Produkt: Kemper Amp Special
Kemper Amp Special
Der große Kemper Amp Testbericht! Kemper Amp – High-Tech in neuer Evolutionsstufe
Vollbedienung

Test: EBS MicroBass 3

EBS MicroBass 3(Bild: Dieter Stork)

Was die Schweden im MicroBass-Pedal an verdichteter Optionsvielfalt bieten, würde wohl auch jedem großen Preamp gut anstehen. Das sieht jedenfalls nach einer enorm variablen Klangzentrale fürs Pedalboard aus.

Es sind nämlich nicht nur zwei gut bestückte Kanäle vorhanden, auch klangentscheidende Extras und eine üppige Anschlussbestückung finden Platz auf 16 x 12 cm Grundfläche. Mit wenigen Zeilen lässt sich die Leistungsfähigkeit des handlichen Dual Channel Preamps wohl nicht erfassen.

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EBS MicroBass 3
Das Preamp-Pedal besitzt sogar zwei symmetrische Ausgänge. (Bild: Dieter Stork)

viel kann viel

Angesichts der vielen Funktionselemente muss man zunächst einmal den Signallauf erfassen, der hier von rechts (wo die Klinkeneingänge liegen) nach links geht. Weiße Knöpfe für den Normalkanal, der mit Gain, Treble, durchstimmbaren Mitten, Bass- und Compressor-Reglern ausgestattet ist. Der Zerrkanal besitzt schwarze Knöpfe für Drive und Tone, eine eigene durchstimmbare Mittenabteilung und einen Level-Regler zum Pegelangleich. Grau sind hingegen die Einsteller zum Mischen der Kanäle (Blend) und Master.

Soweit hat man sich um gute Übersichtlichkeit bemüht, auch sind alle wichtigen Beschriftungen hellweiß ausgeführt, während Nebenfunktionen mit dezenterer Schrift gekennzeichnet sind.

Nebenfunktion Nummer Eins ist die Serial-Schalttaste zwischen den beiden Eingangsbuchsen, die den seriellen oder parallelen Betrieb der Kanäle erlaubt. Mit 10 Megohm ist der Normaleingang im Serial Mode extrem hochohmig ausgelegt, sodass selbst passive Piezo-Systeme ohne Anpassungsverluste verarbeitet werden. Auch im Parallel-Modus der Eingangskanäle liegt die Impedanz mit 1,5 Megohm über dem sonst üblichen Wert.

Weitere Variabilität geben diverse Kippschalter in den Kanälen, so sind im Clean-Channel Presets für Bright und Charakter vorhanden; das Charakter-Filter räumt in den Mitten auf und stärkt zugleich Bässe und Brillanzen. Des Weiteren ist ein Bypass-Schalter vorhanden, um auf die Schnelle sämtliche Klangregler im klaren Kanal abzuschalten. Nicht minder interessant sind die Schalter für den Drive-Kanal, wo man außer der neutralen Charakteristik noch Deep und Thin für die Zerre wählen kann. Ein zweiter Schalter lässt die Drive-Eingangsstufe wahlweise mit niedriger oder hoher Verstärkung arbeiten, sodass ein weites Spektrum an Zerrgraden abrufbar ist.

EBS MicroBass 3(Bild: Dieter Stork)

Beide Kanäle können über den normalen Input wahlweise zugleich oder hintereinandergeschaltet angesteuert werden, wobei die Drive-Verzerrung in beiden Fällen über den Fußschalter aktiviert wird. Zusätzlich ist der Drive-Kanal aber auch über eine separate Klinke zugänglich, sodass der Preamp theoretisch auch mit zwei Instrumenten gleichzeitig oder bei entsprechender Blend-Einstellung per Drive-Fußschalter umschaltbar benutzt werden kann.

Hinter der Blend-Mischstufe und noch vor dem Master liegt ein serieller Einschleifweg für externe Effekte, natürlich hinter dem Master-Volumen liegt der Klinkenausgang des Preamps. Und es sind sogar zwei verschiedene symmetrische Ausgänge vorhanden, ein genereller mit Abzweig vor dem Master und ein Pre/Post-umschaltbarer für den Clean Channel. Und am Ende ist der MicroBass 3 sogar stereofähig, wenn die Stereo-Taste gedrückt ist und ein stereofähiges Effektgerät im Einschleifweg benutzt wird; die Return-Buchse kann dann per Stereoklinke mit beiden Effektausgängen angesteuert werden, die beiden XLR-Ausgänge werden automatisch für den linken und rechten Kanal benutzt.

Davon hat man nicht nur in der Aufnahme- oder PA-Wiedergabe etwas, denn es ist auch eine Stereo-Miniklinke für Kopfhörer an Bord. Über die ebenfalls vorhandene Aux-Miniklinke kann eine Übebegleitung in den Kopfhörer eingespielt werden. Zwischen den Fußschaltern für Mute und Drive findet sich schließlich noch das Display des eingebauten Stimmgeräts. Gespeist wird das EBS-Pedal per 9-Volt-Steckernetzteil, welches gleich mitgeliefert wird.

