Kult in der Dose

Tech21 Q\Strip im Test

Tech21 QStrip
(Bild: Dieter Stork)

Die großen Rock- und Pop-Hits der Sixties und Seventies wurden über analoge Transistor-Mischpulte eingespielt – und die werden inzwischen als kultige Klangwerkzeuge fast genauso verehrt wie noble Vintage-Gitarren. Tech21 packt den Channel Strip in eine handliche Dose.

Das hohe technische Niveau der damaligen Profigeräte ist auch in der heutigen Zeit noch beeindruckend, allerdings steht in modernen Studios oft nicht mehr der Platz zur Verfügung, eine riesige Analog-Konsole als „Effektgerät“ aufzustellen. Auch wenn inzwischen vieles über den Rechner läuft, hat die alte Technik dennoch nicht ausgedient, nur dass jetzt einzelne Kanalzüge zur Klangbereicherung beim Recording verwendet werden. Die Mühe und Kosten, einen historischen Channel Strip aufzutreiben und benutzbar zu machen, kann man sich allerdings sparen, wenn man zum Q\Strip von Tech21 greift, der sich einfach wie ein normales Effektpedal mit dem Instrument ansteuern lässt.

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allerseits vielseitig

Für den Bass sind mittlerweile pedalkleine DI-Preamps ausgesprochen beliebt, und nach diesem Konzept ist auch der Q\Strip gebaut. Der Klinkeneingang akzeptiert auch sehr hochohmige Instrumente, ein Parallel Output steht bereit, um das Eingangssignal vollkommen unbeeinflusst wieder herauszugeben – was z. B. bei der Verwendung als DI-Box auf der Bühne dazu dient, die Backline-Anlage des Instrumentalisten ohne Sound-Änderung anzusteuern.

Wie ein professioneller Mischpult-Kanal bietet der in analoger MOSFET-Technik aufgebaute Preamp einen Level-Regler zur Pegeleinstellung und eine hochwertige Dreiband-Klangregelung, bestehend aus aktiven Kuhschwanzfiltern für Höhen und Bässe sowie zwei aktiven, semiparametrisch durchstimmbaren Glockenfiltern für die Mittenbereiche. Die Centerfrequenz von Mid 1 ist stufenlos zwischen 40 Hz und 700 Hz einstellbar, Mid 2 zwischen 300 Hz und 6 kHz. Die extrem weiten Einstellbereiche dienen der universellen Verwendbarkeit und überlappen die benachbarten Klangregler großzügig, sodass auch besonders extreme Frequenzgänge möglich sind.

Zusätzlich sind noch Dämpfungsfilter für tiefe und hohe Frequenzen per Schalttaste abrufbar, das Hochpassfilter unterdrückt störenden Infraschall unterhalb von 45 Hz mit 12 dB Flankensteilheit pro Oktave, das Tiefpassfilter greift mit gleicher Steilheit oberhalb von 3 kHz ein, wobei die tiefe Einsatzfrequenz speziell auf den Einsatz mit Musikinstrumenten wie Bass und Gitarre abgestimmt ist. Die komplette Preamp-Sektion mit allen Filtern wird per Fußschalter aktiviert, eine rote LED zeigt den Schaltstatus an.

Wer den Q\Strip wie ein Effektgerät vor dem Instrumenten-Amp benutzen will, findet einen unsymmetrischen Klinkenausgang vor, dessen Pegel per Schalter zudem um 10 dB angehoben werden kann – falls es direkt in eine unempfindliche Endstufe gehen soll. Der elektronisch symmetrierte XLR-Ausgang dient zum Ausspielen des Signals fürs Live-Mischpult oder Recording-Zwecke; hier kann per Schalttaste der Ausgangspegel auf ein Zehntel reduziert werden, um auch empfindliche Mikrofoneingänge zu nutzen. Das hat zudem den Vorteil, dass dabei eine eventuell vorhandene Mikrofon-Phantomspeisung zur Versorgung des Q\Strips genutzt werden kann.

Außerdem lässt sich das Pedal per Steckernetzteil (Buchse am Gerät leider unbeschriftet: 9 Volt DC) speisen und auf der Unterseite ist auch ein Batteriefach vorhanden. Aufgrund der maßvollen Stromaufnahme von nur 5 mA lebt ein 9- Volt-Block immerhin 100 Stunden lang.

Tech21 QStrip
(Bild: Dieter Stork)

resümee

In seiner Klang- und Anschlussvariabilität ist dieser Channel Strip tatsächlich ein Highlight und liefert ausgesprochen tighte Ergebnisse schon bei feinfühligen Korrekturen, durch die überlappenden Einstellbereiche kann er allerdings in gleicher Güte auch sehr extreme Sounds erzeugen.

Was für die Qualität der EQ-Auslegung spricht, ist neben universeller Einsetzbarkeit für alle Instrumente auch das exakte Zupacken aller Klangregler, wobei man allerdings bei extremen Höhen-Boosts auch etwas Rauschen in Kauf nehmen muss. Aufgrund der crispen Feinauflösung in der Wiedergabe wird man allerdings mit halbwegs gesunden Eingangs-Signalen selten in solche Bereiche vordringen.

Der Q\Strip ist somit abseits der üblichen Instrumentenpedale eine echte Bereicherung für den Live- und Recording-Einsatz, wo er sogar bei der anspruchsvollen Vocal-Bearbeitung eine starke Figur abgibt.

Tech21 QStrip

Tech21 QStrip

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(erschienen in Gitarre & Bass 04/2018)

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