Mix it up!

Springer Halfbreed im Test

Das Rad neu erfinden kann bekanntlich keiner. Das weiß auch Mikael Springer. Und dennoch schaffte er den Sprung vom Hobby-Konstrukteur zum Vollzeit-Handwerker mit eigener Werkstatt und stetig wachsendem Kundenkreis.

Dieter Stork
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Erst seit 2011 ist der junge Lothringer in der europäischen Szene vollberuflich aktiv. Der studierte Bauingenieur wollte sich Zeit lassen und vor allem an der Identität seiner Instrumente arbeiten, bevor er sich vor fünf Jahren endgültig selbstständig machte. Zwar widmet er sich, wie zahlreiche seiner Kollegen, den berühmten Vorbildern amerikanischer Hersteller, verleiht seinen Instrumenten jedoch ganz spezielle Wiedererkennungsmerkmale. Vor allem die Form steht hier im Vordergrund. Das Halfbreed T-Modell stellt das eindrucksvoll unter Beweis. Neben anfänglichen Gehversuchen mit Formen, die noch an die Stratocaster angelehnt sind, zeigt die Halfbreed eine äußerst markante Mischform von Les-Paul- und Telecaster-Merkmalen, die man mittlerweile als Springers Markenzeichen ansehen könnte. Mit der Seraph bietet er auch ein Modell mit geflammter Decke samt Wölbung und Humbucker-Bestückung an. Die Halfbreed-Serie verfügt im Kern eigentlich über Tune-o-matic-Brücke und Stoptail sowie ebenfalls zwei Humbucker, nur das T-Modell besitzt seitens der Pickup-Auswahl und Brücke reinrassige Telecaster-Applikationen.

Schlicht & edel

Die Halfbreed T ist ein echtes Leichtgewicht. Das liegt nicht nur an der auffallend kleinen Formgebung, sondern auch an der Dichte des Cedro-Klangholzes, das sowohl beim Hals als auch beim Korpus zum Einsatz kommt. Diese mittelamerikanische Holzart ist optisch und klanglich ein enger Verwandter von Mahagoni, bringt aber noch deutlich weniger Gewicht auf die Waage. Der Hals besitzt ein angenehm gerundetes C-Profil, das eher an eine Les Paul erinnert. Die Kopfplatte ist gewinkelt und besitzt sechs Gotoh- SD90-Kluson-Style-Mechaniken. Das Palisandergriffbrett zeigt schlichte Punkteinlagen, auf ein Binding wird verzichtet.

Hier steht eindeutig die Liebe zur Schlichtheit und Funktionalität im Vordergrund. Der Hals ist mit dem Body verleimt und erleichtert am Cutaway den Zugang zu den höheren Lagen durch eine perfekt geformte Aussparung. Der Body ist auf der Rückseite und an den Zargen unmerklich dünn mit Lack versiegelt, lässt die Hände die Holzoberfläche aber immer noch spüren. Das ist sehr überzeugend gemacht. Die Decke wurde mit vanille- cremefarbener Polyurethan-Beschichtung versiegelt. Auch dieser Auftrag ist hauchdünn und dennoch ohne jeden Makel. Insgesamt besticht die Handwerkskunst dieser Springer-Gitarre durch Erstklassigkeit. Man kann da stundenlang nach einem Makel suchen, findet ihn aber nicht. Das Instrument ist zwar schlicht gestaltet, besitzt aber allein durch die extrem hohe Verarbeitungsgüte eine auffällig edle Ausstrahlung. Als Frontpickup kommt ein custom made Häussel P90 im Humbucker-Format zum Einsatz, an der Telecaster-Bridge, ebenfalls von Gotoh, ein Häussel Broad-Modell. Die Schaltung folgt dem klassichen Telecaster-Vorbild mit Dreiwegschalter, Volume- und Tone-Regelung. That‘s it! Fertig ist ein Mischling aus Les Paul und Telecaster, der allein schon durch die markante Formgebung und die wirklich außergewöhnliche Verarbeitungsqualität besticht.

