Produkt: Jack Bruce 1943 – 2014
Jack Bruce 1943 – 2014
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Klassiker mit Eigencharakter

Test: Harley Benton Classic Series RB-414

(Bild: Dieter Stork)

Beim RB-414 weiß man sofort, wo man dran ist. Ein klarer Klassiker, auch ohne eine exakte Kopie zu sein. Alles Wesentliche ist deutlich eingefangen, und über den günstigen Preis kann man sich nur wundern.

Denn eine Ricky-Kopie ist eigentlich aufwendiger als üblich, dafür sorgen vor allem spezielle Ausstattungsteile, am Ende aber auch Kleinigkeiten wie die Einfassungen von Korpus und Griffbrett. Harley Benton bringt das bei diesem Classic-Series-Modell glaubhaft auf die Piste, für unglaubliche 199 Euro

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EIGENE REZEPTUR

Rossmeisls markantes Design wird hier gedrungener, mit kürzerem Horn präsentiert, worunter die Erkennbarkeit allerdings kaum leidet. Auch, dass man sich dabei nicht so genau an die Original-Rezeptur aus Ahorn und Walnut hält, wird am Ende keine Rolle spielen, offenkundig zeigt die Mahagoni-Konstruktion mit dem eingeleimten Hals nämlich schon trocken angezupft günstige Klangeigenschaften. Etwas verwirrend gibt der Vertrieb auf der Website einen Hollow Body an; das mag aufgrund der typisch umfangreichen Ausfräsungen für Tonabnehmer und Potifeld zwar nicht ganz abwegig sein, doch im herkömmlichen Sinn ist der RB-414 natürlich wie sein Vorbild ein Solidbody-Bass.

Beim Griffbrett wird Amaranth aufgeführt, was sich allerdings mangels typisch violetter Farbe nicht bestätigen lässt; das schwarze Hartholz-Griffbrett ist mit 22 mittelstarken Jumbobünden bestückt, eine helle Einfassung verdeckt die Bundschlitze und sorgt dafür, dass die Bundenden nicht vorwitzig über die Griffbrettkante ragen können.

Moderne, gekapselte Tuner statt Vintage-Mechaniken. (Bild: Dieter Stork)

Auf der Kopfplatte verrichten moderne, gekapselte Stimmmechaniken präzise ihren Dienst, am anderen Saitenende sitzt ein massiger Guss-Steg, der die prägnante Rickenbacker-Optik nachempfindet. Die Saitenreiter samt ihrer höhenverstellbaren Grundplatte erscheinen sogar noch massiver gebaut als das Original. Die einzelnen Reiter sind nach Lösen einer Klemmschraube in der Oktavreinheit einstellbar, die Höhe der Saitenlage kann für alle vier Saiten gemeinsam an fünf Inbusschrauben justiert werden.

Durch die verlängerte Strecke zwischen Ballend und Stegauflage passen nicht alle Longscale Saiten auf den RB-414. (Bild: Dieter Stork)

Die beiden zusätzlichen Rändelmuttern dienen hier allerdings nicht zum Anlegen eines Saitendämpfers, sondern sollen die Saitenreiterplatte zusätzlich in der gewählten Höheneinstellung festhalten, wenn z. B. beim Saitenwechsel der Andruck entfällt. Das ist prima ausgedacht – nur leider beim Testbass funktionslos, weil die herausstehenden Schraubgewinde zu lang sind, sodass bei niedrig eingestellter Saitenreiterplatte die Rändelmuttern keine Presswirkung ausüben. Die gute Nachricht: Wer die Gewindebolzen mit der Metallsäge kürzen will, kann sie mit einem Inbusschlüssel herausdrehen.

PRAXISKLANG

In der Halsposition liegt ein Mini-Humbucker im Toaster-Design, unter dem traditionellen Metallbügel in der Mittelposition ein Singlecoil mit fetten Polepieces. Jeder Tonabnehmer hat eigene Regler für Pegel und Höhendämpfung, zusätzlich sind die Pickups auf die Schnelle per Kippschalter anwählbar. Eine Besonderheit liegt in der Beschaltung der Volume-Potis: Sind beide Tonabnehmer eingeschaltet und man dreht einen der beiden Regler ganz zu, kommt gar nichts mehr heraus. Das ist kein Fehler und kann sogar ganz praktisch sein – aber wer das ändern möchte, muss nur zwei Drähte an den Potis vertauschen, um die Pegelsteller ganz voneinander zu entkoppeln. Und die Elektro-Bestückung ist nicht nur optisch durchaus gut gelungen, sondern liefert auch klanglich überzeugende Ergebnisse.

Die Pickup-Bestückung überzeugt gleichermaßen durch Charaktermitten und tragende Bässe. (Bild: Dieter Stork)

Ohnehin zeigt sich die Holzkonstruktion mit dem eingeleimten Hals, schon unverstärkt gespielt, schwingfreudig und punktet mit singender Sustain-Entwicklung. Im Elektroklang gibt sich der Harley Benton nicht gar so bretthart wie das Ahorn-Original, sondern liefert mit drahtiger Präsenz auch fundierte Bässe, was der Praxistauglichkeit nur entgegenkommt. Und für den markanten Eigencharakter formuliert der RB-414 seine Mitten mit einer markanten Hohlnote, so dass hier tatsächlich attraktive Ricky-Sounds geboten werden, auch wenn es sich dabei natürlich um eine ganz eigene Interpretation handelt.

Aufgrund der speziellen Stegkonstruktion ist die Strecke zwischen Ballend und Saitenreitern länger als üblich. Das nutzbare Saitenstück zwischen Ballend und Sattel sollte deshalb etwa 940 mm lang sein, was nicht alle Longscale-Saiten bieten. Passende Ersatzsaiten werden vom Vertrieb angeboten, im Zweifelsfall helfen aber auch andere Saiten für extralange Mensur.

RESÜMEE

Die Ricky-Kopie von Harley Benton verblüfft nicht nur mit sauberer Verarbeitung, sondern vor allem durch charaktervolle und sehr praxisgerechte Klangergebnisse! Wo sich der RB-414 im Halsprofil und in der Bassentwicklung etwas konventioneller gibt als sein Vorbild, spricht das für manchen Musiker vielleicht sogar eher für dieses Classic-Modell, zumal man es bei dem günstigen Preis fast risikolos ausprobieren kann.

PLUS

  • Klangverhalten, praxisgerechte Sounds
  • Spielbarkeit
  • Verarbeitung
  • Preis/Leistungs-Verhältnis

MINUS

  • Rändelschrauben ohne Presswirkung auf den Steg

(erschienen in Gitarre & Bass 06/2020)

Produkt: Gitarre & Bass 11/2019
Gitarre & Bass 11/2019
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Kommentar zu diesem Artikel

  1. Ich habe vor Jahren mal einen echten 4001 in de Hand gehabt: Naja,
    schickes Retro-Design (aber die meinen das seit Jahrzehnten ernst), saubere Verarbeitung, aber eben völlig aus der Zeit gefallene Brückenkonstruktion und der Klang ist auch nicht jedermanns Sache. Und dafür mehr als 2000 Euronen? Nee danke. Vor allem die Optik macht das Instrument heute noch
    interessant – und die kann man schon für ein Zehntel kriegen und das bei sauberster Verarbeitung und (zwar nicht ganz originalem – aber wer den noch?) Ton

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