Vergleichstest 15"-Bassboxen

Test: Fünfzehnzöller von Eich Amplification, FMC, Gallien-Krueger, Hartke, Laney und Warwick

Eich Amplification, FMC, Gallien-Krueger, Hartke, Laney und Warwick
FOTO: Dieter Stork

Große Lautsprecher machen einen großen Basston. Der Fünfzehnzöller ist auch in Zeiten geschrumpfter Gehäuseformate ein gefragtes Format; wie unterschiedlich sich die 15″-Boxen in der gleichen Preiskategorie präsentieren, sollen sechs Vergleichskandidaten zeigen.

Um die Sache praktikabel einzugrenzen, haben wir die mittlere Preislage zwischen 450 und 700 Euro Ladenpreis durchforstet und sind auf erstaunliche Vielfalt gestoßen. Zur gerechten Beurteilung haben alle Kandidaten vergleichbare Belastbarkeiten, aber wie sie den Basston auf die Bretter bringen, ist ihre eigene Sache, solange ein Fünfzehnzöller im Spiel ist. Entsprechend verschieden fällt das Erscheinungsbild aus.

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Eich Amplification 115XS

Sie ist die teuerste in diesem Vergleich – und mit Abstand die kompakteste. Platzsparend wirkt hier außerdem die Hochkant- Aufstellung, wo die anderen Teilnehmer nominal auf der Langseite ruhen. Kompakt heißt auch leicht, zumal hier luftiges 15-mm-Pappelsperrholz verwendet wird, seriös durch innere Versteifungen gestärkt. Schallreflektionen im Inneren werden durch Schaumstoff auf der Rückwand gedämpft. Mit weniger als 15 kg trägt sich das Kistchen am oben angebrachten Schalengriff komfortabel.

Eich Amplification 115XS
FOTO: Dieter Stork
Auf engen Bühnen ist die Schrägstellung vorteilhaft. (Eich)

Der Eich-Speaker leistet sich einen gewichtigen Keramikmagnet, die Belastbarkeit ist mit 400 Watt angegeben. Je nachdem, ob man die Box alleine oder in Kombination mit anderen verwenden möchte, ist sie mit 4 oder 8 Ohm lieferbar. Statt eines Hochtonhorns verwendet Eich einen Vierzoll-Konuslautsprecher mit eigener Gehäusekammer für die höheren Frequenzlagen, die somit homogener und weniger spitz ins Gesamtbild eingebunden werden sollen; für den Hochtöner sind drei Schaltstufen Off/Half/Full vorgesehen. Damit das Klangbild auch ungeschmälert auf die Ohren kommt, findet sich in der Klemmhalterung auf der Unterseite ein Edelstahlstab, der in eine Metallbuchse in der rückwärtigen Bassreflex-Öffnung passt – damit lässt sich die Eich-Box schräg nach oben strahlend aufstellen, was auf engen Bühnen sehr praktisch ist. Nicht zuletzt wirkt am wertigen Gesamteindruck der geschmackvoll ausgewählte Gehäusebezug mit. Auch die klassischen Anklänge bei der silberglänzenden Frontbespannung kommen stilvoll, wo die meisten anderen kühle Metallgitter bevorzugen. Die extrakompakte Eich-Box kann sich sehen lassen.

FMC 115MH N2

Die einzige Dreiwege-Box in diesem Feld, sogar mit separaten Pegelstellern für Mitten und Höhen ausgestattet, was einige Variabilität verspricht. Der leistungsfähige Faital-Fünfzehner hat einen Neodymmagnet und sich auch schon in doppelt so teuren Markenboxen bewährt. Die Mitten übernimmt ein Sechszöller von Sica, für die Höhen ist ein Eminence 1“- Hochtonhorn zuständig. Der Kunde hat bei diesem Modell die Wahl zwischen 300, 400 und 600 Watt Belastbarkeit, was (neben dem Preis) auch jeweils ein Kilo in die eine oder andere Richtung ausmacht. Passend zu den übrigen Kandidaten haben wir die 400- Watt-Version mit 20 kg genommen.

FMC 115MH N2
FOTO: Dieter Stork
Die einzige Dreiwegebox besitzt separate Pegelsteller für Mitten und Höhen.

Pappelsperrholz mit einer Stärke von 15 mm ist auch hier das Mittel zum angenehmen Gewicht, ebenfalls innen zusätzlich versteift und rundum mit Noppenschaumstoff ausgekleidet, um stehende Wellen wirksam zu dämpfen. Natürlich hat der große Mitteltöner eine eigene Gehäusekammer, um von den Bassdruck- Schwankungen im Reflexkabinett verschont zu bleiben. Zwei Kombibuchsen für Speakon/Klinke sind vorhanden, die Impedanz beträgt 8 Ohm, mit einem Bruttovolumen von 132 Litern ist die FMC die drittgrößte Box in diesem Vergleich.

