SWR Headlite und Amplite im Test

Zweiteilige Bassanlage SWR Headlite & Amplite

Ursprünglich gehörte die Bassanlage zu den schwersten Klötzen, die man als Band bewegen musste. In den letzten Jahren hat sich das drastisch verändert, selbst extrem leistungsstarke Amps sind nun auf bestem Wege, beinahe unsichtbar zu werden.

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Angenehm beim SWR Headlite und Amplit ist vor allem die enorme Gewichtsreduzierung, und SWR treibt es mit der Kombination von Headlite-Topteil und Amplite-Endstufe auf die Spitze: Das Headlite-Top wiegt 1,7 kg, der zusätzliche 400-Watt-Poweramp gerade noch 1,36 kg! Zusammen sind die beiden Kleinteile für 800 Watt Ausgangsleistung gut; und damit sich die schnuffigen Komponenten im halben 19″-Format geordnet transportieren lassen, hat der Hersteller ein passendes Softcase mit separaten Staufächern dazu schneidern lassen und bietet optional auch ein Rack Mounting Kit an.

 

Headlite

Was der Headlite auf kleinstem Raum anbietet, ist schon unerhört. Denn es handelt sich um einen vollständigen Bassverstärker mit 400-Watt-Endstufe, Röhren-Preamp, dreibandiger Klangregelparametrik, eingebautem Compressor und allen Anschlussmöglichkeiten, die man von einer erwachsenen Bassanlage erwartet!

Der Klinkeneingang lässt sich mit passiven und aktiven Bässen ansteuern, per Vordämpfungsschalter kann die Empfindlichkeit um 10 dB reduziert werden, was die Mini-Schalttaste durch eine eingebaute LED auch anzeigt. Das gleiche gilt für den beleuchteten Mute-Schalter. Die Feineinstellung des Verstärkungspegels geschieht am Gain-Regler, über dem eine Übersteuerungs-LED sitzt. Diese Leuchtdiode zeigt Übersteuerungen rot an, während sie bei eingeschaltetem Compressor gelb leuchtet, wobei die Helligkeit dann auch Rückschlüsse auf die momentane Gain Reduction durch den Compressor zulässt. Aktiviert wird der Compressor einfach durch Aufdrehen des Reglerknopfs, wo dann auch das Kompressionsverhältnis justiert wird. Da der Headlite über eine Röhre im Vorverstärker verfügt, ist auch ausdrücklich das Anzerren des Basstons durch eine hohe Gain-Einstellung erlaubt. Damit das auch bei maßvollen Pegeln genutzt werden kann, ist natürlich ein Master-Regler vorhanden.

Ein typisches SWR-Feature ist das stufenlos dosierbare Enhance-Filter, mit dem die Bässe und Brillanzen für einen cleanen und durchsichtigen Klang in den Vordergrund gerückt werden können. Am Headlite stehen sogar per Schalttaste zwei Funktionsvarianten zur Wahl: Einmal der klassische Enhancer, zum anderen eine moderner ausgelegte Wirkung, deren Abstimmung zusammen mit Marcus Miller entwickelt wurde.

Damit man auch bei schlechter Beleuchtung erkennen kann, welche Enhancer-Einstellung gewählt ist, leuchtet die Umschalttaste bei der klassischen Funktion grün und beim moderneren Filter gelb.

Extrem feinen und vielseitigen Zugriff auf das Klangbild bietet der dreibandige EQ, bei dem alle Einstellbereiche stufenlos durchstimmbar sind. Das einzige Manko ist dem eleganten Design geschuldet (und gilt für alle Drehregler): Zwar besitzen die verchromten Knöpfe kleine Markierungspunkte, aber die sind selbst bei guter Beleuchtung praktisch nicht wahrnehmbar. Das lässt sich aber ggf. mit einem Lackstift nachbessern. Als Doppelpoti wurde mit dem Compressor-Regler auch die Zumischung des Parallel-Effektwegs kombiniert. Schließlich zeigt noch eine LED oberhalb des Master-Reglers etwaige Übersteuerungen der Endstufe an.

Die Klinkenbuchsen des Effektwegs liegen auf der Rückseite, wo auch alle weiteren Anschlüsse Platz finden. Beim symmetrischen D.I.-Ausgang ist der Signalabgriff vor oder hinter EQ und Effektweg umschaltbar, es steht ein eigener Pegelsteller sowie ein Erdungsschalter bereit. Zusätzlich ist sogar noch ein symmetrischer Klinkenausgang (Stereoklinke) vorhanden, generell sendet der D.I. Out einen hohen Line-Pegel zum Mischpult, was vor allem bei langen Kabelwegen die beste Signalqualität gewährleistet.

Per Klinke kann am Pre Out das Vorstufensignal hinter dem Master-Regler zum Ansteuern weiterer Endstufen (z. B. Amplite) entnommen werden, während die Buchse Direct das Instrumentensignal ohne Vorstufen-Bearbeitung herausgibt, beispielsweise für ein Stimmgerät. Zum Fußschalteranschluss: Optional ist zum Amplite ein Zweifach-Fußschalter mit eingebautem Stimmgerät lieferbar, mit dem sich Effektweg und Mute-Funktion fernschalten lassen. Schließlich besitzt der Headlite eine eingebaute Class-D-Endstufe, die 400 Watt an 4 Ohm liefert. Als Lautsprecher-Anschluss ist eine Speakon-Buchse vorhanden.

