Kleinkaliber mit Format

Taylor GS Mini Bass, Acoustic-Bass im Test

Der Winter ist vorüber, endlich geht es wieder ohne klamme Finger ins Freie. Damit der Bass problemlos mitkommen kann, hat sich Taylor den GS Mini ausgedacht.

(Bild: Dieter Stork)

Normalerweise zählt bei akustischen Bassgitarren die Größe, wenn es um den erwachsenen Ton geht. Der GS Mini scheint allerdings die Naturgesetze auszuhebeln, denn trotz ultrakurzer Mensur und Abmessungen, die in der Mitte zwischen Konzertgitarre und Ukulele liegen, tönt der kleine Bass mit verblüffend vollem Klang. Kann das mit rechten Dingen zugehen?

Anzeige

Tricks und Spezialitäten

An der Bauweise kann es eigentlich nicht liegen. Zwar ist der Minibass nach den Regeln der Baukunst akustischer Instrumente sauber konstruiert, was mit massiver Decke aus Sitka-Fichte schon gute Klangergebnisse verspricht. Doch zaubern kann auch Taylor nicht. Einen Hinweis könnten die noch kompakteren Bassukulelen mit ihren speziellen Kunststoffsaiten liefern, die ja ebenfalls erstaunliche Tiefbässe produzieren.

Und tatsächlich finden sich auf dem GS Mini besondere Saiten, die zwar nicht aus Gummi oder Kunststoff sind, aber unter ihrer (langlebig beschichteten) Bronzeumwicklung einen Kern aus Nylonfasern besitzen. Die D‘Addario EXP PBB190GS wurden eigens für den kleinen Taylor-Bass entwickelt und sind somit integraler Bestandteil des Klangwunders. Ansonsten ist der GS Mini in den Grundzügen gebaut wie ein konventioneller Akustikbass, nur im verkleinerten Maßstab.

An drei kleinen Inbusschrauben können die Piezos für ausgewogene Wiedergabe justiert werden. (Bild: Dieter Stork)

Boden und Zarge bestehen aus Schichtholz mit Sichtflächen aus Sapele innen und außen; wegen der geringen Abmessungen ist der gewölbte Boden auch ohne zusätzliche Verbalkung stabil. Unter der massiven Fichtendecke findet sich hingegen ein Mix aus Kreuz- und Querverbalkung, die in Anbetracht des reduzierten Saitenzugs der kurzen Spezialsaiten ausgesprochen stabil wirkt. Der Hals ist einstreifig aus Sapele-Mahagoni gefertigt und mit einem Ebenholzgriffbrett versehen, in welchem 20 schmale Gitarrenbünde sitzen. Ein besonderes Baudetail findet sich noch bei näherer Untersuchung: Vom Korpusinnenraum aus wird der Halsfuß durch eine dicke Stahlschraube gehalten; obwohl er so präzise mit dem Korpus verbunden ist, dass er wie eingeleimt aussieht, ist der Hals im Falle eines Falles abnehmbar! Auf der abgewinkelten Kopfplatte, die mit großer Leimfläche an das gerade Halsstück angeschäftet ist, sitzen feingängig arbeitende, gekapselte Tuner. Der Ebenholzsattel besitzt eine Stegeinlage aus Micarta, einem Verbundmaterial aus Fasern und hartem Kunstharz. Eine Besonderheit sind die geschlitzten Gurtpins, welche beim Einstecken ins Sattelholz die Saite in die Mitte nehmen und sicher festquetschen.

Als Tonabnehmer kommen drei Piezos zum Einsatz, die durch kleine Inbusschrauben im Steg für perfekte Ausgewogenheit justierbar sind. Der dazugehörige Preamp sitzt oben in der Zarge; Regler für Volume und Tone werden dort mit einem autochromatischen Stimmgerät kombiniert, welches sich nach einigen Minuten der Nichtbenutzung automatisch abschaltet, um die beiden Lithium- Knopfzellen zu schonen.

Verblüffend erwachsen

Gerade für den Außeneinsatz ist das hochwertige und attraktive Hardbag eine nützliche Beigabe. Dass sich der Kurzbass ausgesprochen mühelos spielt, versteht sich von selbst, wobei die erwachsene Halsbreite wiederum günstig ist, damit sich die greifenden Finger nicht gegenseitig im Weg sind. Ab Werk ist am Halsfuß ein Gurthalter aufgeschraubt, das andere Gurtende wird an der Endpin- Buchse befestigt.

Die geschlitzten Gurtpins nehmen die Saite in die Mitte, um sie sicher festzuquetschen. (Bild: Dieter Stork)

Bereits ohne Verstärkung erstaunt der Kurzbass mit erwachsen bassigem Tonspektrum, welches einem Longscale in nichts nachsteht. Außer vielleicht in der akustischen Lautheit, die naturgemäß begrenzt ist und nur zum Zusammenspiel mit leiseren Instrumenten ausreicht. Alles darüber benötigt elektrische Nachhilfe, und dafür ist der GS Mini mit seinem 3-Piezo-System kompetent gerüstet. Wobei sich auch wieder die Spezialsaiten bemerkbar machen, denn der kleine Taylor klingt deutlich geschmeidiger als größere Akustikbässe mit konventionellen Bronzesaiten! Bei einem weiten Frequenzumfang und feiner Darstellung aller Klangdetails fängt das Instrument zudem hörbar mehr Raum und Korpusresonanz ein. Dafür sind nicht allein die Saiten verantwortlich, auch die Piezo- Anordnung nach Taylor- Manier macht sich hier bemerkbar. Denn anders als üblich, sitzen die Körperschall- Abnehmer nicht unter der Steg-Einlage, sondern sind dahinter platziert, was den Elektro-Sound natürlicher macht.

Der präzise angepasste Halsfuß sieht aus wie eingeleimt – ist er aber nicht! (Bild: Dieter Stork)

Resümee

Kleiner Bass mit erwachsenem Ton – diese Aufgabenstellung hat der Entwickler Andy Powers so vorzüglich gemeistert, dass der GS Mini Bass sogar manchem großen Akustikbruder im geschmeidigen, ungemein akustischen Elektroklang voraus ist! Der Mini-Taylor mag zwar handlich wie ein Spielzeug aussehen, was er aber leistet, hat echtes Format und vollen Nutzwert. Erstklassig!

Plus

  • Klangverhalten, erwachsener Basston
  • Spielbarkeit, Kompaktheit
  • innovative Bau-Details
  • Verarbeitung, Hardbag

Aus Gitarre & Bass 05/2017

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Das könnte Sie auch interessieren: