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Alles schon dran

Test: Harley Benton Enhanced MP-4EB & MJ-5EB

Vintage-Attribute finden noch immer viel Anklang bei den Musikern, und um das Instrument interessanter und zeitgemäßer zu machen, lassen sich ja einzelne Details hochfrisieren. Bei den Enhanced-Modellen von Harley Benton sind allerdings schon alle Register der Verfeinerung gezogen…

(Bild: Dieter Stork)

Die Bass-Modelle im P- und J-Style werden mit vier und fünf Saiten angeboten, außerdem wahlweise mit Maple Neck oder Ebenholzgriffbrett. Was hier an Tuning- Maßnahmen bereits ab Werk drinsteckt, ist besonders in Anbetracht der günstigen Preise bemerkenswert.

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Dass es sich also nicht einfach um Kopien berühmter Klassiker handelt, ist allein schon an der Ausstattung erkennbar, aber auch die Umrisse wurden verändert. Als traditionelle Basis sind hier dennoch die verwendeten Hölzer und die Schraubhals- Bauweise zu verstehen, Erle für den Korpus, Canadian Hard Rock Maple für den aufgeschraubten Hals. Im Grunde hört hier allerdings schon die Retro-Bauweise auf, sieht man mal von den Blockeinlagen und dem cremefarbenen Griffbrett- Binding im Seventies-Stil ab.

P-Style

Aufgrund des erweiterten Artenschutzes für Palisander wird ein recht helles Macassar-Ebenholzgriffbrett verwendet, und wo der Hersteller von Medium-Bünden spricht, sind hier doch eher 22 stabile Medium-Jumbos eingesetzt, auffällig auf Hochglanz poliert und mit zusätzlichem Nullbund vor dem Tusq-Sattel.

Um auf der in passender Farbe zum Korpus lackierten Kopfplatte gleichmäßigen Saitendruck in die Sattelkerben zu gewährleisten, ist ein moderner dreifacher Niederhalter für A, D und G montiert, und auf der puren Vintage-Linie bewegen sich lediglich die offenen Stimmmechaniken. Selbst der Halsspannstab ist modernisiert und per Lochrad am Halsende einfach einstellbar, griffiger Mattlack versiegelt die Halsrückseite.

Beim Niederhalter lassen sich die Saiten zum Wechseln einfach ausklinken. (Bild: Dieter Stork)

Für eine stabile Verbindung mit dem Korpus sorgt eine sechsfache Halsverschraubung. Außer den Erle-Modellen, die in den einstigen Custom Colours Creme und Lake Placid Blue zu haben sind, gibt es in der Enhanced-Serie auch eine Natur- Ausführung, bei der dann die attraktiv gemaserte Sumpfesche als Korpusmaterial verwendet wird. Extrasolide präsentiert sich der aufgeschraubte Massesteg von WSC, der nicht nur Klemmschrauben für die einzelnen, fetten Saitenreiter besitzt, sondern neben dem konventionellen Einhängen der Saiten von oben auch deren Einfädeln durch den Korpus erlaubt. Nur arretierbare Sicherheits-Gurthalter fehlen eigentlich noch bei den umfassenden Aufwertungs-Maßnahmen.

Der massige Steg bietet nicht nur klemmfixierte Saitenreiter, sondern erlaubt auch das Einfädeln durch den Korpus. (Bild: Dieter Stork)

Beim MP-4 ist schon im Modellkürzel enthalten, dass ein zusätzlicher Humbucker im MM-Stil in der Stegposition sitzt. Mit großen 9,5-mm-Magnetpolen aus Alnico 5 sorgt dieser für präsenten Biss und körperstarke Durchsetzungskraft, ebenfalls mit den großen Rundpolen ist der P-Splitcoil ausgestattet, die jedoch anders als beim MM-Humbucker nicht aus Alnico, sondern Stahl bestehen und durch einen Barrenmagnet von unten aufmagnetisiert werden. Der Pickup Mix geschieht stufenlos per Überblend-Poti, in den Master-Volume- Regler ist ein Zugschalter integriert, mit dem sich der an Bord befindliche Aktiv- EQ ein- und ausschalten lässt.

J-Style

Ähnlich umfassende Tuning-Maßnahmen wie beim P-Style finden sich logischerweise auch auf der J-Version der Enhanced- Serie: Eingefasstes Macassar-Griffbrett mit Nullbund und komfortablem Einstellrad für den Spannstab, in der Fivestring- Variante ein vierfacher Saitenniederhalter auf dem Matching Headstock, wieder sichtbar hochwertiger kanadischer Ahorn für die rückseitig mattlackierte Halskonstruktion. Der massigstabile WSC-Steg mit Strings-thru-body- Option sitzt auch hier auf dem Korpus, auch dessen Hochglanzlackierung ist von makelloser Qualität.