Dieter Stork

Spiel- & Werkzeug

Die Mischform entfaltet sich auch in der Praxis in praktisch jeder Disziplin. Das Cedro-Holz verleiht der Gitarre diese typische Wärme und Rundung, die wir von Mahagoni-Instrumenten kennen. Gepaart mit der Saitenaufhängung per Telecaster-Bridge und der Pickup-Bestückung befindet man sich klanglich genau zwischen den Eigenschaften einer sehr guten Les Paul Special und einer Telecaster. Der Antritt ist drahtig bis glockig, der Ton selbst jedoch viel wärmer und dunkler als etwa bei einer Telecaster. Der Frontpickup ermöglicht Klänge von Jazz bis hin zu einem verdammt authentischen Rolling-Stones-Lick à la Keith Richards sowie atmenden Singlenotes, die auch fantastisch für Blues-Akkorde taugen. Der Bridge-Pickup offenbart vor allem im Crunch-Bereich einen wahren Riff-Heaven, denn hier paart sich dieser schneidende Antritt mit der stets verzückenden Cedro- Wärme. Großes Lob an dieser Stelle für die Häussel-Pickups, die für dieses Instrument wie gemacht scheinen. Auch hier findet sich kaum eine Amp- Einstellung, an der die Halfbreed vorlaut oder unangenehm wirkt. Mit Sicherheit ist dies eine Folge der hohen Verarbeitungsgüte. Der Hals spielt sich wie ein Traum. Es ist eine jener Formgebungen, die wohl jedem Gitarristen gefallen würde. Perfekte Saitenlage, Bundabrichtung und Griffbrettwölbung. Man muss sich nicht anstrengen, Passagen jeder couleur laufen wie von selbst. Dennoch beginnt man, sein Spiel im Laufe der Testläufe an die Grundeigenschaften der Gitarre anzupassen.

Dieter Stork

Unweigerlich erinnert man sich an bestimmte Stones-Riffs, stimmt ein paar Tom-Petty-Licks an oder stimmt die tiefe E-Saite auf D herunter und hämmert mal wieder ein paar Status-Quo-Klassiker über den Amp. Hier scheint die Gitarre zu Hause, denn all diese Styles transportiert die Halfbreed mit überraschend großer Überzeugung.

Am besten gefiel mir diese Gitarre an Fender Tweed Amps wie dem Deluxe oder einem Tweed Pro. Der holzige Cedro-Grundton wollte sich hier am besten entfalten. Vor allem an einem Alnico-Lautsprecher mit frischen Höhen. Mit dem kräftigen Häussel-Broad-Pickup kann man aber auch einen Marshall ordentlich in die Sättigung treiben. Hier erinnert der Sound tatsächlich ein wenig an eine gute Les Paul Special mit etwas mehr „Draht“.

Ob nun als filigranes Virtuosen-Spielzeug oder perfekt funktionierendes Rock’n‘Roll-Werkzeug: Die Halfbreed T wird beiden Ansprüchen gerecht. Im Vordergrund steht immer der Spaßfaktor, denn es ist einfach eine Freude, auf so einem liebevoll gestalteten Instrument zu spielen.

Resümee

Es sind die Mischformen, die auch manchem Kollegen von Mikael Springer im jüngeren Gitarrenbauhandwerk zur Aufmerksamkeit verhelfen. In dieser Disziplin liefert der sympathische Lothringer ein Statement genau auf den Punkt. Wozu also Les Paul und Tele kaufen? Die Halfbreed T kann beides und erschafft gerade dadurch wieder ganz neue Möglichkeiten. Zudem präsentiert diese Gitarre trotz ihres Einsteiger-Status im Programm von Springer-Guitars Spielgenuss ohne jeden Kompromiss. Wem die Farbe nicht zusagt, oder wer in puncto Halsform oder Ausstattung Sonderwünsche hat, ist willkommen, denn ein Boutique- Hersteller wie Springer kann auch auf die Bedürfnisse seiner Kunden zuschneiden.

Plus

  • Klangqualität
  • Verarbeitung
  • Lackierung
  • Pickups
  • geringes Gewicht

Aus Gitarre & Bass 02/2017

 

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