Gerade Linie

Test: Aguilar AG 700

Aguilar-AG-700
(Bild: Dieter Stork)

Mit 700 Watt Ausgangsleistung ist der neue Aguilar für einen starken Auftritt gut. Damit dabei nichts von der eigentlichen Performance ablenkt, gibt er sich in der Bedienung straight und aufgeräumt.

Natürlich ist neben der üppigen Leistung alles vorhanden, was man üblicherweise benötigt: Vierband-EQ, Effekt-Einschleifweg und DI-Output für Live- und Aufnahmezwecke. Eine besondere Stärke des ultraleichten Class-D-Tops ist zudem, dass er seine Power auch an besonders niederohmige Lasten verteilen kann.

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alles im blick

Zwischen getrennten Reglern für Gain und Master sitzt der Vierband-EQ, dessen Wirkungsumfang durch zwei zusätzliche Boost-Schalter für Bright und Deep erweitert wird. Ebenfalls per Schalter kann die Eingangsempfindlichkeit um 10 Dezibel herabgesetzt werden, falls ein aktiver Bass mit besonders hohem Ausgangspegel zum Einsatz kommt. Der serielle Einschleifweg für Effekte wurde zwar leicht zugänglich auf der Frontseite platziert, ist aber wegen seiner hochpegeligen Ausführung eher für professionelle Studioeffekte gedacht, zumal auf dem Send noch 6 dB zusätzliche Verstärkung liegen, um auch unempfindliche Geräte voll aussteuern zu können. Normale Bodenpedale sollten laut Bedienungsanleitung vor den Amp geschaltet werden, um deren Übersteuerung zu vermeiden.

Für die Live-Abnahme oder Studioaufnahmen ist der AG 700 mit einem elektronisch symmetrierten XLR-Ausgang bestückt, dessen Signalabgriff vor oder hinter EQ und Effektweg umgeschaltet werden kann. Auch dieser Anschluss liegt, zusammen mit den Schaltern für pre/post und Groundlift, auf der Front, ebenso der Mute-Schalter, dessen Operate-Status mit blauer Leuchtanzeige signalisiert wird. Nur die Klinkenbuchse fürs Stimmgerät wurde inkonsequenter Weise auf die Rückseite verbannt, doch damit wird man leben können. Durchdacht ist jedenfalls die Ausstattung mit zwei Speakon-Ausgängen, schließlich will die satte Ausgangsleistung ja auch angemessen auf Lautsprecher verteilt werden. Neben den üblichen 4 Ohm (z. B. 2x 8-Ohm-Boxen) bietet der AG 700 aber auch die Möglichkeit, seine volle Nennleistung an 2,67 Ohm abzugeben, sodass beispielsweise drei 8-Ohm-Boxen oder 1x 4 Ohm plus 1x 8 Ohm angeschlossen werden können.

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An zwei Speakon-Ausgängen lässt sich die Power angemessen auf mehrere Boxen verteilen, wobei auch Impedanzen bis 2,67 Ohm hinab zulässig sind. (Bild: Dieter Stork)

saft & kraft

Der versprochene thermogesteuerte Flüster-Lüfter bleibt zunächst vollkommen still, tritt dann aber nach einigen Minuten Betrieb doch in Aktion. Zwar nicht mit brüllendem Geräusch, aber eben doch deutlich vernehmbar, was den Einsatz im stillen Studio-Ambiente stören könnte und deshalb einen Minuspunkt ergibt. Doch mit seiner glaubhaft präsentierten Ausgangsleistung ist der AG 700 ohnehin eher für die Live-Darbietung prädestiniert, wo solche Kleinigkeiten nicht auffallen.

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Die bewährte Vierband-Klangregelung erlaubt dabei wirksame Klangformung und bewährt sich sowohl für filigrane Korrekturen als auch drastischere Eingriffe. Beim Treble-Regler gefällt die unprätentiöse Art, die allgemeine Klarheit und markanten Klick herauszustellen, andererseits aber auch den Instrumententon samtig abrunden zu können, ohne dass die Ergebnisse mumpfig werden. Während der High Mid rund um 800 Hz die nasalen Komponenten aufgreift und vor allem einen Fretless-Ton griffig nach vorne boostet, packt der bei 300 Hz zentrierte Low Mid souverän beim Growl zu, was bei Abdämpfungen feine Kombinationen für einen trockenen Funk-Sound zulässt, ohne zu viel Druck auszulöschen. Ähnlich universell wie der Treble-Regler sind hier die Bässe ausgelegt, wobei das kraftvolle Tiefen-Fundament durch Benutzung des Deep-Presets nochmals wirksam verstärkt werden kann.

resümee

Mit glaubhafter Leistungsabgabe qualifiziert sich der neue AG 700 von Aguilar als durchsetzungsstarker Live-Bass-Amp, dessen aufgeräumte Vorstufe wie versprochen eine große Klangvariabilität bietet, ohne dass die Sache unübersichtlich wird. Das andere Herstellerversprechen vom Flüsterlüfter hält unser Testgerät hingegen nicht und gibt deutlich vernehmbare Geräusche von sich, mit denen man auf der Bühne locker leben kann, die aber in leiserer Umgebung stören können. Fazit: Das Ding gehört auf die Bühne! [1637]

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(erschienen in Gitarre & Bass 09/2017)

 

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