 

Amplite

Im gleichen Format wie der Headlite bietet der Amplite die Möglichkeit, die Ausgangsleistung der Minianlage zu verdoppeln. Die 400-Watt-Endstufe besitzt vorne und hinten Eingänge, die beliebig verwendet werden können. Während vorne eine Klinkenbuchse bereitsteht, wurde hinten eine XLR/Klinke-Kombibuchse montiert. Zusätzlich ist noch ein Klinkenausgang vorhanden, um für größere Setups das Ansteuersignal zu weiteren Amplites durchzuschleifen.

Um den Endstufenpegel optimal an die angeschlossenen Lautsprecher anpassen zu können, ist am Amplite ein Volume-Regler vorhanden, außerdem bietet hier die Frontplatte genügen Platz für eine vierstufige Aussteuerungsanzeige. Für die Lautsprecher besitzt die Endstufe zwei parallel beschaltete Speakon-Ausgänge.

 

Praxis

Das Headlite-Top wird praktischerweise direkt inklusive der gepolsterten Transporttasche geliefert, auch ein dickes Speakon-Boxenkabel ist dabei, wobei letzteres auch nochmals der Amplite-Endstufe beigelegt ist. Die kleinen, leichten Kistchen besitzen Gehäuse aus Aluminium, wobei die Bedienungselemente auf der Frontseite durch die verchromten Bügelgriffe geschützt werden.

Auf der Unterseite der Geräte sind Kunststofffüße montiert, die allerdings allzu willig weggleiten – rutschfestes Gummi wäre hier viel besser. Denn gerade wegen des geringen Gewichts sind die Mini-Geräte sowieso wenig standfest und können leicht mit dem Instrumentenkabel von der Box gerissen werden. In jedem Fall empfiehlt es sich, das Kabel irgendwo anders (z. B. am Boxengriff) gegen Zug zu sichern, damit einem auf der Bühne die federleichte Mini- Anlage nicht unerlaubt hinterherläuft.

Im Grund-Sound geht der Headlite kraftvoll und kernig zu Werke, seine 400 Watt Ausgangsleistung präsentiert das Kistchen sehr glaubwürdig, was natürlich auch für die Zusatz-Endstufe Amplite gilt. Mit dem klassischen Enhancer lässt sich der Basston mächtig im Fundament aufpumpen, wobei gleichzeitig für crispe Brillanz gesorgt ist. Ganz anders kommt das Filter in der Marcus- Miller-Einstellung rüber, wo ein machtvoller, dichter Basston wie von einem fetten Röhrenverstärker erzeugt wird, die Drahtbrillanzen aber deutlich bedämpft erscheinen. Na klar, der Meister setzt ja gerne den Daumen ein, und da würden allzu explizite Höhen ja nur harsch und schroff klingen. Mit dem dezent hinzugedrehten Compressor lassen sich die Ergebnisse nochmals zusätzlich verdichten und glätten; in höheren Dosierungen ist das Aggregat auch als echter Effekt zur Sustainverlängerung (Fretless!) benutzbar und klingt mit viel Squash auch noch wunderbar fetzig für Funkbässe. Gleichermaßen feinfühlig, wie auch extrem lässt sich die Dreiband-Parametrik einsetzen, schließlich lässt sich hier jeder Frequenzbereich um +/-15 dB variieren. Dass man dabei je nach Boxenbelastbarkeit bei Extremeinstellungen in tiefen Frequenzlagen besser etwas Vorsicht walten lassen sollte, versteht sich von selbst.

So sehr sich das Mini-Format auch für den Wohnzimmer- und Studio-Betrieb anbietet – die in Headlite und Amplite eingebauten Lüfter setzen dem Spaß in stillem Umfeld dann leider doch Grenzen. Zwar halten sich die Geräusche dann doch im Rahmen und nerven nicht im Proberaum. Aber in manchen Situationen wäre es dann doch ganz ohne Lüfterrauschen einfach schöner. Dass sich die Anlage beim Ausschalten mit einem vernehmlichen Ton verabschieden, sollte keiner gesunden Lautsprecherbox schaden.

 

Resümee

Was SWR bei den neuen Mini-Komponenten Headlite und Amplite auf engstem Raum bietet, ist nicht weniger als eine erwachsene Bassanlage mit allem Drum und Dran. Klanglich extrem variabel und überzeugend, mit reichlich Leistungsreserven versehen und dabei ausgesprochen handlich und leicht: Wenn man einmal den Komfort eines solchen Mini-Bass-Amps genossen hat, möchte man nie wieder einen 40-Kilo-Trümmer schleppen! Dass die ultrakompakten Leichtgewichte auch Nachteile in der Standsicherheit haben, lässt sich durch entsprechende Zugentlastung des Instrumentenkabels lösen, und die schlechte Ablesbarkeit der Chromknöpfe kann leicht durch kontrastierende Lackpunkte behoben werden.

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