EBS MicroBass 3
Sogar Effekte mit stereophonem Ausgang können benutzt werden (Bild: Dieter Stork)

bis in rare extreme

Der Normalkanal liefert die solide Grundlage für den Basston, wofür zunächst die korrekte Aussteuerung wichtig ist; eine LED über dem Gain-Poti zeigt übermäßige Pegelspitzen an. Am Treble-Regler lässt sich das allgemeine Höhenspektrum mit etwas Edge-Betonung dosieren, wobei ein großer Einstellspielraum – sowohl für Anhebungen wie auch Dämpfungen – bereitsteht. Zusätzliche Aufhellung ist am Bright-Schalter abrufbar, was lediglich kurz vor Volldosierung am Treble-Knopf etwas hörbares Rauschen hinzufügt.

Zwischen 110 Hz und 5 kHz ist das semiparametrische Mittenband durchstimmbar, sodass man vom Dröhnbass bis zum markanten Saitenklick alle wichtigen Frequenzbereiche aufs Korn nehmen kann. Ungemein wuchtig geht schließlich der Bass-Regler zu Werke, sodass man bei starken Anhebungen durchaus die vorher noch unverzerrte Gain-Einstellung korrigieren muss. Und schließlich steht mit dem Charakter-Filter noch ein weiteres Mittel mit saftiger Basswirkung bereit, wobei diese Funktion eher nicht mit voll angehobenen Bässen kombiniert werden sollte.

Soviel zum weiten Einstellbereich des Clean Channels, der also extreme Klangwünsche bedienen kann. Auch der Compressor überzeugt mit guten Ergebnissen, wobei der Pegelrückgang je nach Dosierung recht gering ausfällt, dafür aber im Effekt-Einsatz kultiger Squash erzeugt wird.

Der Drive-Kanal wird grundsätzlich über den Fußschalter aktiviert, das Mischungsverhältnis mit dem unverzerrten Kanal am Blend-Poti eingestellt. Dabei ist die Verwaltung des EBS-Preamps klug genug, die Blend-Funktion sowohl im Parallel- wie im Serial-Mode zu erhalten.

EBS MicroBass 3
Die beiden Kanäle können wahlweise parallel oder hintereinander betrieben werden. (Bild: Dieter Stork)

Startet man mit der Drive-Dosierung in Lo-Schalterstellung, beginnt es klanglich mit zartem Crunch und lässt sich bis zur fetzigen Rock-Zerre hochdosieren. In der Hi-Einstellung geht es entsprechend Metal-mäßiger in die Säge, wobei die Verzerrung stets mit harmonischem Obertonverhalten punktet, wobei ja noch die Wahlmöglichkeiten Thin und Deep bereitstehen, die genau das tun, was ihr Name verspricht.

Neben dem Tone-Regler, bei dem es sich um eine Höhenblende handelt, die unerwünschte Obertonschärfe ausfiltern kann, ist die durchstimmbare Mid-Klangregelung enorm wirkungsvoll, wenn es darum geht, den Zerrcharakter auf einen bestimmten Frequenzbereich zu fokussieren, wobei hier neben aggressiv drahtigen oder knurrigen auch besonders bassige Verzerrungen möglich sind, die man sonst selten bekommt.

Und wo es hier ohnehin schon bis in die Extreme geht, bekommt man neben dem tight dosierbaren Parallel-Mix von sauberem Kanal und Drive-Abteilung noch den seriellen Modus geboten, mit dem sich nochmals variierte Klangergebnisse erzeugen lassen, ein Tipp: dazu einfach mal die wuchtigen Bässe des Clean-Kanals durch den Drive jagen …

resümee

Abgefahren, was der Pedal-Basspreamp von EBS zu bieten hat, und dabei ist keineswegs nur die besonders üppige Ausstattung gemeint. Vielmehr sind es die weiten Einstellbereiche bis in die Extreme, wo wirklich rare, eigenständige Klangbilder erzeugt werden können, die das gut durchdachte Zweikanal-Gerät auszeichnen. Besonders die bösen Jungs wird das ungemein variable Zerrpotential des MicroBass 3 anziehen, wobei natürlich auch alle anderen Nuancen des analogen Basstons hier angemessen gewürdigt werden, bis hin zur gepflegten Stereophonie, wenn entsprechende Effekte eingeschleift werden.

PLUS
• klangliche Variabilität, Drive-Charaktere, extreme Einstellmöglichkeiten
• Ausstattung, Durchdachtheit
• Anschlussmöglichkeiten, zwei symm. Ausgänge
MINUS
• Pegelrückgang bei starker Compressor-Dosierung

EBS MicroBass 3

(erschienen in Gitarre & Bass 07/2019)

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