Physik-Unterricht

Test: Darkglass Microtubes 500 & DG210C & DG410C

Darkglass Microtubes 500 & DG210C & DG410C

Als wir genau vor einem Jahr das große 900er Top vorstellten, war die passende 1000-Watt-Box dazu noch nicht fertig. Jetzt kommt sie zusammen mit dem 500-Watt-Verstärker und dem kleinen Boxenmodell auf den Markt.

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Natürlich darf man die große Box auch mit dem kleineren Top fahren, der Bequemlichkeit wäre es jedoch dienlicher für den Microtubes 500 die handlichere 2×10″-Box zu wählen. Zumal sich die Sache ja mit einer zweiten DG210C gegebenenfalls erweitern ließe. Doch lassen wir die Leute selbst entscheiden und stellen alle drei Neuheiten gemeinsam in einem Test vor.

Microtubes 500

Bei reduzierter, doch immer noch reichlicher Ausgangsleistung bietet der Microtubes 500 das meiste von der üppigen Ausstattung des großen 900er-Modells. Dabei wurde dessen Zickzack-Kurs der Bedienelemente auf der Frontseite insofern übersichtlicher gemacht, als dass der 500er nun wie ein Zweikanal-Amp wirkt – was er ja durch die Umschaltbarkeit zwischen Cleansound und Zerre im Grunde auch ist. Die winzig ausgeführte Beschriftung ist zwar vom Design her gut gelungen, ist aber, besonders bei schlechten Lichtverhältnissen, nur suboptimal ablesbar.

Darkglass Microtubes 500
FOTO: Dieter Stork
Wer die Beschriftungen auch unter wenig günstigen Bedingungen lesen will, braucht gute Augen

In der oberen Potireihe liegen die Einsteller für die grundsätzliche Klangbearbeitung: Gain, Bass, Low Mids, Hi Mids und Treble. Nur das Angebot an wählbaren Centerfrequenzen für die beiden Mittenregler wurde von drei auf zwei reduziert. Wie beim großen Bruder ist aber auch hier die Empfindlichkeit des Klinkeneingangs umschaltbar und die Ausgänge lassen sich per Mute-Taste stummschalten.

In der unteren Reihe findet man die Einsteller für den verzerrten Modus, wobei die Schaltung der erfolgreichen Zerrerpedale VMT und B3K per Drucktaste umschaltbar zum Einsatz kommen. Die Regler Drive, Tone, Level und Blend bieten sehr feinfühlige Einstelloptionen, natürlich ist der letzte Regler in der Reihe, Master, für die allgemeine Ausgangslautstärke des Class-D-Tops zuständig. Eine besondere Bewandtnis hat es mit der Footswitch-Buchse, für die ein „intelligenter“ Einknopf-Fußschalter sowohl die Zerrabteilung wie auch die Mute-Funktion fernbedienbar macht. Leider muss dieser Schalter extra gekauft werden und kann nicht durch ein einfaches Modell ersetzt werden.

Von hinten gibt sich der Microtubes 500 übersichtlich, auch wenn hier wieder die stylisch-feine Schrift selbst scharfes Augenlicht herausfordert. An zwei Klinken können Effekte hinter dem EQ seriell eingeschleift werden, der elektronisch symmetrierte DI-Ausgang zweigt das Signal wahlweise vor oder hinter Verzerrer, EQ und Effektweg ab. Schade eigentlich, dass in der Pre-EQ-Einstellung nicht wenigstens der Microtubes-Verzerrer dabei ist, schließlich ist er ja grundsätzlich für die Performance bedeutend.

Darkglass Microtubes 500 & DG210C & DG410C
FOTO: Dieter Stork

Einen anderen Schwachpunkt des 900ers hat man beim kleinen Bruder behoben, jetzt übt der Master-Regler auch in der Post-Einstellung keinen Einfluss auf den DI-Out aus. Der Ground-Lift-Schalter macht übrigens eher das Gegenteil von dem, was die Beschriftung einem suggeriert: Bei gedrücktem Schaltknopf ist eine Erdung des abgehenden Kabels vorhanden. Für die Lautsprecher ist eine Kombibuchse zuständig, bei der man wahlweise Klinke oder Speakon verwenden kann, zusätzlich besitzt der Darkglass eine Stereoklinke für den Kopfhörer-Betrieb.

DG210C & DG410C

Natürlich ist es angenehm, dass heutzutage ein starker Bass-Amp nicht mehr zwei Leute zum Verladen braucht. Auch kompakte Leichtbau-Boxen sind in dieser Hinsicht ein Segen. Aber an das letzte Thema geht Darkglass eher klassisch heran, dafür sind die 38 Kilogramm der 4×10-Box ein deutliches Signal. Allerdings ist das gewichtige Sprachorgan auch mit 1000 Watt belastbar und nutzt mit 4 Ohm die Leistungsfähigkeit des angeschlossenen Amps voll aus. Vier Eminence-Zehnzöller mit riesigen Keramik-Magneten plus Hochtonhorn mit großem Magnet tragen zwangsläufig zum unmodischen Gewicht bei, welches man der Box jedoch bei entsprechend schubstarker Performance durchaus verzeihen könnte.

Darkglass Microtubes 500 & DG210C & DG410C
FOTO: Dieter Stork
Die Eminence-Zehnzöller besitzen mächtige Keramik-Magnete.

