Produkt: Kemper Amp Special
Kemper Amp Special
Der große Kemper Amp Testbericht! Kemper Amp – High-Tech in neuer Evolutionsstufe
Bass-Sound analog und kompakt

Test: AER Amp Three

(Bild: Dieter Stork)

Handliche Lösungen für den Bass-Sound auf der Bühne oder im Proberaum gibt es mittlerweile zuhauf, und das mit erstaunlichen Leistungen bis hinab ins preisgünstigste Segment. Bei allem Erstaunen sollte man allerdings nicht vergessen, was echte Qualität bedeutet.

Die Firma AER geht nicht den preisgünstigen China-Weg. Statt Class-D wird analoge Schaltungstechnik Made in Germany geboten und weder an den Speakern noch an der Bauweise gespart. Das Ergebnis zahlt sich aus, ist mindestens so handlich wie die kleinsten anderen Kompakt-Combos der Klasse, aber enorm klangstark.

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PRÄZISION & OPULENZ

Mit rund 45 Litern Gesamtvolumen ist der Amp Three ein Winzling, in dessen Bassreflex-Abteil ganz knapp zwei Achtzöller Platz finden. Mit 200 Watt analoger Endstufenleistung werden die Kleinlautsprecher mit den auffällig großen Kalotten betrieben, und die sind nicht von schlechten Eltern: Es sind italienische Sica-Lautsprecher mit besonders stabilem Gusskorb, belüftetem Neodymmagnet und lackierter Membran – High-End Produkte unserer Zeit.

Innen ist die Bassreflexkammer mit Noppenschaumstoff bedämpft, der schmale Bassreflextunnel mündet auf der Rückseite. Für den perfekten Abschluss mit der Schallwand sind die Speaker bündig eingelassen, und das rundum abgekantete Frontgitter passt so spack ins strukturlackierte 15-mm-Sperrholzgehäuse, dass eventuelle Scheppergeräusche von vornherein nicht auftreten können.

Kraftvolle Neodym-Achtzöller leisten Erstaunliches. (Bild: Dieter Stork)

Der in Analogtechnik aufgebaute Transistorverstärker ist nicht minder sorgfältig durchdacht und punktet sowohl mit umfangreich klangdienlicher Ausstattung wie auch mit außergewöhnlich üppigen Anschluss-Möglichkeiten: Zehn Klinkenbuchsen und ein XLR-Ausgang sitzen auf der Rückseite. Oben im Bedienfeld sieht es trotz satter Ausstattung angenehm aufgeräumt aus. Neben der Eingangsbuchse ist die Empfindlichkeit wählbar, auf den Gain-Regler folgt der Mute-Schalter. Für die Schaltfunktionen sind LED-Statusanzeigen vorhanden, für die Gain-Aussteuerung eine Clip-Anzeige.

Per Schalttaste kann ein Colour-Filter aktiviert werden, welcher vorlaute Mitten zurücknimmt und zugleich den schmatzenden Brillanzklick hervorhebt. Die aktive Hauptklangregelung ist dreibandig ausgelegt, wobei die Frequenz des Mittenreglers stufenlos durchstimmbar ist und sogar per Schalttaste zwischen engbandig und weiter gefasstem Frequenzband gewählt werden kann.

Zusätzlich zum Bassregler ist noch ein saftiger 10-dB-Bass-Boost einschaltbar, der fast eine Oktave tiefer zugreift als die stufenlos einstellbaren Bassanteile. Es kommt noch eine weitere Klangregel-Abteilung hinzu: Der Tone-Balance-Regler kann am Intensity-Poti in seiner Wirkungsstärke dosiert werden und stellt, nach dem Prinzip der Klangwaage, bei Linksanschlag die Bässe besonders heraus, in der Mitte Bässe und Höhen zugleich und bei Rechtsanschlag besonders die hohen Brillanzen, wobei zugleich die Bässe dezent abgeschwächt werden.

Die klangliche Feinabstimmung lässt sich hier mit einem Handgriff variieren. Auf die opulenten Klangregelungs-Möglichkeiten folgt im Bedienfeld der zuschaltbare Kompressor, bei dem Einsatzschwelle und Kompressionsverhältnis an separaten Reglern stufenlos justiert werden können. Schließlich bildet der Master-Einsteller das Ende der Vorstufen-Signalkette.

Allein die Vorstufen-Ausstattung ist opulent. (Bild: Dieter Stork)

ÜBER SICH HINAUS

Trotz überaus gesunder Ausstattung des eingebauten Verstärkerteils, maßt sich der Amp Three nicht an, alles alleine regeln zu wollen. Eine Anschlussbuchse fürs Stimmgerät, ein zusätzlicher AUX-In mit Pegelsteller zum Einspielen von Playbacks, ein Line-Out sowie die Kopfhörerbuchse gehören ja zur praktischen Ausstattung, die man auch anderswo vorfindet.

