Low Budget Funk-Meister

Sire Marcus Miller V7 Swamp Ash-4 & Alder-5 im Test

Dass bei effizienter Massenproduktion mit modernen Maschinen günstige Instrumente herauskommen, ist keine revolutionäre Neuigkeit, sondern heute eher der Normalfall. Der Hersteller Sire verspricht obendrein außergewöhnliche Qualität und führt dazu einen großen Bassistennamen an.

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(Bild: Dieter Stork)

Tatsächlich machen die preisgünstigen Marcus-Miller-Bässe aus indonesischer Fertigung einen blitzsauberen Eindruck. Das V7-Modell gibt es nicht nur in verschiedenen Lackierungen als 4- und 5-Saiter, sondern auch in diversen Holzkombinationen: Beim Korpus hat man die Wahl zwischen Erle und Swamp Ash, beim Ahornhals zwischen hellem Ahorn- und dunklem Palisandergriffbrett. Der deutsche Vertrieb hat unsere beiden Testbässe so ausgewählt, dass die wichtigsten Optionen repräsentiert werden.

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Konstruktion

Das traditionelle Vorbild ist trotz veränderter Kopfplattenform klar zu erkennen, und aus dem traditionellen Repertoire stammen auch die lieferbaren Holz-Optionen. Typisch Seventies kommen beide MM-Bässe mit ihren Block Inlays und eingefasstem Griffbrett rüber, wobei die blonde Natural-Version mit dreiteiligem Sumpfesche-Body und hellem Fretboard wohl dem präferierten Modell des Namensgebers am nächsten kommt. Doch auch die Ausführung mit Rosewood-Griffbrett und deckend lackiertem Erle-Korpus hat natürlich ihre Berechtigung, zumal sie klanglich ein wenig abweichende Ergebnisse verspricht. Was an diesen J-Modellen „Marcus Miller“ ist, zeigt sich in diversen Ausstattungs-Details.

Auffällig fett die Saitenreiter-Klötze des Stegs, der außerdem eine leicht stärkere Grundplatte mit Führungsnuten für die Standschrauben der Reiter besitzt. Außerdem können die Saiten auf zweierlei Weise eingefädelt werden, nämlich wie normal von oben oder alternativ von hinten durch den Korpus, was erhöhten Andruck auf die Stegreiter und intensivere Schwingungsübertragung ergibt. Letzteres ist allerdings beim viersaitigen Testbass eher eine theoretische Möglichkeit, weil die Durchführungsbohrungen zu nah an den eckigen Saitenreitern liegen, was ausgerechnet im Falle der dicken E-Saite einen unmöglichen Abknickwinkel ergibt.

Beim Fivestring scheint man das Problem erkannt zu haben und hat Steg und Bohrungen deshalb näher an den Korpusrand gesetzt – dadurch funktioniert die Sache hier. Ein spezielles Marcus-Miller-Feature ist auch die aktive Elektronik zu den traditionellen Singlecoil-Tonabnehmern mit den Alnico-Magneten. Da auf einer normalen J-Control-Plate ganze sieben Regler plus ein Kippschalter untergebracht wurden, sieht es hier ziemlich vollgepackt aus. Eine Bastellösung soll die Kombination von passiven und aktiven Regelmöglichkeiten aber nicht sein, das sieht man schon an den beiden Batteriefächern auf der Korpusrückseite, wo für ungebremste Dynamik eine Speisespannung von 18 Volt bereitgestellt wird. Ein Batteriesatz reicht für mehr als 200 Spielstunden.

Sire Marcus Miller (1)
(Bild: Dieter Stork)

Praxis

Am ersten Doppel-Poti hat man (oben) Master-Volume und (unten) die passive Höhenblende unter Kontrolle, der zweite Regler stellt die Mix-Balance der beiden Tonabnehmer ein. Per Kippschalter lässt sich nun zusätzlich ein aktiver Dreiband-EQ dazuschalten, bei dem der Mittenbereich am unteren Drehring des zweiten Doppelpotis sogar stufenlos durchstimmbar ist. Die Passiv/Aktiv-Kombination ist ein leistungsfähiges Besteck zur Klangformung, und wenn man einen Schwachpunkt dabei suchen will, findet man ihn im hoch bauenden Doppelregler für Master-Volume und Höhenblende, wo man sich bei undiszipliniertem Strumming leicht die Finger stoßen kann.

