Sterling by Music Man Ray34 Classic Active im Test

Zwei E-Bässe von Sterling, braun und weiß, stehend
(Bild: Dieter Stork)

 

Vor 35 Jahren kam mit dem StingRay der erste aktive Serienbass auf den Markt, bei dem man den Klang nicht nur dumpf drehen, sondern auch in Bässen und Höhen mächtig aufpeppen konnte. Diesen Klassiker hat man nun auch beim günstigeren Sterling-Label aufgegriffen.

Anzeige

 

 

Classic Active bedeutet also, dass hier, wie beim Ur-StingRay, eine aktive Zweiband-Klangregelung vorhanden ist, auch die sonstige Gestaltung soll an die Anfänge des Erfogsmodells erinnern. Wir haben einen Sterling mit Mapleneck und einen mit Rosewood-Griffbrett im Test.

 

Konstruktion des Music Man Sterling Ray34 Classic Active

Auf den ersten Blick sieht es so aus, als ob diese CA-Modelle gänzlich parallel zur Classic Collection des Mutterhauses Music Man angelegt seien. Tatsächlich unterscheiden sich aber die in Indonesien gefertigten Sterling-Bässe von den Music-Man-Originalen nicht nur im Preis, sondern trotz weitgehend gleichem Aussehen in einem zentralen Punkt, nämlich dem Spielgefühl. Denn hier kommt der schmale Hals eines anderen Klassikers zum Einsatz, und mit nur 38 mm Breite am Sattel spielt sich der Sterling-Hals komfortabel wie ein Jazz Bass.

 

sterling_ray34_active_1
(Bild: Dieter Stork)

 

Der sechsfach mit dem Body verschraubte Hals ist einstreifig aus Ahorn mit liegenden Jahresringen gebaut und besitzt wahlweise ein aufgeleimtes Griffbrett aus Ahorn oder Palisander, was mit einem stilistisch passenden Korpuslack einhergeht. Während die Mapleneck-Version in Sunburst mit sichtbarer Esche-Maserung lackiert ist, wird beim Rosewood-Bass das Korpusholz deckend unter dem mintfarbenen Lack versteckt. „Klassisch“ ist dabei auch der hochglänzende Halslack, der statt des üblichen Oil-Finishs aufgetragen wird und bei der Maple-Version auch das Griffbrett mit einbezieht.

Ebenfalls klassisch ist die Ausstattung mit dem auch ursprünglich bei den ersten StingRays vorhandenen Zweiband-EQ, wo doch die modernen Sterling-Modelle eine dreifache Klangregelung besitzen. Auch beim Tonabnehmer zeigen die CA-Modelle Unterschiede und sind mit echten Alnico-Zweispulern (mit Cloth-Wire-Verdrahtung bestückt) wo sonst beim Ray34 Pickups mit Ferrit-Magnet verwendet werden.

 

Music Man Sterling Ray34 Classic Active in der Praxis

Klanglich dürfte die Classic-Active-Serie somit tatsächlich nah an die begehrten frühen StingRay-Modelle der Siebziger heranreichen, zumal die verwendeten Hölzer augenscheinlich von guter Qualität sind und die gesamte Verarbeitung einen tadellosen Eindruck hinterlässt. Dass bei unseren Testbässen die Saiten nicht exakt zentrisch über die dicken Alnico-Magnete des Tonabnehmers laufen, bleibt klanglich ohne Folgen, da das homogene Magnetfeld groß genug ist. Die Ursache liegt in den leicht verringerten Saitenabständen an den Edelstahl- Reitern des Stegs, wo statt der üblichen 19 nur 18,6 mm zu messen sind – was dann auch ausreicht, dass E- und GSaite auf dem Hals sichtbar weiter weg von der Griffbrettkante liegen.

 

sterling_ray34_active_2
(Bild: Dieter Stork)

 

Mit 4,4 bzw. 4,8 kg liegen die beiden Test-Kandidaten in der authentischen Seventies-Gewichtsklasse, und wer sowieso schon Schwierigkeiten mit der Wirbelsäule hat, dürfte dadurch abgeschreckt werden. Am Gurt sorgen die zusätzlichen Pfunde allerdings auch für Stabilität und Ruhe, im Klang fördert die Masse einen langen, sonoren Ton. Das lange und kerngesunde Sustain ist beiden Sterling-Schwergewichten auch deutlich anzuhören. Zwischen Palisander und Ahorn als Griffbrettmaterial bilden sich dezent die zu erwartenden Klangunterschiede heraus: Während der Maple Neck die Präsenzen härter und schroffer artikuliert, wirkt der Rosewood-Ton eine Spur runder und gutmütiger. Allerdings spielen solche Kleinigkeiten nicht wirklich eine große Rolle beim typischen Klassiker-Sound, der eher durch die aktive Elektronik geprägt wird. Mangels Erfahrung mit aktiven Bässen hatten nämlich einst die StingRay-Spieler durchweg alle Regler voll aufgedreht, was dem Instrumententon zum einen wuchtigdruckvolle Punchbässe verleiht, zum anderen aber die noch wichtigeren Schmatz-Brillanzen, für die dann der Music Man StingRay so berühmt geworden ist. Und exakt dieser starke Charakter-Sound wird sowohl vom Ahorn- wie vom Palisanderhals-Modell wunderbar stimmig getroffen!

 

sterling_ray34_active_3
(Bild: Dieter Stork)

 

Resümee

Die Sterling-Kopien des berühmten Klassikers StingRay bieten erstaunlich seriöse Qualitäten zum stark reduzierten Preis, da gibt es nichts zu meckern! Dass hier mit den schmaleren Jazz-Bass-Halsmaßen eine Alternative zum breiteren Originalhals geboten wird, dürfte den meisten Interessenten sogar gut gefallen. Am besten ist aber das charaktervolle Klangergebnis, bei dem der Alnico-Pickup, der Zweiband-EQ und die authentisch schweren Esche-Bodies bestens zusammenwirken. Bässe voll auf, Höhen voll auf – und man kann nachvollziehen, warum der StingRay in den Siebzigern die Bassisten so begeisterte!

 

Übersicht

Fabrikat: Sterling by Music Man

Modell: Ray34 CA

Typ: E-Bass mit Massivkorpus, Viersaiter

Herkunftsland: Indonesien

Mechaniken: verchromt; offene Stimmmechaniken, Flachsteg mit Edelstahl-Saitenreitern, konventionelle Gurthalter

Hals: aufgeschraubt: einstreifig Ahorn

Griffbrett: Ahorn oder Palisander

Halsbreite: Sattel 38,2 mm; XII. 55,3 mm

Bünde: 22, Medium Jumbo

Mensur: 863 mm, Longscale

Korpus: Esche

Oberflächen: hochglänzend lackiert

Tonabnehmer: 1x MM-Humbucker mit Alnico-Magneten

Elektronik: aktiv; Zweiband-Klangregelung, 1x 9 Volt, ca. 0,05 mA

Bedienfeld: Volume, Bässe, Höhen

Saitenabstände Steg: 18,6 mm

Gewicht: ca. 4,4 bis 4,8 kg

Lefthand-Option: nein

Vertrieb: Musik Meyer

35041 Marburg

www.musicman.de

Zubehör: Gigbag

Preis: ca. 1119

 

Plus

  • Klangverhalten
  • Charakter-Sound, Schmatz-Brillanzen
  • Verarbeitung, Hölzer
  • Bespielbarkeit

Minus

  • Gewicht

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Das könnte Sie auch interessieren: