Produkt: Jack Bruce 1943 – 2014
Jack Bruce 1943 – 2014
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Originalkopie

Test: G&L Tribute JB

G&L Tribute JB(Bild: Dieter Stork)

Und noch eine Kopie des berühmten Jazz-Bass-Designs – hier allerdings mit dem Label des echten Erfinders. Denn bekanntlich steht das Kürzel G&L für George Fullerton und Leo Fender.

Was man bei G&L dem ursprünglichen Fender-Design an konsequenten Verbesserungen hinzufügte, soll auch beim günstigeren Tribute-Modell Bestand haben. In einem entscheidenden Detail geht man hier allerdings auf die Urqualitäten zurück: bei den klassischen Alnico-Singlecoils. So vereint das JB-Modell die klangliche Historie mit kompetenter Auffrischung, bietet seine Retro-Qualitäten mit wohlfrisiertem Ansatz.

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aufgefrischte tradition

Von den bewährten Holzarten hatte man sich nie verabschiedet, und so kommt auch beim Tribute-Modell Sumpfesche für den Korpus und mit liegenden Jahresringen verarbeiteter Ahorn beim Hals zum Einsatz. Um den traditionellen Ansatz zu betonen, wurde der helle Ahorn gelblich eingefärbt, Korpus und Hals sind knackig in Hochglanz lackiert. Auf die Seventies bezieht sich die Ausführung mit schwarz eingefasstem Griffbrett und den großen Blockeinlagen zur Markierung der wichtigsten Lagen.

Offene Stimmmechaniken im Vintage-Stil sitzen auf der Kopfplatte, allerdings per Inbusschraube mit nachstellbarer Gängigkeit und mit Hohlprofil der Wickelachsen. Radikaler die Modernisierung am anderen Saitenende, wo ein schwerer G&L-Massesteg Sustain, Obertonentwicklung und direkte Tonansprache befeuert. Damit sich die einzelnen Saitenreiter nicht bewegen und so Schwingungsenergie vergeuden können, werden sie nach der Justierung durch eine seitliche Klemmschraube festgesetzt.

Gegenüber anderen G&L-Modellen, die sich durch weiterentwickelte Pickup-Designs auszeichnen, geht der JB einen Schritt zurück und ist mit sorgsam gefertigten Alnico-Singlecoils im alten Fender-Stil bestückt. Entsprechend retro ist auch die passive Schaltung mit zwei separaten Volume-Potis und einer gemeinsamen Höhenblende ausgelegt.

schnell und strahlend

Ganz so leicht, wie man es von der Sumpfesche erwartet, ist das Korpusholz allerdings nicht, und so bringt der Longscale-Viersaiter ordentliche 4,3 kg auf die Waage. Allerdings muss man dabei auch den schweren Massesteg einrechnen, am Ende hängt der G&L angenehm stabil und ausgewogen am Gurt. Der schlanke JB-Hals mit dem griffigen Halbrund-Profil zeichnet diesen Player besonders aus, zumal die gleichmäßige Bundierung eine „schnelle“, niedrige Saitenlage ohne Schnarren erlaubt.

Nicht nur aufgrund der komfortablen Saitenlage ist man auf dem JB flink unterwegs, auch die direkte Ansprache des energetischen Saitentons fällt bereits beim akustischen Antesten auf. Ebenso die frische, drahtbetonte Präsenz mit strahlenden Obertönen – ganz offensichtlich lässt sich hier der Einfluss des besonders massiven Stegs heraushören. Die beiden Singlecoils mit den Alnico-Stabmagneten sollen den ursprünglichen Charakter vom Jazz Bass liefern, und in der typischen Offenheit mit bissiger Drahtnote gelingt ihnen das auch bestens.

Nur verhält sich der Tribute JB trotz vieler Übereinstimmungen dennoch ziemlich anders und artikuliert den Roundwound-Klang viel offensiver, mit angriffslustigem Growl, extrapräzisem Klick und explizit strahlender Brillanz. Hier meint man eher, einen StingRay zu hören, und auch die schnelle Tonansprache fühlt sich danach an.

G&L Tribute JB
Die traditionellen Alnico-Singlecoils übertragen die Klangstärken des JB mit drahtigem Biss. (Bild: Dieter Stork)

resümee

Rückbesinnung auf altbewährte Traditionen scheint beim Tribute-JB das zentrale Versprechen, und am Ende kommt es doch anders. Denn trotz der Vintage-mäßigen Alnico-Singlecoils wirken sich die vorhandenen Modernisierungen ausgesprochen deutlich aufs Klangverhalten aus, wo der G&L mit betont präziser Tonansprache, offensivem Growl und spritziger Brillanz punktet. Fazit: Im packenden Detailklang und in der Direktheit ist der JB näher am Sting-Ray als an seinem traditionellen Vorbild und das ist im Wortsinne wirklich stark!

PLUS
• Klangverhalten, offensive Detailfeinheit
• präzise Tonansprache, Sustain
• Spielbarkeit
• Ausstattung, Hölzer
• Verarbeitung

G&L Tribute JB

(erschienen in Gitarre & Bass 07/2019

Produkt: Gitarre & Bass Digital 09/2018
Gitarre & Bass Digital 09/2018
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