Produkt: Jack Bruce 1943 – 2014
Jack Bruce 1943 – 2014
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Selbstläufer

Test: Cort Artisan A5 Plus SCMS

Cort Artisan A5 Plus(Bild: Petia Chtarkova)

Singlecuts sind oft die Luxus-Karossen im Modellprogramm, hohe Tonkultur hat allerdings auch ihren Preis. Und Multiscale-Ausführungen sind nochmals hochgezüchtet, wo die tiefen Saiten zwecks strammerer Artikulation eine längere Mensur als die hohen aufweisen. Cort bekommt das im angemessenen Nobel-Outfit für einen dreistelligen Ladenpreis hin.

In der Modellbezeichnung stecken schon einige Features drin: SC steht für Single Cut, MS für Multi Scale. Dass auf dem Instrument selbst SCFF steht, sollte nicht weiter irritieren; offenbar ist der Hersteller vom Begriff Fanned Frets ausgegangen – was am Ende ja auf Multi Scale herausläuft. Es ist bemerkenswert, in welch glaubhafter Edelbassmanier der Hersteller diesen unglaublich günstigen Fivestring-Multiscale-Singlecut abliefert. Doch alles stimmt: Feine Zutaten sind mit hohem Konstruktionsaufwand verbaut, was nicht nur teure Optik erzeugt, sondern auch klanglich liefert. Hammerbass!

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Cort Artisan A5 Plus(Bild: Petia Chtarkova)

alle register

Für gesteigerte Sustain-Ansprüche ist ein durchgehender Hals angesagt, hier fünfstreifig aus Ahorn und dunklem Panga-Panga. Das Singlecut-Design versteift zudem das Instrument gegen kraftzehrende Biegeschwingungen, das obere Korpusohr vereint sich in diesem Fall ab Mitte der 13. Lage mit dem Hals. Im Panga-Panga-Griffbrett sitzen 24 gefächerte Jumbobünde, etwaige Bundschlitze werden in Nobelmanier durch ein Echtholz-Binding verdeckt.

Leichte Sumpfesche bildet die Basis für die seitlich angeleimten Korpusflügel; mit dreilagigem Zwischenleimer sitzen wild gemusterte Deckenteile aus Ahornknolle darauf, deren spektakuläre Zeichnung durch mehrfarbige Vorbehandlung besonders hervortritt. Holzmäßig zieht der aufwendig gebaute Fünfsaiter aus Indonesien alle Register, bis hin zum Matching Headstock mit Maserknollen-Front. Und auch die Mattchrom-Hardware spielt auf angemessenem Niveau; für die notwendige Staffelung beim Steg bieten sich separate Monorails an, natürlich dreidimensional justierbar.

Cort Artisan A5 Plus
Hier wird sogar ein Holzbinding ums Griffbrett geboten. (Bild: Petia Chtarkova)

Auf der abgewinkelten Kopfplatte arbeiten präzise Hipshot-Tuner, deren Mechanik mit schwarzen Drehflügeln kombiniert ist. Zwei Mk1-Humbucker von Bartolini sind für die Tonabnahme zuständig und in korrekter Schräglage passend zur Multi-Mensur montiert. Zur Mischung der Pickupsignale ist ein Überblender vorhanden, damit man am Master-Volume schnellen Zugriff auf den Gesamtpegel hat. Per Kippschalter kann eine aktive Dreiband-Klangregelung zugeschaltet werden.

Cort Artisan A5 Plus
Auch die Ausstattung ist von namhafter Qualität. (Bild: Petia Chtarkova)

kraft und komfort

Die Bundschrägung sieht dramatischer aus, als sie sich anfühlt: Man kann sogar einfach die Spreizung ignorieren und greift trotzdem nur selten daneben. Dabei ist die Spreizung zwischen 863,6 mm Longscale beim G und 901,7 mm für das tiefe H durchaus drastisch und entsprechend wirkungsvoll für das Schwingungsverhalten; da lohnt es, sich auf angepasste Spielweise einzustellen. Dass man trotz der extralangen Mensur der H-Saite fürs Spiel in tiefsten Lagen den Arm nicht weit ausstrecken muss, sichert zusammen mit der ausgewogenen Balance des nur 3,9 Kilo leichten Fünfsaiters komfortable Voraussetzungen.

Cort Artisan A5 Plus(Bild: Petia Chtarkova)

Klar, dass hier die extralange H-Saite auch besonders definiert schwingt und auch mit wuchtiger Bassmacht nicht der Draht im Ton auf der Strecke bleibt, was natürlich für die verlängerten Mensuren unterhalb der G-Saite insgesamt gilt. Neben der Multimensur-Bauweise tut der durchgehende Hals das Seine und stattet den Fivestring mit schnurrendem Sustain aus. Für die Qualität von Konstruktion, Hölzern und Ausstattung spricht auch der angriffslustige Growl, mit dem der Artisan zu Werke geht.

Cort Artisan A5 Plus
Durchgehender Fünfstreifen-Hals und Sumpfesche-Korpusteile (Bild: Petia Chtarkova)

Die Bartolini-Soapbars erfassen mit kraftvoller Tendenz alle Feinheiten und arbeiten perfekt mit der aktiven Klangregelung zusammen, wo von saftigem Bassdruck über grollende Tiefmitten bis zur unverfärbten Klarheit rundum praxisgerechte Sounds abrufbar sind. Bei aller Power wird der Edelbass allerdings ein wenig auch Opfer seiner komfortablen Auslegung, sprich: der engen Saitenabstände. Die lassen sich am Steg zwar noch ein klein wenig weiter einstellen, am Ende bleibt es jedoch dabei, dass dies eher ein Fünfsaiter für spitze Finger ist und man die volle Anschlagskraft eher bei breiter ausgelegten Instrumenten auf die Saiten bekommt.

Cort Artisan A5 Plus(Bild: Petia Chtarkova)

resümee

Was der SCMS-Artisan an noblen Details bietet, ist für den Preis beinahe unglaublich, aber wahr: Tatsächlich ist seine aufwendige Konstruktion mit besten Materialien ausgeführt, wobei auch die wertige Ausstattung zu den starken Klangergebnissen beiträgt. In einem Punkt ist seine Komfortbauweise ein wenig aus der Mode, die heutzutage eindeutig auf weitere Saitenabstände setzt; beim Cort lassen sich am Steg nur wenig mehr als 16 mm justieren, und wer damit klarkommt, darf sich auf ein echtes Edelbass-Schnäppchen freuen!

PLUS
• Klangverhalten, kraftvolle Definition
• Spielkomfort
• Hölzer, Konstruktion
• Verarbeitung
• Ausstattung
MINUS
• enge Saitenabstände

Cort Artisan A5 Plus

(erschienen in Gitarre & Bass 12/2018)

Produkt: Gitarre & Bass 2/2019
Gitarre & Bass 2/2019
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