Der Holzhammer

Schack N-Finity Oceanmaster im Test

Schack N-Finity Oceanmaster
(Bild: Dieter Stork)

Wie eine Aufnahme unseres blauen Planeten aus dem Weltraum wirkt die spektakuläre Decke dieses Singlecuts. Und der Fivestring aus dem Hause Schack hat noch andere Besonderheiten.

Seit 1981 baute Andy Schack hervorragende E-Bässe, die in vielen Details schon die heutige Reife der Gattung vorwegnahmen. 2010 hat sein Sohn die Firma übernommen und zwei Jahre später den Meisterbrief erhalten, wobei mit den B2- Headless und demUnique-Bestseller auch die bewährten Traditionen in Vielfalt weitergeführt werden; sogar echte Vintage- Klassiker gibt es inzwischen von der Marke. Und mit dem N-Finity zeigt Nico Schack ganz aktuell, wie man das Singlecut- Design nicht wie einen Walfisch aussehen lässt. Der Oceanmaster setzt auf die schwungvolle Form noch eine detailstarke Optik, was man schon Weltklasse nennen darf. Und wie gesagt, da lauern auch noch andere Spezialitäten.

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Hammer-Hölzer und üppige Ausstattung

Die erste ist schnell gefunden. Hier werden beim Korpus zwei sehr unterschiedliche Hölzer kombiniert, und das absichtlich krass: Eine Hälfte feinster Riegelahorn, die andere aus nicht minder exklusivem, gelocktem Pommele-Mahagoni. Nicht etwa als Sandwich über die ganze Fläche verteilt, sondern Ahorn für den oberen Flügel, Mahagoni unten, peng! Schön auch die Kontraste durch die vertauschten Rückseitendeckel, wo das E-Fach im Mahagoniteil durch einen hellen Riegelahorn-Deckel verschlossen wird, das Batteriefach im hellen Ahorn durch dunkles Mahagoni; jeweils mit Magnethaltern ausgestattet und somit tatsächlich werkzeuglos durch puren Daumendruck an der richtigen Stelle zu öffnen. Die markante Korpusbasis ist aber kaum so spektakulär wie die Ocean-Decke aus wilder Maserpappel, die durch farbige Beize angefeuert wird und nicht zuletzt durch die strahlend blauen „Ocean“-Füllungen aus gemischten Epoxid-Harzen zum ästhetischen Glanzlicht. Versiegelt sind die Oberflächen hauchdünn mit satinmattem Polyurethanlack.

Schack N-Finity Oceanmaster
Der Ozeanwellen-Effekt wird bei den blauen Füllungen durch die Mischung verschiedener Epoxydharze erzeugt. (Bild: Dieter Stork)

Breite Ahorn-Wangen rahmen beim fünfstreifigen Hals die Mittelzone aus zwei schmaleren Bubinga- und einem Ahornstreifen ein, der Hals ist in die passgenaue Korpustasche eingeleimt. Im Ebenholzgriffbrett sitzen 24 Medium Jumbos und ein Nullbund, natürlich darf auf der abgewinkelten Kopfplatte der passende Frontbelag zur Korpusdecke nicht fehlen. Bei solcher Schönheit ist die Aufzählung der Ausstattungsgegenstände fast schon Nebensache, denn natürlich kommen hier beste Komponenten zum Einsatz. Gekapselte Lightweight- Tuner von Schaller arbeiten auf der Kopfplatte, nicht minder akkurat verwaltet der 3D-Steg von ETS die Saitenhöhen, Abstände und Oktavreinheit. Die Saitenenden lagern dahinter direkt im Holz, für die Ballends sind als Halter separate Metallhülsen eingelassen. Schaller Security Locks sind für die Sicherheit zuständig.

Etwa zu Beginn der 1990er-Jahre führte Schack eigene Tonabnehmer unter dem Namen Basstec ein, und das war damals, wo praktisch nur große Marken vorhanden waren, schon bemerkenswert. Heute werden die Basstec-Pickups von Harry Häussel gefertigt, und davon sitzt ein Paar Soapbar-Humbucker im Oceanmaster. Ebenfalls Vorreiter war Schack in der elektronischen Ausstattung, wo einst nicht nur ein dreibandiger Aktiv-EQ geboten wurde, sondern sogar ein Aggregat, bei dem die Centerfrequenzen für alle Regler wählbar waren. Der semiparametrische BC-3P-Equalizer sitzt auch im Testbass, an drei Mini-Mehrfachschaltern lassen sich im Elektronikfach zahlreiche Frequenzen vorwählen, 13 verschiedene zwischen 100 und 300 Hz für den Bass, 8 für die Höhen zwischen 2 und 8 kHz sowie 12 für den Mittenbereich. Je nach Schalterkombination sind sogar verschiedene Gütefaktoren abrufbar – um da den Überblick zu bekommen, benötigt man allerdings die mitgelieferte Tabelle. Außerdem ist ein Pegeltrimmer für die Vorverstärkung vorhanden.

