tc electronic Staccato ’51 & RS 410 im Test

Bass-Top tc electronic Staccato '51 & RS 410

Was unterscheidet den Staccato ‘51 vom normalen Rebelhead? Das schmuck in Rot eloxierte Gehäuse kann’s allein nicht sein. Also: Dieses Bass-Top wurde nach den Klangvorstellungen der Tower-Of-Power-Bassistenlegende Francis Rocco Prestia abgestimmt.

Anzeige

Und wenn man mit den bewährten Prestia-Powersounds arbeiten will, braucht man einfach gar nichts zu tun: Alle Klangregler auf 12 Uhr, und los geht’s. Um diesen speziell getunten Amp angemessen ausprobieren zu können, haben wir eine 4×10″-Box aus dem tc-Programm dazubekommen.

 

Staccato ’51

Im Grunde ist der Staccato ’51 also technisch identisch mit dem RebelHead 450, den wir in Ausgabe 05/2009 vorgestellt hatten – nur die Grundabstimmung und die Gehäusefarbe wurden verändert. Wie beim Grundmodell stehen hier also abspeicherbare Einsteller für Gain, Bass, Lo-Mid, Hi-Mid, Treble und die Tubetone-Röhrensimulation bereit, deren Einstellwerte schick am rundum laufenden LED-Kranz angezeigt werden. Drei Sound-Einstellungen sind abspeicherbar, abrufen lassen sie sich durch einfaches Drücken auf die jeweilige Speicherplatz-Taste oder mit dem optional erhältlichen Fußschalter.

Per Tastendruck gelangt man auf die zweite Bedienungsebene, wo man am ehemaligen Gain-Regler nun den eingebauten Kompressor dosieren und bei den Klangreglern die Center-Frequenzen variieren kann.

Sinnvollerweise werden auch die hier getätigten Einstellungen mit den Sounds abgespeichert, und der Tubetone-Regler hat dabei eine besondere Funktion. Denn schließlich ergibt es keinen Sinn, die eingestellte Master-Lautstärke mit zu speichern, denn die varriert man ja je nach Spielsituation. Um aber dennoch erwünschte Pegelsprünge oder Gleichmäßigkeit zwischen den Speicher-Sounds herstellen zu können, wird ein weiterer Volume-Regler benötigt – denn schließlich würde man mit der Gain-Einstellung ja auch das Tubetone- und Kompressor-Verhalten verändern. Im Shift-Modus wird daher der Tubetone-Einsteller zum zusätzlichen Volume-Regler, dessen Einstellung mit abgespeichert wird. Bei einfacher und übersichtlicher Bedienung bietet der Staccato somit feinfühlige Einstellmöglichkeiten, praktisch ist auch das große LED-Stimmgerät, welches autochromatisch den jeweils gespielten Ton anzeigt. Auch ein Kopfhöreranschluss ist gut erreichbar auf der Vorderseite angebracht.

Für externe Effekte steht ein serieller Insert bereit, der schaltungstechnisch vor dem Master-Regler eingreift. Und zusätzlich zum trafosymmetrischen XLR-Ausgang (der vor oder hinter EQ, Tubetone und Insert umschaltbar ist), bietet der tc einen digitalen XLR-Ausgang, der für Recording-Zwecke genutzt werden kann. Dieser AES/EBU-Ausgang ist S/PIF-kompatibel und liefert eine qualitativ hohe 96-kHz-Auflösung. Nicht auf diese Ausgänge werden Playback-Signale herausgeführt, die über die beiden Aux-Cinch-Buchsen eingespielt werden, wo man beispielsweise seine Begleitband zum Üben vom MP3-Player zuspielen kann. Der Staccato’51 ist mit einer 450 Watt starken Class-D-Endstufe ausgerüstet, und über eine Kombibuchse für Speakon und Klinke lassen sich Boxenlasten bis 4 Ohm hinab betreiben.

 

RS 410

Die größte Bassbox im tc-Programm hatten wir bislang noch nicht im Test, und nun bietet sich die Gelegenheit, ihr gleich mit dem massiven Rocco-Prestia-Sound auf den Zahn zu fühlen. Die 8-Ohm-Box ist mit 600 Watt belastbar und lastet das Basstop nicht völlig aus, sodass für größere Anlässe noch eine zweite 8-Ohm-Box dort angeschlossen werden kann. Da am kompakt gebauten Amp nur eine Ausgangsbuchse vorhanden ist, wurde die Box mit zwei Speakon-Anschlüssen zum Durchschleifen des Leistungssignals bestückt.

