Produkt: Gitarre & Bass 8/2019
Gitarre & Bass 8/2019
Special: PUNKROCK – Die Toten Hosen, Donots, Muff Potter +++ STORY: Paul Gilbert, Derek Trucks, Stu Hamm, Esperanza Spalding, Laura Cox, The Amazons, Accept, Carol Kaye, Keith Merrow +++ TEST: LTD Xtone PS-1000, Framus D Series, Mesa California Tweed 6V6 4:Forty, BassLine Bustiny 5, Collings D2H, G&L Fullerton Deluxe ASAT, EBS Reidmar 502, Walrus Audio Lillian & Monument, Seymour Duncan Billy Gibbons Red Devil PUs
Schlank-Wand

Test: GR Bass GR One 800 & GR 212 Slim

(Bild: Dieter Stork)

Auf vielen Club-Bühnen und in den üblichen Proberäumen ist der Platz limitiert, da muss man zusammenrücken können. Mit kleinem Fußabdruck verschwendet die Slim-Box von GR Bass jedenfalls keinen Platz, baut deshalb in die Höhe. So, dass man auch das kleine Class-D-Topteil besser im Blick hat.

So schlank die GR-Bassanlage aussieht – schlapp ist sie keineswegs. Denn das One-Basstop der mittleren Leistungsklasse ist für souveräne 800 Watt gut, die 2×12“-Schlankbox kann 900 Watt verarbeiten. Das sollte für einen machtvollen Basston locker ausreichen, für praxisgerechte Variabilität ist auch gesorgt. Und im Amp stecken noch einige sinnvolle, frische Ideen.

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(Bild: Dieter Stork)

One 800

Den einkanaligen One gibt es wahlweise mit 350, 800 oder 1400 Watt Ausgangsleistung, als Dual sogar in allen drei Leistungsstufen mit Zweikanal-Vorstufe. Doch schon der One zeigt sich gut ausgestattet, um praktisch allen Anforderungen zu genügen. Und er hat einige Spezialitäten drauf, die man sonst nicht findet.

Zunächst sieht alles ganz aufgeräumt aus, zwischen Gain-Regler und Master sitzt ein vierbandiger Equalizer zur Klangformung, zusätzlich sind die Presets Deep und Bright per Schalttaste abrufbar.

Doch sieht man auf die weiteren Kleinigkeiten, kommen für Mid Low und Mid High jeweils drei vorwählbare Centerfrequenzen hinzu, bei den Tiefmitten hat man somit die Wahl zwischen 185, 375 und 800 Hz, bei den Hochmitten sind es 600, 1200 und 1800 Hz, was die abrufbaren Klangnuancen ziemlich variabel macht. Zudem sitzt in der Mitte unter der EQ-Sektion der Pure Switch, wo man mit einem Handgriff die Klangregelung abschalten kann, ohne dass man deren Einstellungen verändern muss.

Außerdem ist das GR-Basstop nicht nur mit einem Master-Regler für die Wiedergabe, sondern mit zwei weiteren für DI-Signal sowie Kopfhörer-Lautstärke ausgerüstet. Die Stereo-Miniklinke für den Kopfhörer sitzt auf der Front, praktischerweise auch eine zweite Miniklinkenbuchse zum Einspielen von Playbacks. Direkt neben dem Wiedergabe-Master sitzt die Mute-Taste zum Stummschalten des Amps.

An dieser unauffälligen Taste lassen sich diverse Anzeigearten für die LED-Reihe einstellen. (Bild: Dieter Stork)

Eine wesentliche Zutat bei diesem Kompaktverstärker ist die 24-stellige LED-Kette über dem Reglerfeld, denn dabei handelt es sich um mehr als nur reines Mäusekino. Zwar zeigt auch die blaue Betriebsleuchte neben dem Master durch Rotlicht an, wenn der Eingang übersteuert wird, doch erheblich genauer hilft die große LED-Kette bei der Gain-Einstellung, wofür an der kleinen LED Schalttaste sogar diverse Modi abrufbar sind.

Je nachdem, wie oft man darauf drückt, zeigt die gesamte Kettenlänge von links nach rechts die Aussteuerung inklusive roter LEDs für die Pegelspitzen an, gehen zwei Austeuerungsketten von der Mitte aus nach links und rechts zugleich oder wirbeln ein oder zwei LED-Gruppen in entsprechender Weise durch die Kette.

Und wem das dann doch zu hektisch ist, der kann diese Aussteuerungsanzeige auch ausschalten, wobei dann einzelne LEDs während des Spiels als unaufdringlich reduzierte Tuner-Anzeige fungieren. Die volle Funktionalität des eingebauten 6-Töne-Stimmgeräts ergibt sich mit genauerer Anzeige im Mute-Modus.

Kleiner Anschluss, großer Nutzen: Der One 800 bietet eine 9-Volt-Speisung für Effektpedale an. (Bild: Dieter Stork)

Übersichtlich ist die Anschlussbestückung auf der Rückseite, wo neben Send- und Return-Klinke des seriellen Effektwegs der XLR-Anschluss des symmetrischen DI-Ausgangs liegt. Der elektronisch symmetrierte Abzweig lässt sich wahlweise vor oder hinter die Klangregler umschalten, arbeitet aber in jedem Fall unabhängig von der Einstellung des Wiedergabe-Masters – schließlich ist auf der Front ja ein eigener Pegelsteller vorhanden. Eine gute Idee ist der vorhandene 9-Volt-Ausgang für Effektgeräte, der vier bis fünf Pedale speisen kann. Und für die Ausgangsleistung von 800 Watt an 4 Ohm stehen zwei Speakon/Klinke-Kombibuchsen bereit.

212 Slim

In der schmalen Slim-Bassreflexbox sorgen zwei kräftige Neodym-Zwölfzöller von Sica für schubstarke Wiedergabe, in den obersten Frequenzen durch ein Hochtonhorn unterstützt. Im Anschlussfeld sitzen zwei Speakon-Buchsen und ein L-Regler für die stufenlose Pegeleinstellung des Hochtöners. Wahlweise wird die 212 mit 4 oder mit 8 Ohm geliefert, je nachdem, ob die Box in einem eher kompakten Setup den Verstärker voll auslasten soll oder man sich die Option offenhalten will, den Amp mit zwei Boxen zu fahren. Die Belastbarkeit ist mit 900 Watt angegeben.

Mit beschichteten Membranen wird der Wiedergabebereich der Zwölfzöller zu den Präsenzen hin erweitert. (Bild: Dieter Stork)

Unten auf der Rückseite liegen die Bassreflex-Öffnungen, das Gehäuse ist aus leichtem, aber robustem 15-mm-Sperrholz gebaut und innen gründlich mit textilbezogenem Dämpfungs-Schaumstoff ausgekleidet. Außen rundum mit Nadelfilz bezogen, steckt die Box auch gröbere Kollisionen beim Transport ohne sichtbare Macken weg, die Eckenschützer bestehen aus zähem ABS-Kunststoff. Ein stabiles Wabengitter aus Stahlblech schützt wirksam die Lautsprechermembranen, seitlich sind metallene Schalengriffe ins Gehäuse eingelassen. Dicke Gummifüße entkoppeln die Box vom Boden und sorgen für rutschfesten Stand.