Dabei ist das Gehäuse schon gewichtssparend aus 12 mm Sperrholz gebaut, wobei zusätzliche innere Versteifungen unerwünschtes Mitschwingen der Gehäusewände dämpfen. Gegen den Kistenklang wirken zudem dicke Mineralfasermatten. Bestückt ist das erwachsene 4×10″-Aggregat mit zwei großen Metall-Griffschalen, Stahl-Eckenschonern rundum und fetten Gummifüßen. Die Speaker-Front wird durch einen aufgekletteten Stoffbezug geschützt. Und der stahlfarben schimmernde Tolex-Bezug ist eine überzeugende Abwechslung zum sonst oft biederen Schwarz und passt sofort gut zu schweren Musikrichtungen – zu denen ja auch der zerrkompetente Microtubes-Amp einlädt.

Die kleinere 23-Kilo-Box baut weniger tief und wirkt dadurch zusätzlich kompakter; doch die Optik täuscht, tatsächlich steht beiden Zehnzöllern ziemlich genau das halbe Bassreflex-Volumen des Viererpacks in der großen Box zur Verfügung. Auch hier ist ein großes Hochtonhorn vorhanden, bei beiden Boxenmodellen per L-Regler stufenlos im Pegel einstellbar. Zwei Speakon/Klinke-Kombibuchsen sind vorhanden, bei der DG210C beträgt die Anschlussimpedanz 8 Ohm. Nützlich sind hier die vier zusätzlichen Gummifüße auf der Seite, damit die Box auf kleinen Bühnen auch hochkant aufgestellt werden kann.

Hubraum macht stark

Wie der Hersteller richtig feststellt, werden die Lautsprecherboxen heute mitunter stiefmütterlich behandelt, dabei nehmen sie doch eine sehr wichtige Rolle beim physikalischen Erleben eines Basstons ein. Kurzum: Statt auf bequem zu transportierende Kleinlautsprecher, setzt Darkglass auf klassische Konzepte mit großem Bassreflexvolumen und auf leistungsfähige Speaker mit starken Magneten – damit man den Bass nicht nur hören, sondern auch fühlen kann.

Und da erzeugt bereits die kleinere 2×10″-Box den gewünschten Aha-Effekt mit druckvollem Bass, grollend intensiven Mitten und klarer Höhenzeichnung. Mit dem 500-Watt-Top erreicht die DG210C spielend Band-taugliche Pegel und zeichnet sich durch ihren festen Ton aus, der sich nicht so leicht in die Knie zwingen lässt – aber dort spürbar ist. Gerade in Anbetracht der Zerrmöglichkeiten des Amps ist es günstig, dass man die Wiedergabe des Hochtonhorns stufenlos regulieren kann, um bei höheren Zerrgraden mit aggressiver Oberton-Entwicklung das harmonische Klangbild zu wahren.

Darkglass Microtubes 500 & DG210C & DG410C
FOTO: Dieter Stork
Gerade für homogene Zerr-Sounds ist es sinnvoll, dass der Hochtonpegel stufenlos regulierbar ist.

Wo schon die kleinere Box einen schönen Druckbauch aufweist, fällt dieser bei der DG410C nochmals deutlich fülliger aus, ohne die klaren Brillanzen zu überdecken. Wo man sich heute schon an erstaunliche Bassleistungen von kompakten Boxen gewöhnt hat, liefert das erwachsene 4×10″-Aggregat satten Punch-Druck und fetten Growl mühelos im Übermaß, was nicht nur im Clean-Betrieb viel Spaß macht, sondern gerade den starken Microtubes-Zerrvarianten grundsoliden Boden und massive Durchsetzungskraft beschert.

Beim üppig ausgestatteten 500er-Top bemerkt man klanglich fast keinen Unterschied zum großen Bruder, zumal die starken Boxen die Verstärkerleistung sehr wirksam in Schalldruck umsetzen. Mitunter ist eben die Leistungsfähigkeit der Bassboxen wichtiger als nur die Ausgangsleistung des Verstärkers.

Resümee

Stand-Alone gegen ein kleinteiligeres Kombinations-System – man kann entweder eine schwere, aber sehr leistungsfähige 4×10″-Box als einzige Lösung wählen oder mit der leichteren 2×10″-Variante nur das Nötige zum jeweiligen Gig mitnehmen (und gegebenenfalls mit einer zweiten 2×10 zur großen Anlage aufblasen). Beide Boxenmodelle sind belastbarkeitsmäßig sowohl für den großen Microtubes 900, als auch für den Microtubes 500 nutzbar, man muss sich nur entscheiden, ob man einmal 38, oder ein- bis zweimal 23 Kilo anpacken möchte.

Im Klangverhalten ergeben sich natürlich Unterschiede zwischen einer DG410C und der schmaleren Bestückung einer DG210C, die sich aber ebenso natürlich egalisieren, wenn eine zweite 2×10 hinzugefügt wird. Wie sein großer Bruder zeigt auch der 500-Watt-Amp durch ausgezeichnete Cleansounds und die facettenstarke Zerrabteilung vielseitige Einsatzmöglichkeiten auf, die ihn zum echten Allround-Könner machen, der nicht nur Metal-Fans begeistern kann. [2926]

Darkglass Microtubes 500 & DG210C & DG410C
Darkglass Microtubes 500 & DG210C & DG410C
Darkglass Microtubes 500 & DG210C & DG410C

(erschienen in Gitarre & Bass 12/2017)

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