Produkt: Kemper Amp Special
Kemper Amp Special
Der große Kemper Amp Testbericht! Kemper Amp – High-Tech in neuer Evolutionsstufe
Treibende Kraft

Test: Genzler Magellan 800 & MG 212T

Genzler Magellan(Bild: Dieter Stork)

Einen besonderen Anspruch sieht man dem reich ausgestatteten 800-Watt-Top von Genzler schon an, wo einiges mehr an durchdachten Features als sonst geboten wird. Die passende Box zur Magellan-Anlage wird zu Hause in den USA gebaut, wobei das 1×12″-Modell auch als Verstärkung zur 2×12″- Hauptbox angeschlossen werden darf.

Mehr als ausreichende Leistung aus Class-D-Technik ist die eine Sache, Klangflexibilität die andere. Das Magellan-Top hat alternativ zur Clean-Wiedergabe eine schmutzige Drive-Abteilung an Bord, wirkungsvolle Aktiv-Klangregler ebenso. Was den 2,8 kg leichten 800-Watt-BassAmp von anderen abhebt, ist zudem eine üppige Anschluss-Ausstattung. Und die 2×12″-Box sichert markante Umsetzung der Ampsounds.

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magellan 800

Direkt am hochohmigen FET-Eingang sitzen Druckschalter für Mute und eine Pegelabsenkung von 8,5 dB für Aktiv-Bässe, beim Auspegeln des Clean Volume hilft eine Clip-LED. Per Channel-Drucktaste oder angeschlossenem Fußschalter (nicht im Lieferumfang, aber handelsübliche Kurzschluss-Schalter funktionieren) wird zum Drive-Channel umgeschaltet, wo für den Zerrgrad ein Gain-Regler und für den Pegelangleich ein Volume-Poti vorhanden sind.

Globale Justierung des Klangcharakters kann am Contour-Shape-Regler vorgenommen werden, wofür zwei unterschiedliche Curves abrufbar sind. Die aktive Hauptklangreglung ist dreibandig und wird durch die stufenlos durchstimmbare Centerfrequenz des Mittenbands variabel gemacht. Der MasterVolume-Regler vervollständigt das Bedienfeld auf der Front-Seite.

Auf der Rückseite überzeugt in der Class-D-Klasse die recht reichhaltige Anschluss-Situation; ein serieller Effekt-Einschleifweg ist ebenso vorhanden wie eine große Stereoklinke für Playback-Einspielungen und ein Kopfhörerausgang, der die Lautsprecherwiedergabe stummschaltet. Beim elektronisch symmetrierten Direct Output ist nicht nur der Abgriff vor oder hinter der Klangregelung wählbar, sondern auch der Ausgangspegel von Line auf Mic umschaltbar; natürlich ist auch ein Ground Lift zur Behebung eventuellen Doppelerdungs-Brummens vorhanden.

Zur Leistungsverteilung besitzt der Magellan 800 zwei Speakon-Ausgänge sowie einen Umschalter für die niedrige Anschlussimpedanz von 2,67 Ohm, die sich bei Parallelschaltung einer 4-Ohm-Box und einem 8-Ohm-Aggregat ergibt.

Genzler Magellan
Sinnvoll organisierte Anschlussmöglichkeiten beim Magellan 800 (Bild: Dieter Stork)

mg 212t

In der Magellan-Serie gibt es eine 1×12- und eine 2×12-Box, jeweils mit Tweeter ausgestattet. Die umschaltbare Ausgangsimpedanz des Verstärkers erlaubt es also, insgesamt drei Zwölfzöller anzutreiben. Für den Normalbetrieb ergibt sich die Wahl zwischen einem sehr kompakten Setup mit der 112T, wo immerhin noch saftige 400 Watt auf den Lautsprecher gegeben werden, oder einer kraftvollen Midsize-Anlage; mit der 212T schöpft man bei entsprechend eingestelltem Impedanz-Schalter nämlich schon die volle Nennleistung von 800 Watt ab.

Nicht ganz scheint dazu deren Belastbarkeitsangabe von 700 Watt zu passen, muss man also bei Vollrohrbetrieb vorsichtig sein? Eher nicht, denn in der Genzler-Box sitzen hochpotente Neodym-Zwölfzöller von Faital, die jeweils mit 600 Watt beschriftet sind – womöglich war der Hersteller hier also nur sehr zurückhaltend bei der Belastbarkeitsangabe. Im Datenblatt für die Faital 12PR300 ist die Dauerbelastbarkeit mit 300 Watt angegeben, maximal können die Lautsprecher aber 600 Watt vertragen, die doppellagig gewickelten Schwingspulen liefern zusätzliche Reserven. Ultrasteife Guss-Chassis sorgen für mechanische Stabilität, kräftige Neodym-Magnete für hohe Aussteuerbarkeit.

Das Bassreflexgehäuse ist trotz Leichtbauweise aus 15-mm-Sperrholz grundsolide, zur Versteifung sitzt ein Stehbrettkreuz in der Mitte. Zwei Bassreflex-Ports münden vorne, innen ist die Rückwand mit einer dicken Dämpfungsmatte verkleidet, um stehende Wellen zu dämpfen. Klassischer Tolex-Bezug, Metallecken und eine aufgeklettete Nylonstoff-Frontbespannung ergeben ein stilvolles Aussehen, für komfortablen Transport sind seitlich große Metall-Schalengriffe eingelassen, dicke Gummifüße geben der 24-Kilo-Box einen sicheren Stand.

Ein Genzler-Hochtonhorn füllt die Wiedergabe in den oberen Registern auf, stufenlos mit einem dicken L-Regler im Pegel dosierbar. Die hochwertige Frequenzweiche passt zur allgemein vorherrschenden Qualität, fette Anschlusslitzen gehen zu den Speakern. Einmal Speakon und zwei parallel geschaltete Klinken sitzen neben dem Hochton-Pegelsteller im Anschlussfeld, alles natürlich versenkt und beim Transport gegen Schäden geschützt.

Genzler Magellan
Auch wo man sonst nicht hineinschaut, wird Top-Qualität geboten. (Bild: Dieter Stork)

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Das Topteil läuft ohne Umschaltung an allen Netzspannungen von 100 bis 240 Volt, der eingebaute Lüfter flüstert im Normalbetrieb praktisch unhörbar und stört auch bei sensiblen Studioaufnahmen nicht. Dabei präsentiert das 800- Watt-Top souverän seine Leistungsstärke, und die 2×12″ macht dabei energisch mit. Die Magellan-Anlage ist laut und sauber, wobei der kernige Mittenbereich das Charakteristikum einer Zwölfzoll-Bestückung ist und für gesteigerte Durchsetzungskraft sorgt. Schon im Clean-Kanal bei neutralen Klangreglern packt der Growl eindrucksvoll zu.

Rocker werden sich natürlich über den zweiten, dreckigen Kanal freuen – hier wird mit stufenlos dosierbarem Gain und zusätzlichem Volume-Regler zur Pegelkompensation vom leicht angefetzten Ton bis zum grobkörnigen Overdrive viel geboten, wobei der Fokus eher auf Rockstile zielt, denn die fisselige Metal-Säge hat diese Drive-Abteilung nicht zu bieten.

Dafür aber gehörige Variationsräume allein am Contour-Shape-Regler, der mit Kurve A entschieden die Mittenfrequenzen aufräumt und damit ultracleane Funk-Sounds erzeugt. Mit Kurve B ist die Wirkung entgegengesetzt – Präsenzen und kernige Knurrmitten können jetzt hinzudosiert werden.

Dazu kommt natürlich die eigentliche Klangregelung, die in Bässen und Höhen musikalisch sinnvoll abgestimmt wurde und durchaus auch voll dosiert werden kann, ohne dass der Klang unmäßig aus der Balance gerät. Vorsichtiger sollte man bei den Boosts mit der Mittenparametrik umgehen, aber so drastisch, wie man damit gezielt böse Frequenzbereiche nach vorne holen kann, so wirksam lassen sie sich auch abdämpfen. Für die starke 212T spricht, dass sie auch extreme Sounds ohne jede Überforderung mitmacht und bis in höchste Pegel markant darstellt. Auf hohem Qualitätsniveau ist die Magellan-Anlage noch deutlich lauter und größer, als sie aussieht.

resümee

Top-Qualität ist nicht nur eine Frage des sauberen Leistungsvermögens, sie kann auch ausgesprochen energisch zupacken. Mit kernigem Zwölfzoll-Knurr präsentiert die Magellan-Anlage den Basston ausgesprochen offensiv, trag- und durchsetzungsstark. Wirkungsvolle Klangregler machen die Ergebnisse allerdings auch sehr variabel, zudem hat man ja noch eine rockfetzige Drive-Abteilung zur Hand.

Was hier geboten wird, liegt durchweg weit über dem Durchschnitt, sogar weiter, als es die Preise von 800-Watt-Top und USA-Box erwarten lassen.

PLUS
• Leistungsvermögen, Wiedergabe-Qualität
• durchsetzungsstarke Sounds, hohe Sound-Variabilität
• Anschluss-Bestückung (Magellan 800)
• Verarbeitung, Qualität
MINUS
• irritierende Belastbarkeitsangabe bei 212T

Genzler Magellan

Genzler Magellan

(erschienen in Gitarre & Bass 04/2019)

Produkt: Gitarre & Bass 7/2019
Gitarre & Bass 7/2019
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