Drop-Drache

Test: Cyan „The Ultimate“ Rhythm Guitar Green Dragon

Cyan The Ultimate Rythm Guitar Green Dragon
(Bild: Dieter Stork)

Zusammen mit dem erfolgreichen schwedischen Metal-Produzenten Jens Bogren hat Cyan Guitars‘ Mastermind Thomas Harm eine Gitarre entwickelt, die den hohen Anforderungen Bogrens an eine Studio-Rhythmusgitarre standhalten, gleichzeitig aber auch ein breites Klangspektrum bei simpelster Bedienbarkeit bietet und Drop-D bis -H Tunings problemlos meistern sollte.

Angesichts der Kundenliste und Diskografie des Schweden muss der 38-Jährige ein Workaholic sein. Sein 2001 gegründetes Fascination Street Studio in Örebro und sein Studio Gröndahl in Stockholm zählen nämlich im Metal-Genre auch international zu den Top-Adressen.

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Nachdem Bogren es Leid war, dass die meisten Gitarristen mit für seine Ohren unzulänglichen Instrumenten bei ihm aufschlugen, reifte die Idee zu einer Zusammenarbeit mit dem Hamburger Thomas Harm und dessen Firma Cyan Guitars. Der Plan: Die Gitarre sollte Qualitäten besitzen, die die Musiker davon überzeugten, freiwillig ihre Lieblingsgitarren am Studioeingang abzugeben. Am meisten zu kämpfen hatte Bogren mit weit ausschwingenden tiefer gestimmten Saiten auf 648-mm-Mensuren, die ständig zu Tuning-Problemen führen. Wer kennt nicht die weit hin und her ausschlagende Anzeige eines elektronischen Tuners beim Stimmen von E6- oder A5-Saiten, die je nach Anschlagsintensität auch noch variiert?

Hinzu kommt, dass sich die wenigsten Musiker kurzfristig an echte Bariton-Mensuren gewöhnen können. Gut vorstellbar also, welch enorme Entwicklungsarbeit dieses schwedisch-deutsche Produkt erforderte. Da Thomas Harm ein großer Fan des Kemper Profiling Amps ist, hat er die Cyan Green Dragon u. a. auch auf selbigen abgestimmt, um der eierlegenden Wollmilchsau ein optimales Signal zu liefern.

zutaten

Inzwischen lassen Cyan-Gitarren in puncto Design Thomas Harms Handschrift erkennen. Hierzu zählen Single und Double-Cutway-Bodies, die Kopfplatten mit 3/3-Anordnung, die Deckenkonturen mit breit angelegten Hohlkehlen, Facetten und Rippenschonern, sowie die ergonomisch fließend gestalteten Halsübergänge. Dies alles kommt nicht nur der Optik, sondern vor allem dem Spiel- und Tragekomfort zugute.

Der Mahagoni-Body unserer Testgitarre besitzt ein olivgrünes, dezent strukturiertes, mattes Metallic-Finish aus gehärtetem Nitroverbundlack. Alternativ ist auch Silbergrau erhältlich. Über einen Göldo-Deluxe-Buchsentopf, der in die Zarge eingelassen und verschraubt wurde, nimmt das Gitarrenkabel Kontakt zur Elektrik auf, deren Kammerwände penibel mit Kupferfolie ausgekleidet wurden, die man wiederum mit der Instrumentenmasse verlötet hat. Selbstverständlich besitzt die Folie auch Kontakt zum Aluminiumdeckel, welcher u. a. auch die Namen der beteiligten Entwickler trägt. Anstelle von schlichten Holzschrauben verwendet Thomas Harm Gewindeeinsätze und M3-Edelstahlschrauben.

Im E-Fach trifft man auf spartanische aber vorbildliche Verdrahtung der beteiligten Komponenten: Leichtgängige 500k Bourns-Potis, TAD Öl-Kondensator sowie ein Freeway Toggle Switch, der sechs verschiedene Konstellationen der Spulen anwählt. Nützliches Gimmick für dunkle Umgebungen: Als Markierungen für die Poti-Settings hat Thomas Harm kleine fluoreszierende Dots in die Decke eingelassen.

