Produkt: Mark Knopfler: Gear-Special
Mark Knopfler: Gear-Special
Alles über den Gitarristen, dessen Sound immer wieder als Meilenstein gefeiert wird: Mark Knopfler!
Kontrollgewinn

Test: Darkglass Microtubes 900v2

Darkglass Microtubes 900v2(Bild: Dieter Stork)

Wer sich die überarbeitete Version des 900er Darkglass zulegt, bekommt natürlich etwas dazu. Übersichtlichkeit und Dynamikkontrolle sind entscheidende Themen beim Version-Zwei-Topteil.

Souveräne Power war ja auch beim Vorgänger schon an Bord, ebenso die zuschaltbaren Kult-Zerren. Neu dabei ist die Möglichkeit, die Dynamik zu bearbeiten, und die Klangregelung ist jetzt als Graphic EQ ausgeführt, wo die Schieberstellungen auch gleich ein Bild des eingestellten Frequenzgangs vermitteln. Manche Anschlüsse sind beim v2 neu hinzugekommen, andere wurden verdoppelt – die Modellpflege ist hier also weitaus mehr als nur oberflächliches Facelifting.

Anzeige

Gut belichtet

Design dient im günstigsten Fall nicht nur dazu, ein Gerät cool aussehen zu lassen, sondern unterstützt auch eine sichere Bedienung. Wo beim Vorgänger die Vierband-Klangregelung mit Drehreglern noch im Zickzack-Parcours angelegt war, bieten jetzt sechs beleuchtete Schieberegler zweifellos bessere Übersicht.

Darkglass Microtubes 900v2
Auch im Bühnendunkel zeigt der Graphic EQ die eingestellten Sounds übersichtlich an. (Bild: Dieter Stork)

Zumal deren Leuchtfarbe auch zugleich die angewählte Zerrmaschine anzeigt: Blau steht für die eher Vintage-mäßige VMT-, Rot für die krassere B3K-Säge. Von der übrigen, vorher auch schon üppigen Ausstattung wurde die feine Einstellbarkeit der zuschaltbaren Verzerrer mit den Reglern Drive, Tone, Blend und Level übernommen, links und rechts vom Graphic EQ sitzen die Einsteller für Gain und Master. Dass auch die Anschluss-Sektion hier keinesfalls unterbelichtet ist, dafür sorgen nun zwei elektronisch symmetrierte Ausgänge für gleichzeitige (und Latenz-kompensierte) Abnahme vor und hinter dem EQ, zwei Speakon/Klinke-Kombibuchsen zur angemessenen Verteilung der Ausgangsleistung, ein Kopfhörerausgang mit eigenem Pegelsteller, Anschlussbuchsen für MIDI und USB, eine Miniklinke als Aux In, neu beschriftete Klinkenbuchsen für den abgeänderten seriellen Effekt-Einschleifweg sowie die Klinke für den mitgelieferten Intelligent Footswitch. Der kann nicht nur die Zerrabteilung einschalten, sondern bei Dauerdruck auf den Taster auch die Mute-Funktion aktivieren, was jeweils durch kleine LEDs angezeigt wird. Interessante Details erweitern die Einsatzmöglichkeiten vor allem für Kopfhörerbetrieb und Recording, wo nun außer dem Cleansound drei verschiedene Boxen-Simulationen wählbar sind. Per USB-Anschluss können diese mithilfe der Darkglass-Suite variiert und geladen werden, der MIDI-Anschluss erlaubt zudem die Steuerung diverser Amp-Funktionen wie Zerrer-Anwahl, Compressor-Aktivierung und Regler-Parameter.

Offensiv-Praktiker

Der eingebaute Lüfter ist bedarfsgesteuert und arbeitet nur dann mit höherer Drehzahl, wenn das aufgrund entsprechender Leistungsanforderung wirklich gebraucht wird. Im stillen Recording-Studio wird sein mildes Grundgeräusch nicht stören, allerdings ist das klassische Abmiken der Lautsprecher hier eigentlich auch gar nicht nötig, weil die wählbaren Cab-Simulationen realistische Alternativen am Post-DI-Output anbieten. Auch ein alter Schwachpunkt wurde ausgebügelt, sodass das symmetrische Post-DI-Signal jetzt nicht mehr pegelabhängig von der Master-Einstellung ist und dennoch Zerr-Sounds, EQ-Einstellungen und eingeschleifte Effekte rüberbringt.

