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Basssoundmobil

Test: Electro-Harmonix Battalion

(Bild: Dieter Stork)

Die Helden von einst imponierten mit der Macht einer fetten Bassanlage, heute ist eher die unbelastete Beweglichkeit der Sounds angesagt. Was man alles in ein handliches Pedal reinpacken kann, zeigt der Battalion.

Zuerst erlaubten immer pfiffiger ausgestattete DI-Boxen, beim Gig die Bassanlage im Proberaum zu lassen, dann wurden daraus ziemlich komplett ausgerüstete Bass-Preamps im Pedalformat.

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Electro-Harmonix packt da noch die gefragtesten Effekte obendrauf, inklusive umschaltbarem Routing. 12 Regler, 7 Schalter und 5 Anschlussbuchsen – das ist die Bilanz der neuen Aufrüstungsspirale. Der Name Battalion kommt also nicht von ungefähr.

Routing durchdacht

Durch die hohe Eingangsimpedanz von 2,2 Megohm kommt die Bass-Vorstufe auch mit sehr hochohmigen Signalquellen klar, was nicht nur für heiße Passiv-Pickups dämpfungsfreie Übertragung sicherstellt, sondern auch für Piezo-Systeme interessant ist.

Übersteuerung durch zu starke Tonabnehmer kann durch Drücken der -10dB-Taste verhindert werden. Um das unbearbeitete Eingangssignal gleich wieder entnehmen zu können, ist die Dry-Output-Klinkenbuchse vorhanden.

Per Schalttaste kann der eingebaute Compressor aktiviert werden, dessen Kompressionsgrad stufenlos einstellbar ist. Eine blaue LED zeigt an, wenn die Compression bereit ist (die natürlich nur bei eingeschaltetem Preamp wirkt, wofür der rechte Fußschalter zuständig ist).

Zur Klangformung steht ein aktiver Vierband-EQ bereit, am Volume-Regler wird der Ausgangspegel für den Klinken-Output bestimmt.

Der elektronisch symmetrierte DI-Ausgang hat einen eigenen Pegelsteller und kann wahlweise das Clean- oder das Preamp-Signal herausgeben. (Bild: Dieter Stork)

Der elektronisch symmetrierte DI-Output besitzt einen eigenen kleinen Pegelsteller, am Bypass-Schalter kann man wählen, ob man hier den Preamp-Sound oder das unbearbeitete Basssignal herausgibt. Der Ground-Lift-Schalter hilft bei Brummproblemen aufgrund doppelter Erdung weiter.

Soweit die schon kerngesund ausgestattete Preamp-Ausstattung, es kommt allerdings noch eine umfassend durchdachte Distortion-Abteilung hinzu, die am linken Fußschalter aktiviert wird.

Regler für Drive, Tone, Blend und Level sind vorhanden, zusätzlich kann der Zerrer auf drei Arten in den Signallauf integriert werden. In der Pre-EQ-Einstellung wird das Aggregat direkt hinter dem Compressor eingefügt und die Klangregelung dahinter, die Post-EQ-Einstellung leitet das Tonsignal über den Compressor in den EQ und dann erst zur Distortion-Abteilung.

Wo die Zerre im Signallauf liegt, kann gewaltigen Einfluss auf den Sound haben. (Bild: Dieter Stork)

Schließlich ist die dritte Einstellung „Dry EQ“ für extremere Sounds interessant, bei denen die Zerre ohne EQ angesteuert wird, aber der am Blend-Regler hinzumischbare Clean-Anteil mit den vier Klangreglern auch heftig verbogen werden kann.

Insbesondere für drastische Einstellungen ist noch der Gate-Regler über dem Volume-Knopf nützlich, der mit stufenlos wählbarer Einsatzschwelle unerwünschte Nebengeräusche in Spielpausen unterdrückt. Damit das Noisegate nicht durch etwaiges Distortion-Rauschen irritiert wird, detektiert es den Ruhebefehl direkt am Eingang, um schließlich die Ausgänge stummzuschalten.

Zupackende Sounds

Um die Stromaufnahme von ca. 100 mA zu decken, wird das Battalion-Pedal inklusive Steckernetzteil geliefert.