Für die sichere Befestigung des Gurtes sorgen zwei Duesenberg Multi-Lock Gurtpins. Der Spruch „Ein schöner Rücken kann auch entzücken“ trifft auf diesen aus drei Ovangkol-Streifen und zwei Ahorn-Layern gesperrten Hals unbestritten zu. Das Holz ist eine echte Augenweide! Der Halsfuß ragt bis zur Vorderkante der Steg-Pickup-Fräsung, optimale Schwingungsübertragung ist somit garantiert. Übrigens wurde der Hals nach dem Lackieren bzw. Wachsen mit dem Korpus verklebt und nicht verleimt, da Holzleim nicht in die verschlossenen Poren hätte eindringen können.

Cyan The Ultimate Rythm Guitar Green Dragon
Auch die Sidedots leuchten im Dunkeln (Bild: Dieter Stork)

Die Oberflächen besitzen eine überaus angenehme Haptik – nicht so spiegelglatt und mitunter klebrig wie konventionelle Lacke, aber wiederum glatter als Satin Finish. Das mit einem Radius von 16″ recht flache Ebenholzgriffbrett trägt 24 exzellent bearbeitete Jescar-Edelstahlbünde, während Aluminium-Ringe und fluoreszierende Sidedots die Orientierung erleichtern.

Eine weitere Besonderheit der „Ultimate“ stellt der optimal abgerichtete austauschbare GraphTech-Sattel dar. Sollten nämlich während einer Studio-Session je nach Tuning kurzfristig die Saitenstärken auf 10-46, 10-52 oder 11-56 gewechselt werden müssen, stehen entsprechend gekerbte Austauschsättel zur Verfügung, die sich leicht mit einem Fingernagel aus der passgenauen Aufnahme hebeln lassen. Diese Option bietet Cyan für ca. € 60 Aufpreis an.

Die rückwärtig geneigte Kopfplatte mit angesetzten Flügeln, Ebenholz-Frontfurnier und stabilisierendem Kragen trägt sechs präzise und smooth arbeitende Hipshot Grip-Lock Open 18:1 Tuner. Auf eine Trussrod-Abdeckung wurde praktischerweise verzichtet, damit der Double-Action-Stahlstab bei Bedarf direkt zugänglich ist. Als Steg findet ein Gotoh 510UB Verwendung, der in die Decke eingelassen wurde und von zwei höhenjustierbaren Bolzen getragen wird. Nach dem Strings-thrubody-Prinzip hält ein massiver Aluminiumblock auf der Korpusrückseite die Endringe der Saiten.

Cyan The Ultimate Rythm Guitar Green Dragon
Auch als Wrap-Around nutzbar: Gotoh 510UB Bridge (Bild: Dieter Stork)

Nach endlosen Versuchen und Ärger mit Zulieferern stellt Thomas Harm nun u. a. auch eigene Tonabnehmer her. So kommen hier ein Cyan Custom Dragon in der Halsposition und ein Dinosaur am Steg zum Einsatz, die speziell auf die Ultimate Rhythm Guitar abgestimmt wurden, um ihr möglichst klare, präzise Klänge – frei von Interferenzen und Mulm – zu entlocken. Während der Dragon-Hals-Humbucker in dem kunstvoll gefrästen Alu-Pickguard Halt findet, haust der Dinosaur in einem separaten Alurahmen, der mittels M3-Gewindeschrauben montiert wurde.

Zum Aufpreis von € 150 pro Pickup bietet Cyan Guitars ein Schnellwechselsystem inklusive speziellem Rähmchen und handgefertigtem Tool an, mit dessen Hilfe sich jeder Pickup über eine verpolungssichere Steckverbindung in weniger als einer Minute austauschen lässt. Dieses Feature benutzt Jens Bogren extensiv, da er auf diese Weise stets zu seinen Amps die optimalen Pickups auswählen kann.

Die Cyan-Humbucker werden per Volume, Tone und dem Freeway Toggle Switch kontrolliert, der neben der gewohnten Verschaltung der Humbucker in der unteren Ebene auch entsprechende Singlecoil-Optionen in der oberen ermöglicht, bei denen die einander zugewandten Spulen von Steg- und Hals-Humbucker verstummen.

>>> Den vollständigen Testbericht findet ihr in der aktuellen Ausgabe Gitarre & Bass <<<

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