Produkt: Gitarre & Bass Digital 08/2018
Gitarre & Bass Digital 08/2018
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Neues von gestern

Test: Fender Vintera ’50s Precision Bass

Vintera heißt die neue Formel für die Wiederauflage der alten Klassiker, wo eine möglichst authentische Vintage-Attitüde mit den Mitteln der modernen Ära verwirklicht wird.

Für den Precision Bass bedeutet das: Authentisch breiter Hals mit dem frühen Spielgefühl und der klassischen Hardware-Ausrüstung, aber modernen Lacken und einem neu abgestimmten Splitcoil-Tonabnehmer. Nicht zuletzt gehört zu den modernen Mitteln auch die Preisgestaltung der in Mexiko gefertigen Instrumente, die im dreistelligen Bereich liegt. Erhältlich ist der Vintera-Precision in Seafoam Green, Dakota Red und Vintage Blonde.

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(Bild: Dieter Stork)

Viel Vintage

Zur authentischen Bauweise gehören natürlich die bewährten Hölzer: Harter Ahorn für den einstreifigen Hals, Erle für den Korpus. Doch sind es nicht nur die Hölzer, sondern vor allem deren Verarbeitung, die hier den klassischen Vibe ausmachen; die 20 schmalen Vintage-Bundstäbchen sitzen nicht in einem aufgeleimten Griffbrett, sondern sind direkt ins Halsholz eingesetzt, sodass man hier wirklich von einem einteiligen Hals sprechen kann.

Kein aufgeleimtes Griffbrett, hier sitzen die Vintage-Bünde direkt im Halsahorn. (Bild: Dieter Stork)

Der Halsspannstab wurde von der Rückseite aus eingesetzt, die dafür notwendige Fräsung durch einen dunklen Skunkstripe verschlossen. Der Hals ist mit hochglänzendem Urethan-Hartlack versiegelt, der Korpus mit ebenso makellos poliertem Polyester. Zum Fifties-Flair gehört das goldfarben eloxierte Aluminium-Pickguard ebenso wie die offenen Vintage-Tuner mit umgedrehtem Drehsinn.

Wie in der Frühzeit ist der Drehsinn der Tuner andersherum.
Mit den historischen Rillen-Saitenreitern lassen sich die Saitenabstände variieren.

Auch die vernickelten Rillen-Saitenreiter auf der verchromten Blechwinkel-Basis gehören zur alten Ausstattung und ermöglichen es, in gewissen Grenzen die Saitenabstände zu variieren. Ein wenig verwirrend ist die Beschreibung des zweispuligen Precision-Tonabnehmers, denn einerseits wird behauptet, dass der Vintera-Splitcoil „revoiced“ wurde, andererseits, dass er deshalb genauso wie einst klingen soll. Geht man davon aus, dass hier alle im Laufe der Jahrzehnte durchgeführten Modernisierungen zurückgenommen wurden, würde das den scheinbaren Widerspruch auflösen: Hören wir mal.

Präsente Stimmigkeit

Was sofort auffällt, ist das breite Griffbrett mit fast 45 mm Sattelbreite, da ist viel Platz in den Lagen, um die Finger kollisionsfrei unterzubringen. Mit 3,9 kg hängt der Longscale-Viersaiter angenehm am Gurt. Dieser sollte freilich nicht zu flutschig sein, um dem typischen Streben des Precis in die Waagerechte entgegenzuwirken.

Schon ohne Verstärker fällt beim Vintera eine klangliche Besonderheit auf, nämlich die singende Sustain-Entwicklung gepaart mit strahlenden Obertönen – ganz offensichtlich macht es einen Unterschied, ob die Bundstäbchen in einem aufgeleimten Griffbrett oder direkt im Halsholz sitzen. Jedenfalls kann der mexikanische Fifties-Bass mit bemerkenswerter Schwingkultur punkten, die zugleich den präsenten Ahorn-Biss geschmeidig hervorhebt.

Was es mit der Neuabstimmung (bzw. Rückbesinnung) des Alnico-Splitcoils auf sich hat, ist auch schnell geklärt: Im Elektro-Sound hat man den Eindruck, dass hier der Tiefmitten-Growl und das Fundament insgesamt gestärkt rüberkommen. Das passt ausgezeichnet zur singenden Präsenz der Holzkonstruktion und erzeugt eine charmante, detailstarke Stimmigkeit, die keinesfalls nur für Rock- Einsätze taugt.

Resümee

Absolut überzeugend präsentiert sich der Vintera-Preci nicht nur im Vintage-Spielgefühl, sondern auch in seiner charmant singenden Ahorn-Präsenz, die im Elektroklang ein stimmiges Gegengewicht im gestärkten Growl findet. Der Vintera gibt sich offener und detailfeiner als ein normaler Precision und bietet für eine fairen Preis attraktive, eigenständige Qualitäten, die nicht nur viel Vintage-Flair verbreiten, sondern auch gut in die moderne Zeit passen.

PLUS

  • präsente Detailstärke, ausgewogener Elektroklang
  • Spielbarkeit
  • einteiliger Hals, Hölzer
  • Verarbeitung, Lackierung

(erschienen in Gitarre & Bass 10/2019)

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