Produkt: Frank Zappa Special
Frank Zappa Special
Hol dir Interviews, Workshops & Tabs zu Frank Zappa und seinen Musikern!
Gruppenleistung

Test: Genzler Bass Array BA410-3 & BA12-3 STR & BA12-3 SLT

Genzler Bass Array(Bild: Dieter Stork)

Dass man in der Gruppe stärker ist als alleine, dürfte jedem einleuchten. Man kann zum Beispiel ein weites Feld besetzen. Was das mit den Bass-Array-Boxen von Genzler zu tun hat?

Nach gehörigem Erfolg mit seiner alten Marke Genz Benz ist Jeff Genzler keinesfalls untätig geblieben und tüftelt weiterhin durchdachtes Bass-Equipment der Extraklasse aus, nur eben mit neuem Logo. So steckt zum Beispiel in den Bass Arrays eine kluge Idee, um ein altes Problem des Selbsthörens auf der Bühne zu beheben. Schließlich wäre es schön, sich freier bewegen zu können, ohne den Kontakt zum tighten Spiel zu verlieren – dafür würde eine Box mit weitem, homogenem Abstrahlfeld schon sehr nützlich sein.

Anzeige

in die breite

Die Idee der Strahlerguppe ist nicht neu, nur ihre Anwendung in der Bassbox. Bei den vielen, kleinen Lautsprechern, die als vertikales Band vor den eigentlichen Basslautsprechern sitzen, geht es nicht etwa um mehr Höhen, sondern darum, einen wichtigen Frequenzbereich auf ein breiteres Hörfeld zu verteilen. Doch anders als es aussieht, erweitern die übereinander sitzenden Kleinlautsprecher als Strahlergruppe die homogene Abstrahlung nicht vertikal, sondern in der Breite. Das kann man links und rechts vor seiner Bassanlage gut gebrauchen.

In den beiden „kleinen“ BA12-3-Modellen kommen auf einen Zwölfzöller vier Dreizoll-Konuslautsprecher, in der BA410-3 auf vier Zehnzöller sechs Stück. Und die Neodym-Dreizöller von Faital sehen so aus, als ob sie deutlich tiefere Frequenzen verarbeiten können als das übliche Hochtonhorn und weniger spitz agieren; tatsächlich sind sie schon ab 800 Hz eingekoppelt. Und ganz allgemein vermeidet die koaxiale Anordnung von Bass und Hochtongruppe Klangänderungen in verschiedenen Abstrahlrichtungen, weil hier alles aus der Mitte kommt.

Genzler Bass Array
Die Strahlergruppe der vier Konushochtöner ist stabil vor den Basslautsprecher montiert (Bild: Dieter Stork)

Highend-Denke – aber nicht nur im Kopf, sondern auch in der Realität. Im schlanken, geschlossenen Holzgehäuse stehen die 3″-Gruppen stabil in der Frontmitte. Alle Bässe sind extrasolide NeodymTypen von Faital mit steifem Gussrahmen, montiert auf solidem Multiplex; Eckausschnitte der Frontplatte werden dabei als Bassreflextunnel genutzt. Interessanterweise ist das übrige Gehäuse viel dünner aus 12 mm dünnem Sperrholz gebaut. Das spart natürlich Gewicht, wobei einige wirksame Versteifungen im Inneren dafür sorgen, dass keine störenden Resonanzen auftreten.

Bei der 4×10 wird die Frontplatte zudem mit einem Kantholz gegen die Rückwand abgestützt, allen Modellen gönnt Genzler ein solides, feinlöchriges Stahlgitter zum Schutz der wertvollen Speakerfront. Hochwertige Lautsprecher, fette Verdrahtung, durchdachte Konstruktion – die Genzlers können was!

Genzler Bass Array
Die Bassreflex-Kammern sind innen mit Steinwolle bedämpft. Das Material ist akustisch hochwirksam, die einst gesundheitsgefährliche Rezeptur wurde längst verändert, so dass es heute als unbedenklich gilt. (Bild: Dieter Stork)

in die vollen

Beispielsweise ein ganzes Kilowatt verarbeiten, wie die Belastbarkeits-Angabe der BA410-3 es sagt. Mit 4 Ohm nutzt das Kraftpaket die meisten Poweramps voll aus. Auch die 12″-Modelle BA12-3 können Leistung ab, die 8-Ohm-Boxen sind mit 350 Watt belastbar. Der Unterschied zwischen STR (straight) und SLT (slant) liegt in der Gehäuseform, die STR ist ein gerader Kasten, die SLT strahlt leicht schräg nach oben, was die unterschiedlichen Brüder auch gleich zur flexiblen 2×12″-Lösung prädestiniert. Alle Anschlussfelder sind mit zweimal Speakon und zweimal Klinke bestückt.

Ohne die beeindruckenden, stimmigen Leistungen der potent bestückten Bassreflex-Abteilungen schmälern zu wollen – vor allem die fetten Hochtöner-Arrays setzen die Klangdetails prominent in Szene, klar und offen, doch ohne Überbetonung oder gar spitz. Tatsächlich darf man sich auch seitlich von den Boxen entfernen, die Horizontalverbreiterung des Hörfelds wirkt und man hört nicht nur seinen Anschlagsklick präzise.

Bei der wuchtigen 4×10 ist felsenfeste Souveränität angesagt, und das in aller Deutlichkeit über alle Frequenzbereiche. Man darf saftig Leistung hineinpumpen, extreme Sounds einstellen – alles kommt hier mit sauberer Power zur Geltung, nichts wird unterschlagen. Die dichten Bässe der 4×10-Bestückung werden mit sauberen Konturen dargeboten, die Präsenzen und Höhen der sechs Dreizöller unauffällig und harmonisch integriert. Wichtig für die perfekte Wirkung ist allerdings ein Mindestabstand zur Box, wenn sie auf dem Boden steht. Oder eine etwas gekippte Aufstellung, damit die Speaker auch im Nachfeld auf die Ohren strahlen.

Einen Hauch mehr mittige Knurrigkeit leisten sich die 1×12″-Modelle, wobei sie als Paar der 4×10 fast ebenbürtig sind, was das erwachsene Fundament und den drückenden Punch angeht. Der Unterschied liegt im bellenden Timbre der Zwölfer, das mehr in Richtung Rock und Fetzen zieht als die souveräne, dichte Klarheit der 4×10. Allen Bass Array-Modellen ist die exzellente Hörbarkeit der Klangdetails in weiten Bereichen gemein, homogen und ohne dass es zu spitzen Färbungen kommt.

Genzler Bass Array
Eine leicht veränderte Gehäusegeometrie lässt die SLT-Box leicht nach oben strahlen. (Bild: Dieter Stork)

resümee

Im Prinzip steckt die gute Idee, in der qualitätsvollen Umsetzung das perfekte Ergebnis: Die Bass Arrays von Genzler überzeugen mit ihrer homogenen Deutlichkeit in allen Details, und eigentlich muss man sich fragen, warum der Strahlergruppen-Trick nicht längst auch schon woanders angewendet wurde. Die Antwort ist auch klar, denn es ist der gehörige Aufwand, den eine hochwertige Umsetzung beschert und relevante Kosten verursacht. Wer diese nicht scheut, bekommt mit den Bass Arrays von Genzler wirklich superbe Performance geboten, in aller Breite.

PLUS
• deutliche Detaildarstellung
• weites horizontales Hörfeld
• Ausgewogenheit
• Belastbarkeit

Genzler Bass Array


Jeff Genzler, der Mastermind von ehemals Genz-Benz und jetzt Genzler Amplification, im Interview

Jeff, die Bass Array Boxen stechen aus dem Gros der Bassboxen aufgrund ihrer Konstruktion heraus. Was war die ursprüngliche Idee hinter der Serie?

Unser ursprüngliches Ziel war es, ein Boxenkonzept anzubieten, das höchste Belastbarkeit und klares, definiertes Ansprechverhalten bei kleinstmöglichen Außenmaßen bietet. Wir arbeiten nicht mit der typischen Tieftöner-Hochtöner-Kombination und von daher hat die BA-Box mit ihrem Konzept ein Alleinstellungsmerkmal auf dem Markt. Die Verwendung hochqualitativer Komponenten und die Kombination einzigartiger Lautsprecher-Designelemente (manche aus der Pro Audio Welt) – das ist das Herz dessen, was die Bass Array Serie ausmacht.

