Produkt: Gitarre & Bass 4/2019
Gitarre & Bass 4/2019
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Lastentreiber

Test: EBS Reidmar 502

(Bild: Dieter Stork)

Für einen gewaltigen Basston ist ein kräftiger Verstärker nützlich – aber mehr Lautsprecher noch wirksamer. Beim neuen Reidmar 502 ist deshalb weniger die Ausgangsleistung das Besondere, sondern die Fähigkeit, auch große Boxen-Setups stabil anzutreiben.

Die angegebene RMS-Endstufenleistung von 250 Watt mag heutzutage fast schon bescheiden anmuten, auch wenn am Ende beinahe 500 Watt Spitzenleistung verfügbar sind. Bemerkenswerter ist, dass der Class-D-Amp für eine Last bis 2 Ohm hinab ausgelegt ist, sodass man damit zwei 4-Ohm Boxen sicher fahren kann.

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Gut bestückt

Nicht nur mit Lastfestigkeit punktet das neue EBS-Top, auch die sonstige Ausstattung kann sich sehen lassen. Getrennte Regler für Gain und Volume sind vorhanden, bei der korrekten Aussteuerung hilft eine Peak-Leuchtanzeige. Direkt am Eingang lässt sich schon am Charakter-Schalter der Instrumentenklang aufräumen, indem Bässe und Brillanzen gegenüber dem Mittenbereich hervorgehoben werden. Stufenlos lässt sich die Wirkung des eingebauten Dynamikkompressors dosieren, dessen Einwirken per LED-Farbwechsel angezeigt wird. Die Haupt-Klangregelung besteht aus Kuhschwanzfiltern für Bass und Treble und einem von 100 Hz bis 6 kHz durchstimmbaren Mittenband, zusätzlich ist für die obersten Frequenzbereiche noch ein Bright-Einsteller vorhanden. Für die Klangpuristen ist der gesamte Equalizer mit einem Schalterdruck abschaltbar.

Da der 502 viele Lautsprecher treiben kann, wäre ein zweiter Speakon-Ausgang sinnvoll. (Bild: Dieter Stork)

Externe Effekte können seriell in den Signallauf eingefügt werden, die Klinkenbuchsen für Send und Return sind auf der Rückseite angebracht. Dort sitzt auch die Line-Out-Klinke und die Stereoklinke für den Phones-Ausgang. Das elektronisch symmetrierte Ausgangssignal für PA- und Aufnahmezwecke kann wahlweise vor oder hinter dem Equalizer abgegriffen werden, für den XLR-Ausgang steht ein Ground-Lift-Schalter bereit. Als Endstufenausgang wird eine Speakon-Buchse verwendet – wer mehrere Boxen am 2-Ohm-Topteil betreiben will, muss das Leistungssignal von Box zu Box durchschleifen.

Kraftbetont

Was bei den kompakten Class-D-Basstops nicht immer selbstverständlich ist: Der EBS besitzt angenehm griffige und gut ablesbare Potiknöpfe; die Regler für Bass, Middle und Treble rasten zudem in ihrer neutralen Mittelstellung gut fühlbar ein.

Obwohl der Reidmar durch den rückwärtigen Lüfter vorsorglich permanent gekühlt wird, entsteht dadurch nur ein dezentes Geräusch, welches im Proberaum kaum weiter stören wird – und auf der Bühne sowieso nicht. Auch sind seine Features im Signallauf gut durchdacht angeordnet, was die Nutzbarkeit des elektronisch symmetrierten XLR-Ausgangs Live und im Studio betrifft. Sowohl in der Pre-EQ-Einstellung wie auch im zumeist bevorzugten Post-EQ-Abgriff bleibt der DI-Pegel unbeeinflusst von der (Master-) Volume-Einstellung. Steht der Schiebeschalter auf Pre EQ, wirken zwar die Haupt-Klangregelung, Compressor und eingeschleifte Effekte nicht auf den symmetrischen Ausgang, das zuschaltbare Charakter-Filter bietet aber dennoch eine Klang-Alternative.

Im wuchtig-satten Grund-Sound bietet der Reidmar 502 eine Überraschung und präsentiert sich voluminöser und stärker, als es die RMS-Leistungsangabe erwarten lässt. Das hängt wohl mit dem speziellen Soft-Clip-Design der Schaltung zusammen, wo man auch tief in die Vollleistung hinein aussteuern kann, um damit ein aggressiveres Klangbild mit ungemein schubstarken Tiefmitten zu erzeugen.

Der Compressor kann praktisch ohne Pegelrückgang hinzudosiert werden. (Bild: Dieter Stork)

Knallig wirkt dabei auch der Compressor, der schaltungstechnisch hinter dem EQ platziert ist und sich somit beispielsweise mit gesteigerter Basswucht ansteuern lässt. Überhaupt sind die Klangregler für Bässe, Mitten und Höhen betont wirkungsvoll ausgelegt und bieten eine entsprechend weite Variations-Palette, während der zusätzliche Presence-Regler eher filigran das Topend hervorkitzelt.

Bass-Anhebungen sollte man vorsichtig dosieren, weil hier derart viel Pfund hinzukommt, dass kleinere Speaker damit überfordert werden können!

Klanglich sollte man sich also bei diesem starken Basstop nicht von der zurückhaltenden RMS-Leistungsangabe irritieren lassen, da die letztendlichen Ergebnisse eher kraftvoller als bei manch anderem 500-Watt-Top rüberkommen. Das ist natürlich umso vielversprechender für ein großes Boxen-Setup; ein zweiter Speakon- Ausgang für die lastfeste 2-Ohm- Endstufe wäre praktisch.

Resümee

Mit klanglich wirkungsvoller Variabilität und einem ungemein kraftvoll zupackenden Grundklang überrascht der Reidmar 502, zumal zur adäquaten Abstrahlung sogar zwei 4-Ohm-Boxen angeschlossen werden dürfen. Für gepflegte Cleansounds beim Club-Auftritt wird man das nicht unbedingt brauchen, aber bei höherer Leistungsabgabe kann der EBS auch richtig aggressiv werden, und das mit sattwuchtiger Note, wo natürlich viele Speaker für einen gewaltigen Sound nur günstig sind. Insofern ist dieses kompakte Basstop durchaus auch für Rock und Metal ein Antesten wert.

PLUS

  • Sound-Variabilität, EQ-Wirkung
  • Compressor-Wirkung
  • Ausstattung
  • bis 2 Ohm hinab lastfest

MINUS

  • nur ein Speakon-Ausgang

(erschienen in Gitarre & Bass 08/2019)

 

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