Produkt: Gitarre & Bass 4/2019
Gitarre & Bass 4/2019
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Vergrößerungsgerät

Test: Ashdown CTM-30 Little Stubby

(Bild: Dieter Stork)

Um den Basston größer zu machen – nimmt man einen kleinen Röhrenverstärker. Das ist zumindest beim Recording ein wohlbekannter Geheimtipp. Mit 30 heißen Röhrenwatt ist der Little Stubby aber auch gut für andere Anwendungen.

Lupenreine Röhre bietet der Classic Tube Magnifier Little Stubby in einer Leistungsklasse, die eher etwas für Spezialisten zu sein scheint.

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Dazu könnten neben dem Recording-Einsatz aber wohl auch die kleinen Clubgigs, spontane Sessions und klangverwöhnte Übegeschmäcke zählen, im Proberaum macht der kleine Stubby jedenfalls schonmal eine gute Figur.

Aufwendiger Purismus

Mit der puren Röhrentechnik macht der kleine Ashdown wirklich ernst, und mit vier Doppeltrioden verfügen Vor- und Treiberstufe über acht Röhrensysteme, die Endverstärkung wird im Gegentakt von einem Quartett EL84 bewerkstelligt. Natürlich ist auch eine klassische Portion Eisen dabei involviert, die schweren Trafos für die Netzversorgung und die Ausgangsanpassung bescheren dem handlichen Top das heute ungewöhnliche Gewicht von 10 Kilogramm.

Verpackt ist die Vintage-Schaltung in ein elegantes Stahlblech-Gehäuse, welches sich gar nicht so sehr von den modernen Class-D-Formaten unterscheidet. Die Hitzeableitung geschieht durch großzügige Lüftungsöffnungen unten, oben und auf der Rückseite, unterstützt durch einen Lüftermotor.

Der eingebaute Lüfter sorgt für Luftumwälzung und arbeitet praktisch geräuschlos. (Bild: Dieter Stork)

Die relativ große Röhrenzahl erlaubt eine hohe Signalverstärkung in der Vorstufe, sodass man den Röhren-Amp mit dem Drive-Regler auch deutlich in den Zerrbreich aussteuern kann. Hilfreich für die Anpassung der unterschiedlichen Pegel von passiven und aktiven Bässen ist der Sensitivity-Umschalter, Ashdown-typisch überwacht ein Zeigerinstrument die Aussteuerung. Eine passive Dreiband-Klangregelung erlaubt feinfühlige Gewichtung von Bässen, Mitten und Höhen, wobei sich die typische gegenseitige Beeinflussung in Grenzen hält. Ungewöhnlich ist der außerdem vorhandene Feedback-Regler, mit dem sich die Basswiedergabe zusätzlich verstärken lässt. Für den letztendlichen Wiedergabepegel ist der Volume-Regler am Ausgang der Vorstufe zuständig.

Da heutzutage auch beim Bass die Verwendung von Effektpedalen Usus ist, besitzt der Little Stubby einen seriellen Einschleifweg, der hinter dem Master-Volume eingefügt ist. Auch ein trafosymmetrischer DI-Ausgang ist vorhanden, allerdings nicht wie üblich, mit einem XLRAnschluss, sondern mit entsprechend belegter Stereoklinke realisiert. Um möglichst viel vom Röhren-Sound einzufangen, geschieht der Abgriff durch eine Sekundärwicklung des Ausgangsübertragers.

Der symmetrische DI-Ausgang ist hier mit einer Stereoklinke realisiert. (Bild: Dieter Stork)

Kultcharakter

Der DI-Abgriff am Ausgang bedeutet natürlich auch, dass der DI-Pegel immer abhängig von der Lautstärkeeinstellung der Wiedergabe sein muss. Für die Lautsprecher stehen zwei Klinkenbuchsen bereit, einmal für 4 Ohm und die zweite für 8 Ohm. Falls der Little Stubby bei Aufnahmen ohne Lautsprecherwiedergabe gefahren werden soll, muss allerdings ein passender Ersatzwiderstand angeschlossen werden – Röhrenendstufen dürfen bekanntlich nicht ohne Last gefahren werden. Vielleicht wäre es für die nächste Überarbeitung des Geräts eine gute Idee, den Dummy Load direkt im Gerät unterzubringen und automatisch anzulegen, wenn keine Box eingestöpselt wird, schließlich ist intern ja alles für gute Wärmeableitung schon vorhanden.

Der permanent arbeitende Lüfter sorgt für ausreichende Luftumwälzung und arbeitet dennoch praktisch unhörbar, sodass dem Studio-Einsatz des Röhrenverstärkers nichts im Wege steht. Und am Charakterklang soll es auch nicht liegen, die Röhrenschaltung setzt den Basston betont fundamental und mit fülliger Tragkraft in Szene, sodass der Begriff Magnifier hier tatsächlich zutrifft.

Dazu ist allerdings die Feedback-Schleife für die Bässe eher voll aufzudrehen, denn sonst klingt der Little Stubby für Röhren-Verhältnisse eher dürr und knochig; allerdings ist der Feedback-Knopf auch nicht überflüssig, denn in Kombination mit voll aufgedrehtem Bass-Regler ergeben sich ziemlich interessante weitere Sounds, die allein mit dem passiven Tone Stack nicht zu erzeugen wären: Kissenweich und bullig.

Wie bereits erwähnt, hält sich die gegenseitige Beeinflussung der eigentlichen Klangregler eher in Grenzen, was der zielgenauen Einstellung gewünschter Sounds dienlich ist. Nur bei voll aufgedrehten Mitten darf man vom Treble-Knopf keine größeren Wirkungen mehr erwarten, es handelt sich halt um ein klassisches Tone Stack.

Im Clean-Bereich erzeugt der CTM-30 – zusammen mit einer gesunden Lautsprecherbestückung – erstaunlich fette Pegel mit subtiler, seidiger Röhrenkompression, die durchaus für das gepflegte Zusammenspiel mit einem Drummer reichen. Feinfühlige Dosierung des Drives erschließt darüber hinaus diverse Crunch-Varianten, bis hin zur fetzigen Vollzerre der Vorstufe.

Resümee

So speziell die 30 Watt Ausgangsleistung für den Basseinsatz auch scheinen – der Little Stubby beweist mit seinem voluminösen und fein variablen Röhrenklang gehörigen Nutzwert, und das nicht nur beim Recording, sondern auch mit ausreichend Schub für den gepflegten Band-Einsatz. Lobenswert geringe Nebengeräusche sprechen für die Güte der Schaltung, auch der permanent arbeitende Lüfter tritt nicht hörbar in Erscheinung, sodass man am Ende doch einen vielfältig einsetzbaren Röhrencharakter für den Bass geboten bekommt.

PLUS

  • charaktervoller Röhrenklang
  • Sound-Variabilität, Drive-Verzerrung
  • Verarbeitung
  • Lüfter nicht hörbar, geringe Nebengeräusche
  • Effektweg und DI-Ausgang

MINUS

  • DI-Pegel prinzipbedingt abhängig von Wiedergabelautstärke

(erschienen in Gitarre & Bass 05/2019)

Produkt: Gitarre & Bass 8/2019
Gitarre & Bass 8/2019
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