In dem elegant gestalteten Bassreflex- Gehäuse sitzen vier Eminence-Zehnzöller, die ein großes Hochtonhorn mit dynamischem Treiber in ihre Mitte nehmen. Der Hochtonpegel ist vom rückwärtigen Anschlussfeld aus stufenlos dosierbar. Aus 18 mm starkem Sperrholz ist das Gehäuse gebaut, der schwarze Strukturlack soll die üblichen, hässlichen Anbauteile wie Eckenschoner und Gummifüße überflüssig machen, beim Stapeln soll der raue Lack alleine ein Verrutschen der Boxen aufeinander verhindern. Nach Kritik in den ersten Tests scheint der Hersteller allerdings von seiner kompromisslosen Linie etwas abgerückt zu sein und liefert immerhin vier Gummifüße mit. An der Box finden sich vorbereitete Befestigungslöcher auf einer Seite und unten, sodass man als Benutzer selbst entscheiden kann, wie man seine RS410 aufstellen möchte. Die Montage der Gummifüße ist allein schon deswegen anzuraten, weil sich die Strukturlackierung in der Praxis als ziemlich empfindlich erweist. Schon kleines Anecken hinterlässt in den ungeschützten Kanten seine Spuren, sogar die Styropor-Polsterung im Lieferkarton hat durch Abrieb in der rauen Oberfläche hässliche Verfärbungen hinterlassen, die man freilich mit Wasser und Bürste leicht entfernen kann. Schön anzusehen ist das tc-Boxen-Design ohne Frage – nur für den normalen Gig-Alltag nicht besonders praktisch.

 

Praxis

Seine Potenz und den guten Klang hat das Topteil ja bereits im G&B-Test unter Beweis gestellt, und das gilt natürlich auch für den weitgehend baugleichen Staccato’51. Nur geht man hier nicht von einem neutralen Grundklang aus, sondern bekommt direkt einen Charakter-Sound geboten. Der hat es in sich und verbindet eine klare und präzise Brillanzzeichnung mit einem wuchtigen und enorm druckstarken Bassfundament. Rocco Prestias fetter Fingerstyle-Funk mit der perfekten Dämpfungstechnik kann den satten Schub vertragen, und tatsächlich trifft der Amp diesen Sound sehr glaubhaft. Zusätzlich verdichtet hier der Spectracomp den Ton, die Tubetone-Simulation bringt zusätzlich eine wohldosierte Portion Crunch und Lebendigkeit hinein. Topp!

Apropos Spectracomp: In den tc-Bass-Verstärkern arbeitet kein konventioneller Kompressor, der gleichermaßen auf alle Frequenzen wirkt. Stattdessen werden hier drei Frequenzbereiche getrennt komprimiert, was zunächst nicht weiter auffällt. Geht es jedoch extremer zur Sache, drücken z. B. harte Drahtpräsenzen beim Slappen nicht mehr die Bässe weg, andersherum bleiben die Höhen klarer beim extrasaftigen Fingeranschlag – der dreifach aufgeteilte Spectracomp vermeidet hörbar negative gegenseitige Beeinflussung der verschiedenen Frequenzbereiche.

Die Verbindung von wuchtigem Bass und cleanen Brillanzen beim Prestia-Sound ist übrigens auch ein harter Test für die RS410, den sie mit Bravour besteht. Obwohl das 8-Ohm-Aggregat die Staccato-Endstufe nicht einmal voll auslastet, erzeugt die tc-Anlage mächtige und dabei auch in Spitzenpegeln tadellos saubere Basssounds, ohne dass die enorme Basswucht dabei die Feinheiten in den obersten Registern überlagert und verzerrt. Für die meisten Gelegenheiten wird man mit dieser Bassanlage bestens gerüstet sein, zumal man ja noch die Option hat, eine zweite Box anzuhängen.

 

Resümee

Sauber, satt, drückend tief und dabei mit offenen, klaren Brillanzen – den typischen Prestia-Sound erkennt man sofort, und er wird von dieser Anlage ausgesprochen eindrucksvoll übertragen. Die blitzsaubere Präzsion ist bemerkenswert, zumal es sich ja nicht um einen dürren HiFi-Klang handelt, sondern einen betont wuchtigen Basston, der die Lautsprecher mächtig arbeiten lässt. In klanglicher Hinsicht liefern unsere Testkandidaten also erstklassige Leistungen. Und optisch sind die tc-Komponenten sowieso gelungen, gerade weil sie von den üblichen Musiker-Kästen abweichen. Nur muss man bei der Box die Empfindlichkeit der rauen Lackoberflächen monieren, sodass die Anschaffung des optional erhältlichen Cabinet Covers zumindest den auftretenden Bassisten zu empfehlen ist.

Kommentare zu diesem Artikel

  1. einige Minuten nach dem Einschalten sind im Lautsprecher leises Rauschen und kurze Picks
    zu hören, im Kopfhöhrerausgang jedoch nicht. ev etwas mit Kondensatoren in der Endstufe?
    Suche Schemata Staccato 51

    Auf diesen Kommentar antworten
  2. kurz nach dem Einschalten, leises Rauschen und kurze Picks in der Box, im Kopfhöhrer-Out nichts. Ev. Kondensator in der Endstuffe? Suche Schemata Staccato 51

    Auf diesen Kommentar antworten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Das könnte Sie auch interessieren: