Produkt: Gitarre & Bass Miniabo
Gitarre & Bass Miniabo
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Kuhle Rampe

Test: Elyra Slapcool

(Bild: Dieter Stork)

Das tiefe Brummen macht den Bass aus, ist aber längst nicht alles. Attack bringt den Ton nach vorne und treibt den Puls – damit ist nicht nur das Draufhämmern mit dem Daumen gemeint.

Dass der Slapcool nicht einfach die wohlbekannten Rezepte aufruft, sieht man dem Fünfsaiter sofort an. Tilmann Fuchs hat sich im pfiffigen Design einiges einfallen lassen, um besonderen Spieltechniken und dem besonderen Ton zu dienen, Günter Eyb hat seine langjährige Erfahrung als Instrumentenbauer in der praktischen Umsetzung eingebracht. Dass der Slapcool nicht nur für die Daumenkünstler interessant ist, zeigt er in seiner besonderen Konstruktion.

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Formsache

Roterle für den Korpus, einstreifig Ahorn für den Hals, das sind die traditionellen Elemente und damit ist auch schon Ende der altbewährten Zutaten, der Rest folgt einer konsequenten Philosophie der Attack- Formung.

Das Padouk-Griffbrett ist mit 24 Wagner-Bundstäbchen im Medium-Jumbo-Format bestückt, dahinter geht es aber noch als Rampe bis zum Korpusende weiter; sie liegt 4 mm unter den Saiten, um den anschlagenden Fingern eine definierte Aufklatschfläche zu bieten. Ausgespart ist nur eine Slap-Kuhle zum Anreißen der Saiten hinter dem 24. Bund.

An der Position der Befestigungsschrauben sieht man, wie tief der Hals in den Korpus hineinragt. (Bild: Dieter Stork)

Damit auch das Sustain nicht zu kurz kommt, ragt der Hals sehr tief in den Erlekorpus hinein, was eine ungewöhnlich große Kontaktfläche ergibt. Als weitere Maßnahme zur Sustain-Förderung sind die Monorail-Stege passgenau in die Holzrampe eingelassen, sie werden von ETS als Sonderanfertigung für den Slapcool geliefert.

Auf der dicken, stabil gebauten und leicht nach hinten abgewinkelten Kopfplatte sitzen halboffene Präzisionsmechaniken von Hipshot, für sicheren Halt am Gurt sorgen Schaller Security Locks. Aber wo sind die Tonabnehmer?

Die verstecken sich in der Padouk-Rampe, ein Häussel JB-Singlecoil in der Halsposition, ein MM/J-Hybrid-Humbucker in der Sting-Ray-Lage. Per Kippschalter hat man die Wahl zwischen dem Humbucker am Steg oder seiner J-Hälfte plus dem zweiten Singlecoil am Hals, mischbar per Überblender.

Beim Slapcool stehen keine Tonabnehmer störend im Weg. (Bild: Dieter Stork)

Für weitere Klangabstimmungen ist ein aktiver Zweiband-EQ von Aguilar an Bord; durch Ziehen des Volume-Regler-Knopfs gelangt man in den passiven Modus, wo der Höhenregler automatisch zur passiven Tonblende umfunktioniert wird.

Freie Bahn

In die Kuhle integriert ist ein magnetgehaltenes Holzdeckelchen, welches den Zugang zum Halsspannstab verschließt; auch der rückseitig eingepasste E-Fach-Deckel wird so gehalten und lässt sich zum Batteriewechsel ohne Werkzeug öffnen.

Unter dem kleinen Deckelchen in der Kuhle verbirgt sich der Zugang zum Halsspannstab. (Bild: Dieter Stork)

Mit nur vier Kilogramm besitzt der Longscale-Fünfsaiter ein angenehmes Gewicht, zumal er ausbalanciert am Gurt hängt. Auf dem breiten Griffbrett stehen sich die Finger auch bei komplizierten Aufgaben nicht gegenseitig im Weg, die Saitenabstände am Steg betragen fast 19 mm und erlauben auch bei voller Anschlags-Power genaues Treffen.

Die Slap-Aussparung hinter dem Griffbrettende erfüllt natürlich ihren Zweck und schafft den Raum, um sicher unter die Saiten zu kommen, dominierender im Gesamteindruck ist jedoch die Rampe, die dem abrollenden Fingeranschlag eine definierte Begrenzung bietet und damit auch bei weicher Spielweise offensiv wirkt.

Noch ein Vorteil: Auf der gesamten Stecke zwischen Halsende und Steg bietet sich die Rampenkante als Daumenstütze an und man kann in jeder Position ungehindert hinlangen, weil keine Pickups im Weg stehen!

Die Holzkonstruktion schafft mit der Kombination aus energetischer Schwingstärke und präzisem Attack beste Voraussetzungen für starke Ergebnisse, elektrisch stecken dafür zwei Seelen im Slapcool: Zum einen der klassische Biss vom Jazz Bass, zum anderen das breitbandige Zupacken des StingRay, je nachdem, in welcher Stellung der Kippschalter steht.

Das schnelle Umschalten zwischen zwei Grund-Sounds wird dadurch erleichtert, dass der Überblender nur auf die J Kombination wirkt, sodass man sich hier die passende Mixtur zurechtlegen kann. Mit den saftigen Punch-Bässen der Aktiv-Elektronik lässt sich auch bei perkussivem Spiel mächtig Dampf erzeugen, die klaren Höhen sichern dabei präzise Konturen.

Im Passiv-Modus ist die Höhenblende fein abgestimmt, sodass kein dumpfer Klang entsteht, sondern bei abgerundeten Brillanzen eine mittige Nuance erzeugt wird. Da die versteckten Tonabnehmer nicht justierbar sind, wird optional ein Zweifach-Booster von Richter eingebaut, um die Pegelbalance auf elektrischem Wege variieren zu können.

Resümee

Mit seiner markanten Kombination aus Slap-Kuhle und Rampe für den Fingeranschlag bietet der Slapcool eine eigene Spielergonomie, die nicht nur beim Slappen die präzisen Ergebnisse sichert.

Und dass hier keine Tonabnehmer störend im Weg sind, eröffnet zusätzliche Freiheiten. Gelungen sind dabei auch die Elektro-Sounds, wo man auf die Schnelle zwischen MM-Humbucker und JJ-Bestückung wechseln kann. Die starke Gemeinschaftsleistung von Tilmann Fuchs und Günter Eyb wird manchem Spieler neue Möglichkeiten aufzeigen.

PLUS

  • Klangverhalten, Sound-Anwahl
  • Spielergonomie
  • Ausstattung
  • Konstruktion, Verarbeitung

(erschienen in Gitarre & Bass 03/2019)

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