spricht der Hersteller von einem D. Beide Fünfsaiter geben sich im Spiel ziemlich fleischig und liegen fett in der Hand, wobei der halbglanzlackierte Vintage-Hals noch eine Spur dicker wirkt. Insgesamt sind aber die Profilunterschiede nicht sehr stark ausgearbeitet; beide Hälse wird der engagierte Spieler mögen, gerade weil sie etwas Arbeit machen. Dazu passen auch die breiten Saitenabstände von 19 mm am Steg.

Die Charaktervarianten erkennt man schon beim trockenen Antesten deutlich: Der Vintage liefert den runden, stimmigen Holzklang, der seinem stilistischen Vorbild entspricht, während beim Deluxe schon der Akustikton merklich direkter, trockener und zugleich drahtiger rüberkommt, woran das thermobehandelte Ahorngriffbrett nicht unschuldig sein wird. Bereits die akustischen Ergebnisse sprechen für die gelungene Umsetzung der angestrebten Unterschiede, die dann durch die verschiedenen Tonabnehmer im Elektro-Sound noch verstärkt werden.

Auch das gerät überzeugend, die Alnico-Pickups stellen den Vintage-Holzton mit dem typisch offenen Biss und charaktervoll grollender Mitte dar, die Ferrit-Tonabnehmer beim Deluxe legen den Akzent mehr auf crispe Höhen und ausgeglichene Tiefen, wirken insgesamt aufgeräumter, ganz wie man es von einer moderneren Interpretation erwartet. Im Ergebnis liefern die ungemein günstigen Harley-Benton-Fivestrings tatsächlich, was sie versprechen!

Harley Benton PJ-5 Deluxe & PJ-75 Vintage
Das Vintage-Modell besitzt schwerere Saitenreiter als der
Deluxe
(Bild: Dieter Stork)

resümee

Mit verblüffendem Feinsinn arbeiten die preisgünstigen Fünfsaiter unterschiedliche Varianten eines Klassikers heraus, und der PJ-75 Vintage macht dabei wirklich das, was die Modellbezeichnung verspricht, ist rund im Holz mit starker Mitte und Alnico-Präsenz. Genauso stimmig, aber eben deutlich anders ist der modernere PJ-5 Deluxe im Ton, der sich mit konkreter Direktheit trockener, ausgeglichener und breitbandiger präsentiert. Fast rundum tadellose Verarbeitung und detailverliebte Ausstattung würde man auf diesem Niveau nicht in der untersten Preiskategorie erwarten, bekommt sie aber von Harley Benton geboten. Stark!

PLUS
• Klangverhalten, stimmige Charaktere von Vintage und Deluxe
• Austattungs-Varianten bei Hardware u. Tonabnehmern
• ordentliche Verarbeitung
• Preis/Leistungs-Verhältnis
MINUS
• Sattel beim PJ-75 ungenau eingesetzt

Harley Benton PJ-5 Deluxe & PJ-75 Vintage

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