Produkt: Gitarre & Bass 5/2019
Gitarre & Bass 5/2019
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Alles in einem

Test: Blackstar Unity Bass U250 & U500

Blackstar Unity Bass
(Bild: Dieter Stork)

Was diese Midsize-Bass-Combos versprechen, ist viel, sogar sehr viel. Mit möglichst einfacher Bedienung und transportfreundlichen Abmessungen soll enorme Wandelbarkeit des Klangs realisiert werden, inklusive der nützlichsten Effekte. Auf Wunsch sogar mit dem Reaktionsverhalten geschätzter Röhrentypen.

Wären bei Blackstar nicht so erfahrene Amp-Spezialisten, könnte man das alles als reines Marketing-Getöse abtun, man bekommt ja nicht zum ersten Mal das Blaue vom Himmel versprochen. Zumal es sich um ziemlich preisgünstige Geräte handelt. Doch schon bei der rein optischen Begutachtung wirken die beiden üppig ausgestatteten Bass-Combos mit 250 und 500 Watt verblüffend seriös und vertrauenerweckend. Man darf gespannt sein, wie die Unity-Combos ihre Klangversprechen einlösen.

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Und die erste Überraschung ist bereits dadurch gelungen, dass beide Modelle auf Hochtöner verzichten: Im Bassreflexabteil des U250 arbeitet nur ein Fünfzehnzöller, im U500 sitzen zwei Zehner, die Speaker sind von Eminence für die Unity-Combos angefertigt und mit großen Ferrit-Magneten ausgestattet. Das sieht schon nach ziemlich rockiger Ausrichtung aus.

Andererseits: Schon in der Vorstufe, direkt hinter dem empfindlichkeitsumschaltbaren Klinkeneingang und dem Gain-Regler, bietet ein dreistufiger Kippschalter die Auswahl zwischen Classic, Modern und Flat, was ja eine ziemliche Bandbreite ausmacht, die wiedergabeseitig ohne Hochtöner gemeistert werden will. Und das auch noch mit heißer Fetzigkeit, für die Wirkung des Drive-Reglers stehen Overdrive, Distortion und Fuzz zur Auswahl. Der mitgelieferte Fußschalter macht die Drive-Abteilung auch während des Spiels abrufbar.

Für die individuelle Klangformung steht eine dreibandige Klangregelung bereit, deren Mittenband eine stufenlos durchstimmbare Centerfrequenz besitzt. Um das dynamische Verhalten der Wiedergabe zu beeinflussen, ist ein dreistufiger Drehschalter vorhanden, der außer der Linear-Stellung das verdichtende Kompressionsverhalten von 6L6-Endröhren oder die wuchtige Dynamik einer 6550- Endstufe imitieren soll, auch ein stufenlos einstellbarer Kompressor ist zuschaltbar. Des Weiteren können die Effekt-Presets Chorus oder Octaver angewählt werden, Abteilung B des Fußschalters macht den gewählten Effekt ohne Spielunterbrechung abrufbar, die Effektwirkung kann an separaten Reglern auf der Rückseite des Ampchassis voreingestellt werden. Der Master-Regler schließt die Signalkette auf der Oberseite ab.

Blackstar Unity Bass
Drive-Abteilung und Response-Schalter sind vor allem für fetzige Sounds interessant. (Bild: Dieter Stork)

Für externe Effekte steht auf der Rückseite ein serieller Einschleifweg bereit; diese werden hinter EQ und Compressor, aber noch vor den eingebauten Effekten und dem Master eingefügt. Mit eigenem Pegelsteller, Ground-Lift-Schalter und wählbarem Abgriff vor oder hinter den Bearbeitungsstufen ist der elektronisch symmetrierte Line Out ausgestattet; zwar ergibt sich ein gehöriger Pegelunterschied bei der Umschaltung des Abgriffs, aber es steht ja ggf. der Pegelsteller zum Ausgleich bereit. Der ist zugleich auch für den Kopfhörerausgang zuständig, während die Lautsprecherwiedergabe nicht abgeschaltet wird und bei Bedarf am Master stummgedreht werden kann.

Zur opulenten Ausstattung der Unity-Bass-Combos gehört zudem ein USB-Anschluss für digitales Recording, außerdem können Playbacks an einer Miniklinke eingespielt werden.

U250 und U500 sind identisch ausgerüstet, nur das Leistungsvermögen der ClassD-Endstufen ist verschieden. Dabei wird übrigens die volle Nennleistung an die eingebauten Speaker abgegeben, trotzdem können die Combos auch Zusatzlautsprecher speisen. Das geschieht allerdings nicht durch die Endstufe, sondern per XLR-Anschluss mit dem Vorstufenpegel – die Unity-Erweiterungsbox arbeitet aktiv mit eigener 250-Watt-Endstufe.