Disziplin und variable Vielfalt

4,4 kg wiegt der Longscale-Fünfsaiter und verteilt diese Last vollkommen ausbalanciert, sodass er nicht einseitig an der Schulter zieht. Dabei sorgt der große Korpus für stabile Ruhe am Gurt, auch bei heftiger Spielweise. Zum pfundigen Spiel laden auch die erwachsen auf 19 mm einjustierten Saitenabstände am Steg ein, der breite Hals ist komfortabel flach geformt. Sensibel sprechen die aufgespannten Tapered Roundwounds an, die übrigens trotz der niedrig eingestellten Saitenlage keine Schnarrprobleme erzeugen – was wiederum für eine gleichmäßige Bundierung spricht. Die willige Ansprache des Oceanmasters geht einher mit kerngesunder Sustain-Entwicklung, wobei die verwendete Hölzer-Kombination noch eine Besonderheit ausmacht: Wo nämlich Ahorn für eine sehr direkte Tonansprache und strahlende Obertöne sorgt, betont der Mahagoni-Anteil eher die bedächtige, gutmütige Artikulation. Und das ergibt zusammen eine erstaunliche Diszipliniertheit und Gleichmäßigkeit im Ton, im besten Sinne bremsen also die verschiedenen Hölzer jeweils überschießendes Temperament in ihren Eigenarten gegenseitig aus, die ausgewogene Präzision in jeder Lage ist bei diesem N-Finity jedenfalls sehr bemerkenswert.

Schack N-Finity Oceanmaster Rückseite
Schönes Spiel mit Gegensätzen (Bild: Dieter Stork)

Optisch geben sich die Basstec-Tonabnehmer inspiriert von den Bartolinis, und das kann man auch klanglich feststellen. Sie präsentieren den Ton mit runder Mittenstärke, samtig in den Höhen, aber dennoch weit in die Highlights ausgeleuchtet. Wer es besonders brillant mag, trifft mit der Semiparametrik für die Höhen auch betont silbrige Schmatzer, während der Regler bei Dämpfungen feinfühlig und nicht zu radikal den Klang abmildert und eine feine Präsenznase hervortreten lässt. Diese filigrane Abstimmung kann wichtig sein, denn die Schack-Elektronik will ohne Passiv-Einstellung auskommen und schafft das auch klanglich überzeugend. In den Bässen lässt sich wahnsinnig satter Schub hinzufügen, natürlich durch die Vorwahl- Frequenzen nach individuellen Vorlieben variabel. Schließlich erfasst der Mittenregler in der Werks-Voreinstellung einen schön tiefen Growl und setzt die knurrigen Aspekte satt in Szene, während sich mit Abdämpfungen genauso stimmig ein trockener Funk-Sound kreieren lässt. Was der enorm variable Equalizer alles an Nuancen draufhat, lässt sich kaum aufzählen, sondern nur ausprobieren.

In der vorliegenden Form mit den Schalterklaviaturen im E-Fach dient die Variabilität vor allem der sorgfältigen Voreinstellung der Regler auf den persönlichen Geschmack. Für die saubere Verarbeitung extremer Dynamikspitzen wird der EQ mit zwei 9-Volt-Batterien gespeist, ein Batteriesatz reicht für etwa 130 Spielstunden.

Resümee

Dieser elegante Singlecut-Fivestring ist nicht nur eine Augenweide, sondern auch in der tighten Klangabstimmung ein Meisterstück. Das Beste aus beiden Welten wird durch die halbe/halbe-Kombination von obertonstrahlendem Ahorn und gutmütig artikulierendemMahagoni genau getroffen, Präzision und Disziplin treten hier als besondere Stärke hervor. Und die enorme Variabilität im satt-samtigen Elektroklang kann man für die perfekte Vorabstimmung auf den eigenen Geschmack und besondere Bedürfnisse nutzen, während die Dreiband-Regelung im praktischen Betrieb übersichtlich bleibt. Der N-Finity Oceanmaster ist ein Profi-Werkzeug der Spitzenklasse.

Plus

  • klangliche Ausgewogenheit, Präzision
  • Spielbarkeit, Balance
  • Hölzer, Aussehen, Verarbeitung
  • Ausstattung, Sound- Variabilität

Minus

  • erhöhte Stromaufnahme

Schack N-Finity Oceanmaster Übersicht

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(Aus Gitarre & Bass 06/2018)

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