Vielversprechend

Test: Harley Benton Bass DI Expander

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(Bild: Dieter Stork)

Dass üppig ausgestattete DI-Wandler, die einem vollwertigen Basspreamp Konkurrenz machen können, allseits in Mode sind, hängt mit dem großen Nutzwert solcher Geräte zusammen.

Einerseits spart man sich beim Recording zusätzliche Mittel, weil bei einer solchen DI-Box eben vieles schon an Bord ist und man den fertig geformten Instrumenten-Sound direkt ins A/D-Interface einspielen kann. Andererseits hat das kompakte Kistchen auch einen Mehrwert für den klassischen Live-Einsatz, wo man es wie ein Effektpedal vor der Bassanlage benutzt und zusätzliche Klangoptionen abrufen kann. Bei so viel Praktikabilität muss man sich nicht wundern, dass diese Geräteart jetzt auch preislich unter Druck gerät, schließlich darf man mit einem Bestseller rechnen.

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Harley Benton bietet nun in seiner Custom Line einen großzügig ausgestatteten Bass-DI-Expander an, der für einen zweistelligen Preis zu haben ist. Trotz der günstigen Kalkulation hat das Kistchen eine Menge zu bieten, denn zwischen dem Klinkeneingang und diversen Ausgängen liegen hier neun Regler und sinnvolle Schaltmöglichkeiten.

alles an bord

Zusätzlich zum Klinkeneingang, dessen Eingangsempfindlichkeit für pegelstarke Bässe um 10 dB abgesenkt werden kann, steht eine Stereo-Miniklinke zum Einspielen von Playbacks bereit, die – zusammen mit der ebenfalls vorhandenen Miniklinke für einen Kopfhörer – für Abwechslung beim Üben sorgt. Eine weitere Klinkenbuchse gibt das Eingangssignal unverändert heraus, falls der DI Expander als reine DI-Box verwendet werden soll und nur der reine Instrumententon an eine vorhandene Bassanlage weitergereicht werden soll. Dafür darf natürlich auch der Klinken-Output auf der anderen Geräteseite benutzt werden, nur jetzt unter Ausnutzung der Einstellmöglichkeiten, die per Fußschalter ein- und ausgeschaltet werden können.

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(Bild: Dieter Stork)

Für die Aussteuerung ist der Gain-Regler zuständig, wobei eine Clip-LED bei der korrekten Einstellung hilft. Mit einem zweiten Fuß- schalter lässt sich der eingebaute Kompressor aktivieren, der feinfühlig in Einsatzschwelle und Kompressionsverhältnis einstellbar ist. Um den Schaltstatus beider Fußschalter zu erkennen, sind Leuchtdioden vorhanden. Eine Dreiband-Klangregelung für Bässe, Mitten und Höhen wird durch die stufenlos durchstimmbare Centerfrequenz für den Mittenregler in ihren Möglichkeiten wirksam erweitert, zumal diese großzügig von 150 Hz bis 8 kHz variiert werden kann.

Ebenfalls ein interessantes Feature ist der Blend-Regler, wo man einen Mix aus trockenem Basston und EQ-Signalanteil einstellen kann. Am Volume-Poti stellt man schließlich den Pegel für sämtliche Ausgänge ein, nur der Thru-Ausgang bleibt sinnvollerweise unbeeinflusst. Neben der Output-Klinke und dem Phones-Ausgang ist natürlich ein symmetrischer XLR-Ausgang für die eigentliche Grundfunktion als DI-Box vorhanden. Ein Groundlift-Schalter trennt bei Bedarf die Masseverbindung zu Pin 1 des XLR-Ausgangs.

licht und schatten

Drei Speisungsarten akzeptiert der DI Expander: Auf der Rückseite ist eine Buchse für ein handelsübliches 9-Volt-Steckernetzteil vorhanden, innen eine 9-Volt-Batterie eingesetzt, außerdem kann es durch die Phantom Power eines Mischpults (48 Volt) über den XLR-Ausgang versorgt werden. Zum Batteriebetrieb ist anzumerken, dass aufgrund der hohen Stromaufnahme von 30 mA nach gut 15 Betriebsstunden ein neuer Saftspender eingesetzt werden muss.

In der Signalqualität liefert der DI-Preamp verblüffende Qualität, und sogar bei voll aufgedrehten Klangreglern ist kein Rauschen wahrnehmbar. Bis auf den Bass-Regler, der beherzt druckvollen Punch hinzufügen kann, agiert die Klangregelung allerdings auch eher unauffällig und variiert nur im Feinbereich, selbst wenn der Blend-Regler am Rechtsanschlag steht. Etwas stärkere Wirkungen würde man sich vor allen für rockige Sounds mit grollenden Mitten und knackiger Edge wünschen.

Der Compressor liefert hingegen sehr überzeugende Ergebnisse und bleibt auch bei Einstellungen mit fetzigem Squash sauber. Gewöhnungsbedürftig sind die LED-Anzeigen, wobei die Clip-LED schlicht und einfach keine Wirkung zeigt und selbst dann noch grün bleibt, wenn bei hoher Aussteuerung schon deutliche Verzerrungen hörbar werden. Auch die Status-LEDs für die Fußschalter können verwirren, weil sie bei ausgeschaltetem Kompressor und EQ grün leuchten, während die eingeschalteten Aggregate in rot signalisiert werden.

resümee

Leider zeigen Treble- und Middle-Regler nur sehr begrenzte Wirksamkeit, während der Compressor mit saftigem Squash voll überzeugt und für heiße Sounds in guter Qualität sorgt. [1316]

www.thomann.de

Ladenpreis: ca. € 99

Harley-Benton-DI-Bass-Expander-3

Aus Gitarre & Bass 08/2017

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