Blackstar Unity Bass
Klassische Speaker arbeiten in ungedämpfter Bassreflexkammer (Bild: Dieter Stork)

abrocken

Unter dem geschmackvoll ausgewählten Kunstlederbezug versteckt sich schlichte MDF von 15 mm Dicke. Eine gewisse innere Stabilisierung gewährt das abgetrennte Verstärkerabteil, außerdem schützen Metallschoner alle Ecken. Klassische Optik wird durch den abnehmbaren Frontrahmen mit der Nylonbespannung unterstützt, klassischer Sound durch den Verzicht auf jedwedes Dämpfungsmaterial in der Bassreflexkammer.

Keine Dämpfung, aber voller Dampf – so kann man den Charakter der beiden Blackstar-Combos beschreiben, denn die rockige Vorahnung erfüllt sich kompromissloser als erwartet. Von cleaner Offenheit kann hier nämlich auch bei neutralster Einstellung nicht ganz die Rede sein, grundsätzlich agieren die Unity-Bass-Combos auf Basis von reichlich Eigenklang – der sich in seiner wuchtigen, röhrenden Art vor allem für bösere Musikstile anbietet. Dazu passt perfekt die zuschaltbare Drive-Abteilung, wo der Zerrcharakter von Overdrive bis Fuzz vor allem durch Filterung der Obertöne variiert wird, einfach, aber wirkungsvoll.

Durch die überdeutliche Grundprägung müssen nun allerdings einige Begriffe geklärt werden, um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen. Denn „Flat“ ist hier eben nicht neutral, sondern ziemlich satt, „Modern“ mit reichlich Tiefmitten und fettem Bass aufgepumpt, „Classic“ mit der knochigen Mittenausprägung und zurückhaltenden Tiefen am Ende die schlankste Grundeinstellung. Auch wenn die gewählten Begriffe hier nicht jedem einleuchten werden, irgendwie muss man ja die Klangvarianten benennen. Der EQ mit den durchstimmbaren Mitten liefert am wenigsten Erklärungsbedarf und macht ebenso sauber wie musikalisch sinnvoll genau das, was er machen soll. Verblüffend auch, wie wirkungsvoll angehobene Treble-Frequenzen aus den Fullrange-Speakern ertönen.

Sehr gelungen ist die Response-Wahl, wo man in der 6L6-Einstellung tatsächlich das Plus an fundamentaler Breite mit der seidigen Kompression im Bassman-100-Stil geboten bekommt, auch die 6550-Einstellung überzeugt und bildet die gnadenlose Druckdynamik einer fetten Röhrenendstufe glaubhaft ab. Und hier ist die Linear-Einstellung auch tatsächlich von hörbar trockener Neutralität geprägt. Eher auf die individuelle Verdichtung eines funky gespielten Basstons und Sustain-Verlängerung beim Fretless zielt der sauber arbeitende Kompressor ab.

Blackstar Unity Bass
Chorus-Pegel und Octaver-Wirkung sind an Reglern auf der Rückseite einstellbar. (Bild: Dieter Stork)

Nicht sonderlich transparent in den Tiefen, aber dennoch von hoher Brauchbarkeit, präsentiert sich der eingebaute Chorus, der am rückwärtigen Trimmer von dezent bis deutlich eingepegelt werden kann. Überraschung beim ebenfalls nützlichen Octaver, wo man am rückwärtigen Regler zwischen Unter- und Ober-Oktave überblenden kann! So differenziert wie externe Effektpedale sind die eingebauten Digital-Goodies nicht nutzbar, aber dennoch als quasi kostenlose Dreingabe willkommen.

Etwas unerwartet liefert der mit zwei Zehnzöllern bestückte U500 den fetteren Fußabdruck im Vergleich mit dem offener artikulierenden 15″-Combo U250, was Letzteren etwas interessanter für cleane Sounds macht, den stärkeren U500 hingegen zur passenden Wahl für Metal-Bassisten.

resümee

Was die beiden starken Blackstar Bass-Combos zu bieten haben, ist üppig. Dabei werden die vielfältigen Einstellmöglichkeiten an den gleich ausgestatteten Preamps am Ende durch die unverhohlen auf rockigen Eigenklang gezüchteten Lautsprecherabteilungen vor allem in eine Richtung gelenkt, die eher für böse Musikstile passt. Die zuschaltbare Drive-Abteilung ist dafür natürlich das richtige Werkzeug, aber auch die Response-Simulation verschiedener Röhren-Endstufen agiert überzeugend. Und wenn man sich die Preise für diese Komplettpakete ansieht, geht der Daumen für die Unity-Combos erst recht nach oben.

Blackstar Unity Bass

Blackstar Unity Bass

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(erschienen in Gitarre & Bass 09/2018)

Produkt: Kemper Amp Special
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