Wand aus Kraft

Schon im Ruhebetrieb springt nach einigen Minuten der Lüfter an und erzeugt zwar kein störendes, aber dennoch wahrnehmbares Geräusch. Doch keine Sorge, der Amp ist auch im stillen Studio problemlos einsetzbar, denn über die LED-Taste (8 Sekunden festhalten) lässt sich der Lüfter in den Studiomodus schalten, wo er still bleibt und die Wärmeabfuhr über das Gehäuse erfolgt. Nur wenn es der Schaltung dann nach ausgiebiger Benutzung wirklich zu heiß wird, wird die Zwangslüftung wieder eingeschaltet. Ein ernsteres Problem bereitet in der Praxis allerdings die schwarze Mini Beschriftung auf spiegelndem Alu – sie ist im üblichen Proberaum- und Bühnen-Halblicht kaum zu entziffern. Man sollte sich also mit den Knöpfchen an seinem GR One auskennen. Dann kommt wieder eine Stärke des durchdachten Basstops: Der Kopfhörerausgang schaltet nicht automatisch die Wiedergabe stumm, weshalb ja auch ein eigener Pegelsteller vorhanden ist. Somit kann man einen Kopfhörer im Studio oder auf der Bühne für exakteres Monitoring parallel zur Lautsprecherwiedergabe nutzen.

Sofern man das überhaupt braucht. Denn die Box mit den Neodym-Zwölfzöllern erzeugt eine derart kraftvolle Wiedergabe mit souveränem, ja autoritärem Fundament, durchsetzungsstarkem Tiefmitten-Growl und zugleich klarer Präsenz, dass man fast schon vorsichtig mit der Amp- Lautstärke umgehen muss, um sich mit dem Bass nicht zu sehr in den Band-Vordergrund zu spielen! Die GR Anlage mag schlank aussehen, ihr machtvoller Sound ist es jedenfalls nicht. Und am EQ lassen sich noch reichlich Tiefbässe hinzudrehen, ohne dass den potenten Neodym- Speakern die Puste ausgeht.

Mit den umschaltbaren Centerfrequenzen deckt der Mid-Low-Regler zudem diverse Nuancen des saftigen Knurrens ab, am Mid-High berücksichtigen die drei wählbaren Wirkungsbereiche tiefe und höhere Nasalnuancen sowie offensive Drahtpräsenz, nicht minder wirkungsvoll setzt der High-Regler cleane Brillanzen in Szene. Und man hat ja noch die Presets für Deep und Bright in Reserve. Bei aller Kraft ist der One 800 somit auch für alle möglichen Stilrichtungen klanglich variabel, und zwar bis in die Extreme. Die GR-Kombination hat also nicht nur starke Daten, sondern agiert damit auch ausgesprochen überzeugend.

Resümee

Was für ein Kraftpaket! Die GR-Bassanlage aus One 800 und 212 Slim artikuliert den Basston in allen Frequenzbereichen mit autoritärem Machtanspruch, vom tiefsten Fundament über drückenden Growl bis in tighte Brillanzen – da muss man fast schon aufpassen, dass der Basssound nicht die anderen Mitspieler an die Wand drückt! Und durch die wirkungsstarken, aber auch feinfühlig variablen Klangregler steht diese zupackende Power für alle Stilrichtungen bereit. In jedem Fall erwähnenswert sind noch die sinnreichen Sonder-Features des Topteils, wobei die 24-stellige LED Kette viel mehr als nur optische Unterhaltung bietet und die 9-Volt-Speisung für Pedale sowie der fürs Studio abschaltbare Lüfter gute Ideen sind, die sich auch andere Hersteller abgucken könnten.

PLUS

  • Wiedergabeverhalten, Leistung
  • Ausstattung, variable Klangregelung (One 800)
  • diverse Anzeigearten für die LED-Kette (One 800)
  • kraftvolle Wiedergabe aller Bereiche
  • Verarbeitung

MINUS

  • Frontbeschriftung schlecht ablesbar (One 800)

 

(erschienen in Gitarre & Bass 05/2019)

Produkt: Gitarre & Bass Digital 12/2018
Gitarre & Bass Digital 12/2018
Mark Knopfler +++ Billy Gibbons +++ Behemoth +++ John Butler Trio +++ Coco Schumann +++ Voivod +++ MonoNeon +++ Besuch bei Deimel +++ Guitarworks

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