Hochgerüstet sind auch beim MJ die Tonabnehmer, in der Stegposition wieder der MM-Style- Humbucker mit den großen Alnico-Polen, ebenfalls 9,5-mm-Alnico-Magnete besitzt der J-Singlecoil in der Halsposition.

Im MJ-Elektrofach muss vieles untergebracht werden. (Bild: Dieter Stork)

Die elektrische Ausstattung mit Überblender und aktivem Zweiband-EQ wurde hier sogar noch um einen Kippschalter erweitert, mit dem der Humbucker zum Singlecoil umgeschaltet werden kann – dann also die übliche J/J-Konfiguration bereitsteht. Der Schaltungsumfang stößt offenbar auf Platzprobleme unter der traditionellen Control Plate, die sich nicht ganz bündig auf die Korpusdecke festschrauben lässt – doch das scheint hier bei der sonst so sauberen Verarbeitung der einzige Mangel zu sein. Um dort nicht auch noch eine Batterie hineinquetschen zu müssen, besitzt der MJ ebenso wie das P-Style-Modell ein Batterie-Klappfach auf der Korpusrückseite.

Schwer auf Draht

Mit 4,1 kg ist der viersaitige MP-Testbass inklusive seiner Tuning-Extras in der üblichen Gewichtsklasse unterwegs und hängt stabil am Gurt. Als Komfort-Zugabe ist hier der schlanke Hals zu bemerken, der mit seinen J-Maßen deutlich schmaler als ein traditioneller Preci-Hals ausfällt. Den fünfsaitigen MJ spürt man hingegen bei einem Gewicht von satten 4,8 kg schon deutlicher auf der Schulter, was man im Sinne der schweren Seventies- Kaliber aber auch angemessen finden kann. Aber sicher ist dieses große Schiff nichts für Spieler mit Rückenproblemen, auch wenn sich die eigentliche Bespielbarkeit hier (bei vollen 19-mm- Saitenabständen am Steg!) als durchaus entgegenkommend und angenehm erweist.

Dass hier nicht einfach viele Ausstattungsdetails zusammengewürfelt, sondern auch auf Qualität geachtet wurde, merkt man den beiden Testbässen schon bei unverstärktem Anschlagen an: Werksmäßig sind bereits Qualitätssaiten von D‘Addario aufgezogen, beide Modelle glänzen mit ungewöhnlich üppiger Sustain- Entwicklung und drahtig-detailreichem Ton, was man nicht zuletzt den Hölzern, dem massigen Steg und der Saitenführung durch den Korpus zu verdanken hat.

Qualität zeigt sich auch in der elektrischen Wiedergabe, wo der MP4 mit souveräner Kraftentfaltung und sattem Bass schon bei neutral eingestellten Klangreglern punktet, das J-Style-Modell durch den zusätzlichen Split-Umschalter für den Humbucker zudem noch um drahtig-offene Grundeinstellungen bereichert ist. Gegenüber der passiven Einstellung zeigt der Aktiv-Modus bei beiden Bässen einen leichten Pegelsprung nach oben, der EQ greift entschlossen druckvoll und andererseits mit klickstarker Brillanz zu; auch wenn es bei voll dosierten Höhen ein leichtes Rauschen dazugibt, punkten die verblüffend günstigen Power-Bässe mit attraktiven Klangergebnissen. Als Konzession an den niedrigen Preis sollte man freilich nicht mit elektronischen Highend-Bauteilen rechnen und der MJ-Testbass zeigt im Volume-Poti Aussetzer.

Resümee

Verblüffend ist bei den günstigen Enhanced- Modellen von Harley Benton nicht nur die schiere Vielfalt an attraktiven Details und werksmäßigen Tuning-Maßnahmen, sondern auch die offensichtliche Qualität der Hölzer, Hardware und Tonabnehmer. Dass sich hier bei einem Testbass gleich zwei Mängel eingeschlichen haben, schmälert nicht automatisch das gute Gesamtergebnis, zumal man etwaige Mängel ja nach dem Kauf reklamieren kann. Wer ganz viel für sein Geld bekommen möchte, sollte die Enhanced- Modelle unbedingt ausprobieren.

PLUS

• Klangergebnisse, Sound-Variabilität

• Sustain, Tonfeinheit

•Ausstattung

• Hölzer, Verarbeitung

• Preis/Leistungs- Verhältnis

MINUS

• Platzprobleme im E-Fach (MJ-Modell)

• Aussetzer Volume-Poti (MJ-Testbass)

(erschienen in Gitarre & Bass 06/2019)

Produkt: Gitarre & Bass Digital 03/2018
Gitarre & Bass Digital 03/2018
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