Produkt: Gitarre & Bass 6/2019
Gitarre & Bass 6/2019
Neoclassical Bluesrock: Yngwie Malmsteen+++Strat, Style, Strings, Sound: Jimmie Vaughan+++Glam-Metal 2019: Steel Panther+++Auf langer Abschieds-Tour: Rickey Medlocke & Lynyrd Skynyrd
Große Töne

Test: Aguilar Tone Hammer 700

Aguilar Tone Hammer 700(Bild: Dieter Stork)

Als Basspedal ist der klangflexible Tone Hammer ein voller Erfolg, und für starke Sounds liegt natürlich auch souveräne Verstärkerleistung nahe. Hier ist sie, die Erweiterung der geschätzten Pedal-Elemente zum erwachsenen 700-Watt-Bass-Amp.

Der Poweramp und das Drumherum sind ja schon beim AG700 erprobt, und so unterschiedlich geben sich die Aguilar-Brüder vordergründig nicht. Allerdings haben sie einen anderen EQ-Ansatz, außerdem fehlt dem cleanen AG700 ein Regler, der einen großen Unterschied ausmacht, nämlich der Drive vom Tone Hammer.

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charakter

Wo beim AG700 zwischen Gain und Master eine Vierband-Klangregelung und Schalter für Bright und Deep sitzen, verzichtet der Tone-Hammer-Preamp auf die Presets und macht stattdessen seinen Dreiband-EQ mit der durchstimmbaren Mittenfrequenz variabel. Zusätzlich kann die Vorstufe mit dem Drive-Regler stufenlos in die Übersteuerung gefahren werden. Die Eingangsempfindlichkeit kann für aktive Bässe mit hohem Output per Schalttaste um 10 dB verringert werden, auf der anderen Seite der Frontplatte sitzt der Mute-Schalter.

Bequem von der Frontseite aus erreichbar sind die Klinkenbuchsen des seriellen Effekt-Einschleifwegs, ebenso der elektronisch symmetrierte Balanced Out, dessen Signalabgriff vor oder hinter die Klangregler umgeschaltet werden kann. Auf der Rückseite geht es betont aufgeräumt zu, hier liegen Netzanschluss und Power-Schalter, ein Klinkenschluss fürs Stimmgerät und zwei Speakon-Buchsen für die Lautsprecher. Die volle Nennleistung von 700 Watt gibt der Tone Hammer 700 an 4 Ohm ab, darf sogar noch etwas niedriger bis 2,7 Ohm belastet werden; an eine 8-Ohm-Box liefert er immerhin noch die halbe Leistung. Das starke Basstop sitzt in einem Aluminiumgehäuse und bringt gerade einmal 2,2 kg auf die Waage.

Aguilar Tone Hammer 700
Zwei Speakon-Anschlüsse verteilen die üppige Endstufenleistung auf die Lautsprecher. (Bild: Dieter Stork)

aggro-drive

Mit hellem, blauem Licht zeigt die Status-LED an, dass der Bass-Amp eingeschaltet ist, eine zweite blaue LED leuchtet auf, wenn der Mute-Schalter auf Operate umgestellt wird. Sinnvollerweise wird in der Stummschaltung nicht nur der Lautsprecher-Ausgang abgeschaltet, sondern auch der Balanced Out; nur die Tuner-Klinke führt permanent Signal.

Der symmetrische Ausgang liefert in der Pre-Einstellung das cleane, unbearbeitete Basssignal und gibt bei Post den komplett bearbeiteten Ton inklusive EQ, Drive und eingeschleifter Effekte heraus, sinnvollerweise ohne Beeinflussung des Master-Reglers. Hier zeigen sich also alle Features gut organisiert für den Einsatz auf der Bühne. Nur im stillen Kämmerlein oder im Studio überzeugt das Aguilar-Top nicht ganz, was an der temperaturgesteuerten Lüfterkühlung liegt, die nach einiger Betriebszeit anspringt und ein vernehmliches Geräusch erzeugt – was natürlich im lauten Live-Einsatz nicht stören wird. Und laut kann es werden, denn die 700-Watt-Endstufe bietet dafür mächtige Reserven.

Noch entscheidender als die schiere Leistung ist allerdings der eigene Charakter des Tone Hammer, der nicht nur sauber kann, sondern sich durch simples Zuregeln des Drives bis tief in schmutzige Verzerrungen fahren lässt. Diese Einknopf-Bedienung ist gut gelungen, weil in weiten Einstellbereichen kein Nachregeln der Lautstärke nötig ist – schade nur, dass sich der Drive-Sound nicht als Alternative zur unverzerrten Einstellung per Fußschalter abrufen lässt.

Zum Offensiv-Charakter passt wiederum die Klangregelung mit den durchstimmbaren Mitten perfekt, denn am Mid-Freq-Regler lässt sich zielgenau die maximale Durchsetzungskraft eines verzerrten Aggro-Sounds finden. Natürlich ist die Mid-Parametrik auch für andere Aufgaben geeignet, beispielsweise für den markanten Fretless-Knurr oder trockene Funk-Sounds mit gedämpften Mitten.

Aguilar Tone Hammer 700
Das Aggro-Potential der Drive-Verzerrung wird mit stufenlos durchstimmbaren Mitten unterstützt. (Bild: Dieter Stork)

resümee

Sie haben zwar die gleiche Leistung, das gleiche Format und den gleichen Preis, aber im Charakter unterscheiden sich die gut organisierten Aguilar-Brüder unüberhörbar. Wo der AG700 mit gepflegter Sauberkeit auftritt, gibt der Tone Hammer 700 das offensive Raubein und kann kraft des Drive-Reglers tief in die aggressive Zerre gefahren werden. Dazu passt die stufenlose Mitten-Variabilität seiner Klangregelung, mit der man vortrefflich ausloten kann, wo es am meisten wehtut – und natürlich auch vieles andere zielgenau trifft.

PLUS
• Wiedergabeleistungen
• Drive-Verzerrung
• Verarbeitung
MINUS
• Lüftergeräusch

Aguilar Tone Hammer 700

(erschienen in Gitarre & Bass 02/2019)

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