Einfach effektiv

Tech21 FlyRig Bass, Bass-Preamp & FX im Test

Effektpedale sind ein schönes Sammelgebiet, doch für den zuverlässigen Einsatz auf der Bühne braucht es auch entsprechende Vorbereitung. Wer sich als Bassist den Aufbau eines Pedalboards sparen möchte, bekommt von Tech 21 die fertige Effekte-Kette im Mini-Format geboten.

(Bild: Marlon Stork)

Auf den ersten Blick beinhaltet das Bass Fly Rig die vier wichtigsten Effekt-Typen, aber bei genauerem Hinschauen entdeckt man noch etliche Extras. Die machen am Ende einen gehörigen Mehrwert aus, sodass diese Kompaktlösung durchaus mit größeren Pedalboards konkurrieren kann – und zugleich noch extrem einfach zu handhaben ist.

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Kettenreaktion

Klinke rein, Klinke raus, und dazu gibt es noch einen symmetrischen Ausgang für Direkteinspeisung ins Mischpult: Das Bass Fly Rig hält den Benutzer nicht mit unnötigen Sperenzchen auf. Zum Anpassen der Eingangsempfindlichkeit ist eine unauffällige Schalttaste vorhanden, und schon geht es von rechts nach links mit dem ersten wichtigen Basseffekt los. Der Compressor ist in Kompressionsgrad, Tone und Level justierbar. Aktiviert man das Aggregat per Fußschalter, leuchten diese drei Plexiglasknöpfe rot auf. In seiner Wirkung ist der Dynamikkompressor scharf abgestimmt, also auch bei niedrig eingestelltem Kompressionsgrad schon deutlich hörbar. Unauffälliges Ausbügeln von Pegelspitzen ist hier weniger vorgesehen, mehr aber heiße Tonverdichtung für Funk-Sounds und wirkungsvolle Sustain- Verlängerung für den Fretless. Zu hohe Dosierung kann in Zusammenhang mit heftigen Impulsen freilich auch Ducking- Effekte erzeugen.

Obwohl sie weiter links sitzt, folgt nun schaltungstechnisch die Oktafilter-Abteilung, die allerdings wesentlich mehr als nur einen oktavierten Sound erzeugen kann – denn es handelt sich um eine dynamisch gesteuerte Effektsektion mit Synthie-Qualitäten. Hier werden Octaver, Fuzz und Autowah miteinander kombiniert, was automatisch auch krassere Ergebnisse nahelegt. Natürlich lassen sich die einzelnen Komponenten auch auseinanderpuzzeln, da Fuzz und Octave an separaten Schalttasten aufgerufen werden und die Wirkung des dynamischen Filters an den Reglern für Q (Filtergüte) und Range stufenlos vorgewählt werden kann. Für die perfekte Feinabstimmung der dramatischen Effekte mit dem Cleansound ist noch ein Mix-Regler vorhanden, die Potiknöpfe leuchten bei aktivierter Octafilter-Sektion blau auf.

Als nächste Funktionseinheit besitzt der Booster einen eigenen Fußschalter; natürlich ist die Pegelanhebung stufenlos bis +10 dB justierbar, sehr praktisch auch, dass der Boost wahlweise vor oder hinter die Sansamp-Sektion umschaltbar ist. Der Pegelsteller leuchtet rot auf, wenn der Boost aktiviert ist.

Im Zentrum des Fly Rigs steht zweifellos der SansAmp-Preamp mit umfangreichen Einstellmöglichkeiten: Drive, Character, Low, Mid, High und Level sind für die Formung des Basssounds ein sehr wirkungsvolles Besteck. Mit der praxisgerecht abgestimmten Dreiband-Klangregelung lässt sich der Instrumentenklang wirkungsstark optimieren, der zusätzliche Charakter-Regler macht zudem drastische Änderungen auf die Schnelle möglich; sein Wirkungsbereich geht vom molligen Vintage-Bass bis zu unverstellter Klarheit, bei gedrückter Bite-Taste bis hin zu offensiv schrängelnden Brit-Präsenzen – stark! Vom sauberen Detailklang über sanft angeraute Spitzen bis zum voll fetzigen Overdrive lassen sich die Ergebnisse mit dem Drive-Regler variieren, wobei der Level-Knopf am anderen Ende der SansAmp-Reglerreihe zur Lautstärke- Kompensation benötigt wird. Bei aktiviertem SansAmp leuchten dessen Einsteller gelb auf.

Als letzter Effekt ist schließlich ein Chorus an Bord, dessen Einsteller sich auf die Wirkungsstärke beschränkt und beim Treten des Fußschalters blau aufleuchtet. Der schwirrende Effekt kommt trotz monophoner Wiedergabe plastisch rüber und ist universell abgestimmt, man vermisst tatsächlich keine weiteren Einstellfunktionen. Der Chorus-Schalter hat noch eine zweite Funktion: Wird er länger gehalten, schaltet er den Signalweg stumm und den eingebauten Chromatic-Tuner ein, der mit wunderbar einfach gehaltenem Display korrektes Stimmen leicht macht. Eine kleine Schalttaste mit Phones- Symbol dient dazu, den Klinkenausgang von der Normalfunktion auf Kopfhörerbetrieb umzuschalten, wobei auch gleichzeitig der Ausgangspegel entsprechend angehoben wird. Die Ausgangs- Buchse kann nun übrigens auch mit Stereoklinke belegt werden, um auf beiden Kopfhörerseiten etwas zu hören, für ausreichenden Pegel ist allerdings ein Kopfhörer mit gesundem Wirkungsgrad erforderlich. Diese Monitorfunktion ist nicht nur fürs Üben zu später Stunde, sondern auch für Aufnahmezwecke nützlich, denn es ist ja ein symmetrischer XLR-Ausgang fürs Recording vorhanden. Um ggf. Brummschleifen zu unterbrechen, lässt sich an einer weiteren Taste dessen Schirmerdung abkoppeln.

Resümee

Das Bass Fly Rig zeigt sich bis ins Detail bestens durchdacht und wird durch ein mitgeliefertes Steckernetzteil gespeist. Dass die optische Aufteilung nicht dem tatsächlichen Signallauf entspricht spielt in der praktischen Nutzung eigentlich keine Rolle. Man bekommt jedenfalls eine Fülle bassgerechter Effekte in sinnvoller Verkettung geboten, von denen vor allem die Synthie-artige Octafilter- Sektion mit krassen Möglichkeiten begeistert, der bewährte SansAmp perfekt stimmige Grund-Sounds von superclean bis zum harmonischen Overdrive zaubert und der Universal-Chorus trotz einfach gehaltener Einstellbarkeit immer passt. Der Compressor zeigt Stärken, wenn er als hörbarer Effekt zur pumpenden Tonverdichtung und Sustain-Verlängerung eingesetzt werden soll, hier könnten unauffälligere Wirkungen das Endergebnis noch bereichern.

Plus

  • Signalkette/Ausstattung
  • Effekt-Sounds
  • Übersichtlichkeit
  • kompakte Bauweise

Minus

  • Empfindlichkeit Compressor

Aus Gitarre & Bass 02/2017

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