Einfach ausgedrückt – mit diesem Konzept erlauben wir den einzelnen Lautsprechern, nur die Frequenzen abzubilden, die sie am effizientesten wiedergeben können. Die größeren Tieftöner übernehmen die tiefsten Frequenzen und die kleineren Chassis die Mitten und Höhen. Der 12-Zoll-Tieftöner befindet sich in einer Bassreflexkammer und kümmert sich um Bass und Tiefmitten. Die Array-Lautsprecher sind 3-Zoll-Neodym-Treiber die bis zu 16 kHz hochspielen.

Die kleinen Treiber bilden einen Frequenzgang von circa 800 Hz bis 16 kHz ab und da wir sie in einer Line-Array-Konfiguration stapeln – jeder in einer eigenen Kammer, zentriert vorm Tieftöner – erreichen sie zusammen einen höheren Output, eine breitere horizontale Streuung und eine bessere Projektion in die Tiefe des Raumes. Die Klarheit und Definition im Ansprechverhalten ist für den Nutzer viel präsenter, weil sie die essentiell wichtigen Mitten und Höhen reproduzieren – sowohl gerade heraus als auch off-axis.

Ein weiterer Vorteil des Konzeptes ist der nahtlose Übergang vom Tieftöner zum Array. Weil kein separater Tweeter im Gehäuse ist, erfolgt dieser bis in die Mitten und Höhen sehr smooth. Weil ein größerer Tieftöner knapp unter der Übergangsfrequenz (zwischen Tief- und Hochtöner) versucht, auch die höheren Frequenzen wiederzugeben, wird die 2000 – 4000-kHz-Range in traditionellen Bassboxen oft zu eng in der Projektion. Denn diese Frequenzen kommen hauptsächlich gerichtet aus der Kalotte des Lautsprechers und bei den meisten 12-Zoll-Speakern erzeugt das einen sehr harschen, quäkigen Ton.

Mit unserem Bass-Array-Design eliminieren wir diesen Effekt vollkommen, da die kleinen 3-Zoll-Treiber diese wichtigen Frequenzen reproduzieren.

Genzler(Bild: Genzler)

Was hat dich zu Faital Pro Lautsprechern gebracht?

Zu Genz-Benz-Zeiten haben wir die Faital-Chassis aus Italien entdeckt und waren eine der ersten Firmen, die sie für Bassboxen verwendet haben. Als hochwertige Neodym-Lautsprecher bieten sie besondere Materialien und interne Designelemente, die dabei helfen, den Gesamtfrequenzgang des Tieftöners zu begradigen. Über die Jahre produzierten viele Neodym-Tieftöner eine störende Begleiterscheinung: Überspitzungen im Bereich von 2000 – 4000 kHz. Bei manchen Herstellern schlimmer als bei anderen. Wir fanden, dass Faital-Lautsprecher in diesem Frequenzbereich wesentlich glatter waren, außerdem war die Belastbarkeit und Langlebigkeit immer außergewöhnlich.

Ich war zu Besuch in ihrer Fabrik in Mailand und mit ihrem Qualitätsmanagement bei Rohmaterialien und ihren Fertigungsprozessen gehören sie zu den Besten in ihrer Branche.

Für welche Art von Bassisten eignet sich die Bass Array Serie?

Das ist eine interessante Frage. Die Bass-Array-Boxen sehen wie ein sehr modernes High-Tech-Lautsprechersystem aus. Deshalb könnten man annehmen, dass sie sich nur für moderne Slap- oder knallige Clean-Tones eignen. Aber, das Bass-Array-System eignet sich eigentlich für jegliche Art von Musik, weil die Boxen so klar klingen und nicht auf einen Tweeter angewiesen sind. Selbst wenn man mit viel Distortion oder einem weit aufgerissenen Röhrenverstärker spielt, geben sie die Sättigung und Obertöne viel definierter und musikalischer wieder. Viele Musiker, die mit Pedalen arbeiten, berichten, dass sogar ihre Chorus-, Flanger-, oder Overdrive-Effekte viel detaillierter wiedergegeben werden.

Danke für das Gespräch! Wir sind gespannt, was zukünftig noch von euch kommen wird …

(erschienen in Gitarre & Bass 01/2019)

Produkt: Fender Stratocaster
Fender Stratocaster
Die 15 legendärsten Fender Stratocaster im Gitarre & Bass-Test! Hol dir das kostenlose Special!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Das könnte Sie auch interessieren