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Spector ReBop 4 PJ & 5 40CS im Test

Die europäischen ReBops sind eine günstige Alternative zu den USA-Modellen und erfüllen dennoch hohe Qualitätsansprüche. Jetzt haben sie auch aktive Pickups und rücken damit klanglich noch näher an die famosen Originale heran.

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(Bild: Dieter Stork)

Die europäischen ReBops sind eine günstige Alternative zu den USA-Modellen und erfüllen dennoch hohe Qualitätsansprüche. Jetzt haben sie auch aktive Pickups und rücken damit klanglich noch näher an die famosen Originale heran.

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Nobel-Optik und -ausstattung

Optisch ziehen die Tschechen fast gleich mit den wesentlich teureren USA-Spectoren, denn die hochglanzlackierten Bodies sind mit feinen Figured-Maple-Decken ausgestattet, im Griffbrett finden sich die typischen Spector-Inlays. Doch natürlich muss es Unterschiede geben, und die sind sogar prinzipieller Natur.

Denn während beim Original-Design der Hals eine durchgehende Konstruktion ist, ist er bei den ReBops zwar ebenfalls aus drei Streifen harten Ahorns gebaut, aber mit dem Korpus fünffach verschraubt. Und wo die noblen Hölzer beim USA-Korpus massiv verwendet werden, besitzen die günstigeren Tschechien-Modelle einen SandwichBody, der in der hinteren Hälfte aus schlichterem Erlenholz besteht.

Die geschickt geformte Halsverschraubung behindert nicht den Zugriff auf höchste Lagen.
Die geschickt geformte Halsverschraubung behindert nicht den Zugriff auf höchste Lagen.

Die Ergonomie stimmt allerdings perfekt, und so schmälern die vorhandenen Unterschiede keineswegs die Player-Qualitäten. Für klangliche Spitzenleistungen sorgt zum einen der Einsatz fetter Spector-Steg konstruktionen aus Aluminium, bei denen die einzelnen Saitenreiter durch eine seitliche Klemmschraube festgesetzt werden, sodass sich ein solcher Steg quasi wie ein einziger Masseblock verhält. Die neue Aufwertung von Vier- und Fünfsaiter durch originale Aktiv-Tonabnehmer von EMG tut ein Übriges dazu.


Der dünnste Hals ist nicht unbedingt der bequemste … besonders, wenn es fester zur Sache gehen soll. Schon immer hatte Spector deshalb auf ein etwas fülligeres Halsprofil gesetzt, welches auch bei härterer Gangart gut in der Hand liegt. Zusammen mit dem wohlgerundeten, aber vor allem komplett hohlgewölbten Korpus-Design, welches einst von Ned Steinberger entworfen wurde, setzte Spector ab Ende der 1970er Jahre neue Maßstäbe für Ergonomie und Spielkomfort. Der gewölbte Body schmiegt sich fest an den Bauch des Spielers, der Bass hängt ausbalanciert in jeder Spielhaltung


Ergonomie-Trendsetter

Das authentische Spector-Spielgefühl kann man unseren ReBop-Testgeräten rundum bescheinigen, und durch die tief in den Korpus hineingezogene Verschraubungszone ist sogar der freie Zugriff auf die höchsten Lagen gewährleistet. Etwas erweitert, kann man den Ergonomie-Begriff auch auf den verwendeten Zweiband-EQ, die TonePump, anwenden, da sich bei intuitiver Bedienung mehr praxistaugliche Sounds als bei konventionellen Aktiv-Klangregelungen ergeben.

Schließlich werden nämlich die wenigsten Spieler die Bässe bei ihrem Instrument radikal ausfiltern, ebenso ist es unwahrscheinlich, dass jemand einen Spector vollkommen dumpf einstellt; aus diesem Grund ist der Dämpfungsbereich für Höhen und Bässe bei der TonePump schwächer ausgeprägt als die möglichen Boost-Einstellungen.

In den Bässen ist das besonders auffällig, wo 14 dB an möglicher Anhebung sanften 4 dB bei maximaler Dämpfung gegenüberstehen, in den Höhen geht 14 dB Boost und maximal 12 dB Cut. Da die sonst übliche Mittelrastung der Potis hier nicht die Neutraleinstellung markieren würde, hat man darauf verzichtet.

Offensivstrahler

Der hohe Ahorn-Anteil sichert gehörige Strahlkraft der Obertöne, die dreistreifigen Ahornhälse weisen zudem eine klangharte Statik auf und sind innen zusätzlich mit zwei Graphitstäben versteift, auch liegt der Figured-Maple-Anteil der Sandwich-Bodies bei 50%. Zusammen mit dem Alu-Steg und der doppelt aktiven Elektro-Ausstattung ergibt das ausgesprochen knackig zupackende Bässe mit fester, pfundiger Basis und offensiver Drahtpräsenz.

Bereits zartes Agieren kommt auffällig frisch und lebendig rüber, und wenn man fester in die Grooves geht, treibt man mühelos auch eine opulente Band vor sich her. Hammer ist hier der richtige Ausdruck, und zwar in allen Frequenzbereichen! Einen deutlichen Klangunterschied findet man aber zwischen Vier- und Fünfsaiter, und der liegt im unterschiedlichen Pickup-Typus begründet.

Der massige AluSteg fördert denoffensiven Ton.
Der massige AluSteg fördert denoffensiven Ton.

Während die P/J-Bestückung relativ schmale Magnetfelder besitzt und der P-Spiltcoil in klangaufhellender Weise „reversed“ montiert ist, handelt es sich bei den EMG 40CS um zweispulige Humbucker mit breitem Magnetfenster. Offene Brillanzen mit filigranen Details stellen für P- und J-Tonabnehmer grundsätzlich kein Problem dar, zumal die aktiven EMGs ja nochmals breitbandiger arbeiten als klassische Passivtonabnehmer.

Der breite Humbucker tut sich mit den allerobersten Frequenzen prinzipiell schwerer, und seine insgesamt massivere Basswiedergabe mit sanft auslaufenden Höhen ist ja wohl auch als Kraftmeier erwünscht. Insofern ist der ReBop-Fivestring am Ende aber auch ein anderer Charakter als sein viersaitiger Bruder, der von vornherein mehr auf einen satten Heavy-Ton setzt. Wer dennoch spritzige Metallhöhen herausholen will, bekommt sie allerdings auch sehr überzeugend vom Treble-Regler geliefert.

Der SandwichBody ist zur Hälfte aus Ahorn, zur anderen Hälfte aus Erle gebaut.
Der SandwichBody ist zur Hälfte aus Ahorn, zur anderen Hälfte aus Erle gebaut.

Alternativen

Mit durchgehendem Hals gibt es tschechische Spector-Modelle in der EuroSerie, die allerdings auch etwas teurer ist. Wer hingegen nicht so stark auf noble Details, sondern nur auf einen günstigen Preis fixiert ist, wird mit den asiatischen Legend- und Performer-Bässen bedient, wobei natürlich Abstriche in jeder Hinsicht gemacht werden müssen. Vom formmäßig verwandten Warwick Streamer gibt es eine Vielfalt an Modellvarianten in verschieden Gütestufen, die bei einfacherer Formgebung bei ca. € 600 Ladenpreis starten.

Resümee

Die mit aktiven EMGs aufgepeppten Schraubhals-Modelle aus tschechischer Fertigung präsentieren sich rundum stark: Noble Optik, hervorragende Ausstattung und authentische SpectorErgonomie machen die ReBops zu echten Offensivkräften. Dabei stellen sich allerdings auch verschiedene Grundcharaktere heraus, wobei der P/J-bestückte Viersaiter eher eine breitbandige HiFi-Charakteristik mit reichlich Power in allen Frequenzen liefert, während die aktiven Humbucker bei den Fünfsaitern von vornherein auf einen massiven Heavysound mit breitem Bassdruck setzen.

Plus

  • offensive Klangcharakteristik
  • wirkungsstarke Klangereglung
  • Ergonomie, Spielbarkeit
  • Ausstattung
  • Verarbeitung

Minus

  • nur konventionelle Gurthalter

spector-uebersicht

 

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