Der Viersaiter bringt 4,2 kg auf die Waage, der Fivestring 4,7, was nach Seventies-Maßstäben eher maßvolle Gewichte sind. Dabei ist das Spielgefühl auf den hochglanzlackierten Hälsen authentisch Fender-like, wobei aber die modelltypische Tendenz zur Waagerechten insbesondere beim Viersaiter angenehmerweise ausbleibt. Die etwas abfallende Zone der Halsverschraubung erleichtert unauffällig den Zugang zu den höchsten Lagen, ein weiteres positives Detail ist die saubere Verarbeitung der Bundierung, wobei schmaler Medium-Bunddraht verwendet wurde. Die offenen Vintage-Tuner funktionieren tadellos.

Bereits beim trockenen Antesten ohne Amp fällt die gesunde Sustain-Entwicklung auf, die man nicht nur dem massigen Steg, sondern auch der Holzqualität zuschreiben kann. Sofort bemerkt man auch die Klangeinflüsse der verschiedenen Hölzer, wobei der blonde Bass mit dem obertonstarken Ahorn-Griffbrett insgesamt Attack-stärker und offensiver rüberkommt, während die Erle/Palisander-Kombination etwas braver agiert und dabei die wärmere Tonfülle liefert. Auch elektrisch wird dieser Unterschied übrigens deutlich übertragen. Gut fürs Slappen (und darauf sollte es bei einem Marcus-Miller-Bass ja ankommen) ist bei beiden Ausführungen die Ausrichtung auf einen zupackend satten Bass, der auch ohne Inanspruchnahme der aktiven Klangregler schon bereitsteht – will heißen, dass die Sire-Bässe durch gelungene Feinabstimmung nie brettig, übernasal oder sonstwie dünn erscheinen, obwohl sie doch durchaus das Jazz-Bass-typische Timbre mit präsentem Biss liefern.

Der Fivestring hat zudem eine tadellos arbeitende H-Saite, die bis in unterste Lagen definiert und mit knurrigem Growl die Tontiefe darstellt. Für starke Varianten sorgt ansonsten der wirkungsvoll ausgelegte Dreiband-EQ mit den durchstimmbaren Mitten, der in allen Bereichen so viel Einstellspielraum bietet, dass auch extreme Sounds impulsfest realisiert werden können. Beim Umschalten von Passiv auf Aktiv braucht man allerdings sehr spitze Finger, um in der Live-Hektik nicht unbeabsichtigt benachbarte Regler zu verstellen; der eng eingebaute Umschalter sitzt zudem an einer ungünstigen Stelle.

Sire Marcus Miller (3)
(Bild: Dieter Stork)

Resümee

Sires Marcus-Miller-V7 haben eine unbestreitbare Stärke, denn so klingen Bässe, bei denen alles richtig gemacht ist! Trotz günstigen Preises hat man sich unüberhörbar gründlich der Feinabstimmung gewidmet, und wenn die vom Hersteller dargelegte Geschichte mit dem überkritischen Mentor Marcus Miller wirklich zutreffen sollte – bei diesen Ergebnissen glaubt man sie gern. Einen echten Baufehler in funktionaler Hinsicht weist allerdings der Viersaiter mit der nicht funktionierenden Strings-through-Body-Option auf, was allerdings beim Fivestring durch geänderte Platzierung von Bohrungen und Steg schon ausgeglichen wurde. Ein anderes Manko liegt bei der engen Versammlung so vieler Bedienelemente auf einer konventionellen Control Plate; nicht umsonst hatten andere Marcus-Miller-Instrumente ein erweitertes Schlagbrett, um alles übersichtlich unterzubringen. Aber bei solchen Preisen muss ja auch mal irgendwo gespart werden.

Plus

  • Klangverhalten
  • Klang-Möglichkeiten, Elektronik
  • Spielbarkeit
  • Verarbeitung, Preis/LeistungsVerhältnis

Minus

  • Saitenführung durch Korpus dysfunktional (Viersaiter)
  • Aktiv/Passiv-Schalter ungünstig platziert

 

Sire Marcus Miller (4)

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