Die grundsätzlichen Preamp-Funktionen überzeugen, am Bassregler lässt sich das wuchtig-tiefe Fundament wirkungsvoll stärken, auch der Lo Mid überzeugt mit zupackendem Growl. Ein wenig weiter vom Lo-Mid-Bereich entfernt könnte freilich der Hi Mid ansetzen – zwar erfassen die beiden Mittenregler tatsächlich verschiedene Frequenzbereiche, jedoch wirken diese im Endergebnis sehr ähnlich .

Würde der Hi Mid etwas höher in den Präsenzen agieren, wäre die EQ-Auslegung vielseitiger und auch die große Lücke zum Treble-Regler, der attraktiv die schmatzenden Brillanz-Highlights bearbeitet, würde durch einen höher angesiedelten Hi-Mid-Bereich besser gefüllt.

Am Compressor lässt sich das Basssignal saftig in die Begrenzung fahren, falls zum Beispiel für einen Fretless wirksame Sustain-Verlängerung gefragt ist. Mit den hohen Kompressionsgraden geht allerdings auch ein stark hörbares Rauschen einher. Das fällt in den dezenteren Einstellungen etwas weniger auf, dabei bügelt das Aggregat sauber unerwünschte Pegelspitzen aus.

Sehr vielseitig gibt sich die gut ausgerüstete Distortion-Abteilung, wo man den Drive von warmtönendem Anrauen bis in die dreckig-grobe Vollzerre dosieren kann. Der Tone-Regler erlaubt angemessene Abrundung des Höhenspektrums, am Blend lässt sich zudem der gewünschte Anteil Clean-Signal beimischen, um die tragfähige Bassbasis zu stärken.

Eine gute Idee ist das umschaltbare Routing für den Zerrer, wo man einerseits durch den EQ den verzerrten Klang nachbearbeiten, andererseits aber auch schon verbogene Sounds hineinschicken kann– was tatsächlich die Klangvariabilität erheblich steigert. Insbesondere starke Mittenanhebungen im Post-EQ-Modus sorgen für kernige Durchsetzungskraft.

Auch der Dry-EQ-Modus liefert attraktive Ergebnisse, wo man die pure Zerre mit einem am EQ aufgepumpten Clean-Anteil mischen kann. Aufgrund dieser Möglichkeiten dürfte der Battalion besonders für die raueren Musikstile interessant sein.

Übrigens führen auch extreme Drive-Einstellungen kaum zu erhöhtem Rauschen, da ist der Compressor viel, viel auffälliger. Zwar ist ein Noisegate an Bord, aber das reagiert selbst bei sorgfältiger Justierung ausgesprochen schroff und macht seinen Job alles andere als unauffällig, sodass man lieber ganz darauf verzichtet und den Einsteller auf Linksanschlag dreht.

Etwas gewöhnungsbedürftig ist auch der Bypass-Schalter für den symmetrischen DI-Output, wo man wahlweise das cleane Eingangssignal oder den Preamp-Sound herausgibt. Drückt man die Bypass Taste, hat man allerdings den Preamp – und den Bypass erhält man bei nicht gedrückter Taste.

Resümee

Was der Electro-Harmonix Battalion alles durchdacht in einem Pedal zusammenfasst, verspricht umfangreiche Möglichkeiten, und vieles davon überzeugt auch klanglich. Insbesondere die durch umschaltbares Routing enorm variablen Zerrklänge sind bemerkenswert!

Allerdings leistet sich das Gerät auch Schwachpunkte wie das starke Compressor-Rauschen, ein zu schroff einsetzendes Noisegate und den missverständlich beschrifteten Bypass-Schalter für den DI-Ausgang.

Der Gesamteindruck bleibt, vor allem wegen der besonderen Zerr-Variabilität, dennoch positiv, aber eine Überarbeitung des vielversprechenden Bass-Preamps würde das Angebot fraglos attraktiver machen.

PLUS

  • Ausstattung, Sound-Möglichkeiten
  • Anschluss-Bestückung
  • Distortion-Abteilung mit 3 Routings
  • inkl. Netzteil

MINUS

  • Compressor rauscht
  • Noisegate zu schroff
  • DI-Bypass-Taste missverständlich

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