Spezieller wird es schon beim vorhandenen Sub-Out, der nur die Tieftonanteile für einen zusätzlichen Subwoofer herausgibt, und wirklich außergewöhnlich sind die Einschleifmöglichkeiten für externe Effekte, denn hier sind, neben zwei seriellen Inserts, auch Send und Return für die parallele Effektzumischung vorhanden. Die Inserts liegen einmal vor und einmal hinter den Klangreglern und sind mit Stereoklinken realisiert, die Send und Return zusammenfassen.

Der zusätzliche Parallel-Einschleifweg ist wiederum mit dem praxisgerechten Extra ausgestattet, per Fußschalter ein- und ausgeschaltet werden zu können, die Footswitch-Buchse kann außerdem das Mute-Feature bedienen!

Selbstverständlich ist auch ein elektronisch symmetrierter DI-Ausgang vorhanden, der einen eigenen Pegelsteller sowie einen Ground-Lift-Schalter besitzt, und dessen Abgriff vor oder hinter die Klangregelung umgeschaltet werden kann. Schließlich wird zum handlichen Alleskönner auch eine maßgeschneiderte gepolsterte Schutzhülle mitgeliefert.

Nicht nur in der bemerkenswerten Ausstattung, auch in den Wiedergabeleistungen präsentiert sich der Amp Three als Spitzengerät, und man mag seinen Ohren kaum trauen, wenn man aus diesem Zwerg einen so unglaublich tiefen, zugleich plastischen Basston mit klaren Details vernimmt!

Die Hochleistungs-Achtzöller lassen sich auch bei gehobenen Pegeln keinerlei Anstrengung anhören, wofür letztlich auch die filigrane Abbildung aller Klangregeleinstellungen ein Beweis ist. Schließlich wird auch saftige Tiefenzugabe am Bassregler sauber und zerrfrei mit druckvoller Dichte abgebildet. Nebenbei dünnen übrigens auch die Dämpfungen den erwachsenen Klang nicht über Gebühr aus, sodass hier der gesamte Einstellweg praxisgerechte Nutzbarkeit entfaltet.

Beim Mittenregler kommt noch die umschaltbare Filterbandbreite für optimierte Ergebnisse hinzu, die beispielsweise in der engbandigen Einstellung auch extrem trockene Funk-Sounds ohne Druckverlust im Punchbass ermöglicht. Und beim Treble-Regler fällt die perfekte Gewogenheit auf, mit der man Kontrolle über die allgemeine Klarheit hat, ohne darüber hinaus verfärbende Auffälligkeiten zu produzieren. Für milde oder wirksamere Abstimmung auf die Schnelle, ist schließlich noch die Tone Balance sehr nützlich, die aber selbstverständlich auch auf total lineare Wiedergabe eingestellt werden kann.

Schließlich darf man auch den eingebauten Kompressor mit seiner extra cleanen Arbeitsweise zum starken Grundkapital dieses Combos zählen, der außer der betont unauffälligen Dynamikbearbeitung auch extrem genug für hörbare Effektkompression und Sustain-Verlängerung eingestellt werden kann. Lediglich bei solchen Extremen ist ein Pegelrückgang zu verzeichnen, der dann am Master ausgeglichen werden muss.

Bei den üppigen Anschlussmöglichkeiten wurde an alles gedacht. (Bild: Dieter Stork)

RESÜMEE

Wer Qualitätsbewusstsein hat, muss den Amp Three einfach als Primus seiner Größenklasse einordnen. So erwachsene, geschmeidige, detaillierte Töne bekommt man sonst nicht so kompakt geboten, jedenfalls nicht auf diesem durchgängig hohen Niveau. Und wenn man die beispiellos umfangreiche Anschlussbestückung hinzunimmt, überholt dieser High-End-Zwerg auch in der universellen Einsetzbarkeit jeden Mitbewerber.

PLUS

● Wiedergabeverhalten & kultivierte Klangleistungen
● Sound-Einstellmöglichkeiten, Ausstattung
● Anschlussmöglichkeiten, Ausstattung
● Verarbeitung
● Transportabilität

MINUS

● Pegelrückgang bei extremen Kompressor-Einstellungen

aer music GmbH

Haberstrasse 46
42551 Velbert

(erschienen in Gitarre & Bass 04/2020)

Produkt: Kemper Amp Special
Kemper Amp Special
Der große Kemper Amp Testbericht! Kemper Amp – High-Tech in neuer Evolutionsstufe

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