Gallien-Krueger Neo 115 III

Der Neodym-15″-Speaker sichert ein günstiges Gewicht, mit 20 kg liegt die GK-Box im Mittelfeld, obwohl sie mit 127 Litern Bruttovolumen zu den größeren gehört. Das Hochtonhorn ist im Pegel stufenlos einstellbar, die 8-Ohm-Box kann mit 400 Watt belastet werden. Eine Besonderheit ist typisch für die Marke, nämlich die Biamp-Belegung der Speakon- Buchse. Zusammen mit einem passenden GK-Basstop können Basslautsprecher und Hochtöner mit separaten Endstufen angesteuert werden, was insbesondere bei hohen Pegeln eine sehr saubere Wiedergebe verspricht.

Gallien-Krueger Neo 115 III
FOTO: Dieter Stork
Bei Gallien-Krueger ist auch Biamping mit separaten Endstufen für Bass und Hochtöner möglich.

Das passende Biamp-Kabel mit Speakon-Steckern wird mitgeliefert. Für den normalen Fullrange-Betrieb findet sich im Anschlussfeld noch eine Klinkenbuchse, umsichtig durch einen Plastikstopfen abgedichtet, damit bei der unbenutzten Buchse keine Luftgeräusche entstehen. Das Hochtonhorn mit 1″-Treiber besitzt einen Keramikmagnet und ist stufenlos im Pegel einstellbar. Innere Versteifungen dienen der Stabilisierung des 16 mm starken Sperrholzgehäuses, in der Bassreflexkammer wurde auf Dämpfungsmatten verzichtet.

Hartke HyDrive HD115

Hartke treibt einigen Aufwand an der Schallquelle selbst, denn der Hydrive- Fünfzehnzöller besitzt eine Spezialmembran mit Innenteil aus Aluminium und äußerer Papierzone. Man darf gespannt sein, wie sich diese Hybridkonstruktion im Gesamtfeld bemerkbar machen wird. Während der Basslautsprecher mit einem großen Keramikmagnet ausgerüstet ist, kommt Neodym beim Hochtonhorn zum Einsatz; für den Tweeter-Pegel ist ein Schalter mit den Stellungen Off/- 6dB/On vorhanden. Zwei Speakon und zwei Klinkenbuchsen sind vorhanden, die 8-Ohm-Box kann 500 Watt wegstecken und liegt somit zusammen mit der Warwick leicht über dem Niveau der anderen. Das Bassreflexgehäuse aus 15 mm Leichtbau- Sperrholz ist solide mit inneren Versteifungen gebaut, dicke Wollfasermatten dämpfen alle innen auftretenden Schallreflektionen weg. Mit 139 Liter brutto bietet sie hier das zweitgrößte Gehäuse und ist mit 23,4 kg die schwerste.

Hartke HyDrive HD115
FOTO: Dieter Stork
Der Hybrid Cone bei Hartke kombiniert Aluminium mit Papier.

Laney Nexus N115

Guten Anpack verspricht das Laney-Gehäuse, indem solide Griffe in die oberen Gehäusekanten eingebaut wurden. Mit genau 100 Litern Brutto folgt sie auf die kleine Eich mit 75 Litern, ist also die zweitkompakteste Lösung in unserem Testfeld und mit 19,5 kg auch die zweitleichteste. Ähnlich wie die Eich, kann sie auch hochkant aufgestellt werden, wofür seitlich ein zweiter Satz Gummifüße vorhanden ist. Während alle anderen Modelle einen Vinyl- oder Filzbezug zum Schutz des Gehäuses besitzen, ist die innen versteifte Laney-Konstruktion aus 15-mm-Sperrholz mit einem äußerst zähen, dicken Strukturlack umhüllt und verzichtet selbstbewusst sogar auf Schutzecken. Die schwarze Frontbespannung ist aufgeklettet, in der Bassreflexkammer sorgt eine Wandauskleidung mit Dämpfungswatte dafür, dass etwaiger Kistenklang geschluckt wird.

Laney Nexus N115
FOTO: Dieter Stork
Die Griffe in der Gehäusekante geben bei Laney einen besonders guten Anpack.

Der potente Fünfzehnzöller besitzt einen Neodym-Magnet, das große Hochtonhorn mit dem keramisch bestückten Treiber stammt von Lavoce. An zwei Schiebeschaltern kann der Benutzer entscheiden, ob das Hochtonhorn ein- oder ausgeschaltet und ob es mit halbem oder vollem Pegel angesteuert wird.

Warwick WCA115 LW CE

Das üppigste Bassreflex-Volumen bietet Warwick, die WCA115 ist mit 144 Bruttolitern fast doppelt so groß wie die kleinste Box in unserem Testfeld. Bei gerade einmal 21 kg wirkt sich das jedoch kaum aufs Transportgewicht aus. „LW“ steht schließlich für Lightweight, was auch hier mit 15 mm Leichtbau-Sperrholz verwirklicht wurde. „CE“ ist das Kürzel für die Celestion-Bestückung, ein potenter 15″- Celestion mit keramischem Magnet wird durch ein hochwertiges, vierstufig dosierbares Hochtonhorn des gleichen Herstellers ergänzt. Das Anschlussfeld ist mit zwei Kombibuchsen für Speakon und Klinke ausgerüstet. Mit 500 Watt hat die Warwick zusammen mit der Hartke die höchste Belastbarkeit, die Impedanz beträgt 8 Ohm. Geschickt wird der Bassreflextunnel zugleich zum Versteifen der Gehäusekonstruktion verwendet, und während Gehäuseresonanzen durch den äußeren Filzbezug abgedämpft werden, hat man innen auf jedwede Dämpfung verzichtet.

Warwick WCA115 LW CE
FOTO: Dieter Stork
4 Pegeleinstellungen für den Hochtöner

Praktische Aspekte

Wenn es um bequemen Transport und platzsparende Aufstellung geht, hat die Eich 115XS mit ihren besonders kompakten Abmessungen und dem Hochkant- Format eindeutig die Nase vorn und ist zudem auch signifikant leichter als alle anderen Testboxen. Ein weiteres Alleinstellungsmerkmal ist die Möglichkeit, sie schräg nach oben strahlend zu betreiben. Auch bei der Laney hat man die Möglichkeit vorgesehen, die Box hochkant aufzustellen, zudem ist sie die zweitkleinste Box und liegt auch mit dem Gewicht an zweiter Stelle. Außerdem punktet sie beim Transport mit den bequem zu packenden Metallgriffen in den oberen Gehäusekanten. Das zweitgrößte Modell Hartke kompensiert etwaige Unbequemlichkeit beim Transport durch mitgelieferte Steckrollen, sodass man zumindest in der Ebene mühelos rangieren kann. Vorbildlich sind alle Gehäuse aus zähen Leichtbau-Sperrhölzern mit zusätzlichen Versteifungen im Inneren gebaut, durchweg kommen komfortable Griffschalen zum Einsatz. Wirklich schwer ist keine der modernen Testboxen, obwohl überall sehr potente Lautsprecher verbaut sind.

Bei der äußeren Erscheinung mögen die Modelle von FMC und Warwick durch den äußeren Filzbezug etwas Eighties-mäßig rüberkommen; allerdings hat dieses weiche Material den Vorteil, alle Rempeleien ohne Spuren wegzustecken. Nachteil gegenüber den abwischbaren anderen Gehäusen ist die Tendenz des Nadelfilzes, dass leicht Fusseln und Schmutzpartikel anhaften – den Fremdkörpern im Pelz lässt sich gegebenenfalls mit einem Staubsauger zu Leibe rücken.

Sound-Vergleich

Bei Konstruktion und Ausstattung sind ja einige Unterschiede festgestellt worden – dass die sechs Testboxen aber in der Performance so unterschiedliche Temperamente aufweisen, überrascht dann doch. Die kompakteste Box im Vergleich verblüfft durch ihren enorm tiefen Druckpunkt im Bass und ihr insgesamt betont aufgeräumtes Klangbild: Die XS115 von Eich liefert vom tiefen Subbass bis in filigrane Highlights ein extrem gepflegtes, detailreiches Klangbild ohne auffällige Färbungen. Den Fünfzehnzöller merkt man ihr zwar in der supertiefen Fundament- Darstellung an, die übrigen Frequenzbereiche bildet sie aber betont ausgewogen und zugleich deutlich ab. Der kleine Konus-Hochtöner wird daran nicht unschuldig sein, insgesamt ist sie wohl die perfekte Wahl für ein explizites HiFi- Klangbild.

Deutlich strammer geht die Dreiwegebox von FMC zu Werke und ist mit ihrer brettigen Spurtreue fraglos für den lauteren Bühneneinsatz optimiert, wo es um konkrete Durchsetzungskraft ohne Wummern geht. Die Schubkraft kommt hier eher aus den sehnigen Tiefmitten und straffen Punchbässen. Darüber bietet die FMC fein definierte Details, durch die separaten Einsteller für Mitten und Höhen können verschiedene Nuancen ausprobiert werden. Wegen der leicht erreichbaren Pegelsteller in der Seitenwand probiert man auch wirklich gerne so lange, bis man die Wiedergabe genau auf den Punkt gebracht hat, was insbesondere bei gemischten Spieltechniken mit Slaps und Fingeranschlag wirksame Optimierungen ermöglicht. Hier kommen also stramme Live-Qualitäten mit fein dosierbarer Detailstärke zusammen, für den rauen Rocker ebenso zugeschnitten wie für praktisch alle anderen Spielstile.

Die Gallien-Krueger setzt den Bass wieder etwas tiefer an, bleibt aber trotzdem stramm. Gutturale Artikulation kultiviert den typischen 15″-Charakter in den Mitten, das Plus an Eigenklang entsteht offenbar auch durch die ungedämpfte Bassreflex-Kammer. Da sie in den stufenlos dosierbaren Höhen noch reichlich Reserven für extrabrillante Sounds hat, bildet die GK in etwa die Mitte zwischen einer modernen 115 und dem traditionellen Fünfzehnzoll-Charakter.

Hohe Erwartungen liegen auf dem speziellen Hybrid Cone des Hartke-Fünfzehnzöllers, doch zunächst gerät der Auftritt der Hydrive115 sehr gewöhnungsbedürftig. Sie ist deutlich leiser als die anderen und gibt sich in sämtlichen Frequenzbereichen extrem diszipliniert. Beim ersten Hören wirkt die Wiedergabe belegt und gedämpft, totgedämpft. Mit etwas Gewöhnung entdeckt man dann die Vorteile dieser speziellen Abstimmung, die mit hoher Impulspräzision sehr kompakte Basssounds erzeugt. Die Hartke ist ein Spezialist, ihre reservierte, trockene Art muss man mögen.

Das schiere Gegenteil kommt von Laney, deren Nexus 115 in diesem Vergleich die lebhafteste Performance hinlegt. Hier hat der Spaßfaktor eindeutig Priorität, kerniger Growl springt einen an, mit sattem Bass und offensiver Präsenz geht hier alles zupackend und dynamisch nach vorne. Sie hat ein überschäumendes Temperament und lockt zu treibenden Grooves, schaut dafür bei der vollkommenen Ausgewogenheit nicht immer so genau hin. Genau das kommt der frischen Lebendigkeit zugute, die das sympathische Offensivpotential der Laney-Box ausmacht. Warwick hat das größte Bassreflexgehäuse und besetzt mit der WCA115 die klassische Fünfzehnzoll-Rolle. Genauso satt und voluminös, dicht und raumfüllend stellt man sich den typischen 15″- Sound vor. Die ungedämpfte Charakterstärke hat gehörigen Vintage-Charme, zugleich füllt der Hochtöner die obersten Register dezent auf, ohne sich in den Vordergrund zu spielen. Die große Box trifft exakt den Retro-Mainstream und erfüllt ihren Job ausgezeichnet. Rock, Blues, Beat, Soul – alles was Geschichte hat, kann dieser Lautsprecher auch passend bedienen.

Resümee

Unerwartet verschieden fallen die Charaktere der sechs Teilnehmer aus, so differenzierte Vielfalt hätte man dem ollen Fünfzehnzöller nicht zugetraut. Alle Hersteller nehmen die Aufgabe offenbar ernst, moderne Entwicklungen auf hohem Niveau abzuliefern, und dabei kommen nun die verschiedenen Ansätze deutlich zur Geltung. Eich baut nicht nur die teuerste, sondern auch die transportfreundlichste Box in diesem Vergleich, die dennoch die tiefsten Bässe mit sauberem HiFi-Klangbild produziert. Nicht weniger detailliert, aber in den stramm durchsetzenden Tiefen für den raueren Bühneneinsatz ist die Dreiwege-FMC optimiert und als präziser Allrounder zu empfehlen.

Ebenfalls vielseitig aufgestellt gibt sich die Gallien-Krueger, das aber mit etwas mehr klassischer Couleur. Sehr speziell kommt hingegen der extratrockene Hartke-Sound rüber, genau das Gegenteil liefert die Laney mit betont lebhafter Spielfreude. Schließlich sorgt Warwick dafür, dass auch die klassische Voluminösität des Fünfzehnzöllers nicht ausstirbt. Da sollte doch für jeden Geschmack das passende dabei sein!

Plus

  • stabile Leichtgewichts- Bauweise
  • Transportfreundlichkeit (besonders: Eich, Laney)
  • Verarbeitung, Ausstattung
  • Schrägstell-Stütze (Eich)
  • Steckrollen (Hartke)
  • Belastbarkeit

Minus

  • leisere Wiedergabe (Hartke)
Eich Amplification, FMC, Gallien-Krueger, Hartke, Laney und Warwick Übersicht

 

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(Aus Gitarre & Bass 06/2018)

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