Darkglass Microtubes 900v2
Der mitgelieferte Fußschalter bedient mit einem Taster zwei Funktionen. (Bild: Dieter Stork)

Beim neuen Sechsband-EQ sind die äußeren Bereiche als Kuhschwanzfilter ausgelegt, sodass man allein mit den beiden Schiebern für Bässe und Höhen bereits ziemlich umfassende Klangveränderungen tätigen kann. Die vier übrigen Bandpassfilter stehen somit für feinfühlige und auch extremere Nuancen des Durchsetzungscharakters bereit, von offensiver Growl-Nase über klingelnde Brit-Präsenzen bis zur wuchtigen Badewanne. Erst bei voller Dosis der höheren Einsteller kommt auch etwas hörbares Rauschen hinzu; geht man davon aus, dass dieses Basstop eher offensiv eingestellte Player ansprechen soll, spielt dies allerdings keine wichtige Rolle, da das Grundgeräuschniveau bei eingeschaltetem Microtubes-Verzerrer ohnehin größer ist. Wie gehabt, repräsentiert die VMT-Variante einen zupackend rockigen Verzerrungscharakter mit starken Mitten, während der B3K genau diese vorwitzigen Mitten herausfiltert und mit Metal-mäßiger Säge punktet.

Der neu hinzugekommene Compressor überzeugt mit wirksam fetter Tonverdichtung. Die sowohl im Clean- wie auch im Zerrbetrieb zusätzlichen Schub beschert. Dabei ist das Einknopf-Aggregat praxisgerecht ausgelegt, wobei automatisch der Pegel mit zunehmender Kompression ausgeglichen und leicht angehoben wird, sodass man auch mitten im Spiel den Comp-Regler aufdrehen kann, ohne dass weitere Pegelkorrekturen nötig sind. Attraktiv – insbesondere fürs Recording – sind die wählbaren Boxenklang-Simulationen, die in allen drei geladenen Varianten für wirksame Anfettung und voluminöse Tragkraft sorgen.

Darkglass Microtubes 900v2
Erheblich aufgerüstet wurden die Anschluss-Möglichkeiten. (Bild: Dieter Stork)

Sie wirken auch auf den Kopfhörer-Ausgang, was beim Üben eine realistischere Live-Stimmung erzeugt. Und für den echten Live-Einsatz kann die kräftige Endstufe des 900v2 ihre Nennleistung nicht nur wie üblich an 4 Ohm abliefern, sondern kann auf 2 Ohm umgeschaltet werden, was größere Boxen-Setups möglich macht. Zur besseren Verteilung der Power hat Darkglass auch hier nachgerüstet und eine zweite Speakon/Klinke-Kombibuchse hinzugefügt.

Resümee

Gegenüber seinem ohnehin schon eindrucksvollen Vorgänger legt der Darkglass 900v2 in praktisch jeder Hinsicht noch ordentlich was drauf. Die bessere Übersichtlichkeit der Klangregelung ist offensichtlich, auch der hinzugekommene Compressor vervollständigt die Möglichkeiten. Doch vor allem die Anschluss-Situation wurde enorm erweitert, sodass jetzt zwei symmetrische DI-Ausgänge, zwei Lautsprecheranschlüsse, ein sinnvoll platzierter Einschleifweg sowie MIDI-Steuerungsmöglichkeiten und ein USB-Zugang vorhanden sind. Das üppige Basstop bietet jetzt auch mit Kopfhörer plus Aux In für Playbacks erhöhten Nutzwert, wobei die abrufbaren Speaker-Simulationen auch fürs Recording attraktiv sind.

Plus

  • Wiedergabeverhalten, Leistungsvermögen
  • Ausstattung
  • Zerr-Sounds, Variabilität
  • Übersichtlichkeit EQ
  • Boxen-Simulationen

Minus

  • Rauschen bei Extremeinstellungen

Darkglass Microtubes 900v2 Übersicht


(erschienen in Gitarre & Bass 09/2019)

Produkt: Robert Cray Special
Robert Cray Special
Alles über Robert Cray, Godfather des Blues, auf mehr als 30 Seiten im großen Story und Gear Special.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Das könnte dich auch interessieren