Genau auf den Punkt

Sandberg California VM Oliver Riedel im Test

Rammstein-Musiker Oliver Riedel macht zwar heftige Musik, ist aber als Bassist diszipliniert und dienlich, so wie es die Band braucht. Und er selbst braucht dafür das passende Instrument.

Marlon Stork

Sandberg hat ihm dafür einen California VM auf den Leib geschneidert, ein solides und zuverlässiges Arbeitsinstrument. Aber nicht zu brav, auch wenn hier alle Sekundärtugenden eingehalten werden. California heißen bei der Marke die traditionellen Designs, die allerdings durch verschlankte Formen und modernisierte Ausstattung auf zeitgemäßen Stand gebracht werden. Vintage passt als Attribut deshalb nur noch sehr bedingt und am ehesten auf die optische Erscheinung, wobei ein deftiges Aging diesen Aspekt besonders herausstellen soll.

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Tradition und Moderne

Die Grundkonstruktion ist bewährt und vereint einen Korpus aus europäischer Erle mit einem aufgeschraubten Hals aus hartem Ahorn, das allerdings mit extrem stabiler 6-Schrauben-Verbindung. Auch beim dicken Griffbrett aus schön farbigem Ebenholz setzt das Tuning traditioneller Werte an, es ist mit 22 blankpolierten Jumbobünden bestückt und besitzt zudem einen Nullbund, damit die Leersaiten klanglich an gegriffene Töne angeglichen werden. Passend zum Body ist die Kopfplattenfront schwarz lackiert, ein Dreifach-Niederhalter sorgt dafür, dass alle Saiten sicher im Sattel sitzen. Beim Aging ist der Headstock mit einbezogen, von allen künstlichen Nutzungsspuren verschont bleibt hier aber die gesamte Spielzone des Halses, denn schließlich soll ja perfekte Funktionalität geboten werden.

Das gleiche gilt für die schwarze Hardware, die zwar an einigen Ecken und Kanten benutzt und abgeschrabbelt wirkt, aber auf rostige Schrauben oder sonstige Beeinträchtigungen verzichtet. Die offenen Sandberg-Tuner laufen angenehm gleichmäßig und sind in ihrer Gängigkeit nachstellbar, der fette Steg bietet dreidimensionale Justiermöglichkeiten und ist so massig ausgelegt, dass Sustain-Entwicklung und Ansprechgenauigkeit wirksam gefördert werden. Sicherheits- Gurthalter sind auch montiert, weil sie für lebhafte Bühnen-Action unerlässlich sind.

Marlon Stork
Sandbergs Black Label Pickups vereinen pfundigen Sound mit klaren Konturen.

Am Eigencharakter des Instruments hat die Pickup-Bestückung gehörigen Anteil. Optisch sieht die Kombination von Humbucker in der Stegposition und Splitcoil in traditioneller P-Position zwar aufgrund der sichtbaren Polstücke irgendwie traditionell aus, aber in Sandbergs Black Label Pickups steckt ein modernisierter Klang. Die 6-mm-Pole aus Stahl werden nämlich von unten durch keramische Magnete aufgeladen, was bekanntlich die Eckfrequenzen klarer herausstellt. Zusätzlich lässt sich das ggf. mit der aktiven Zweiband- Klangregelung noch verstärken, andererseits stehen auch runde Passiv- Sounds zur Verfügung, bei herausgezogenem Volume-Knopf wird der aktive Höhenregler zur passiven Tonblende umfunktioniert. An die Batterie wird man aufgrund des geringen Stromverbrauchs zwar nur selten heranmüssen, da sie aber in einem Klappfach auf der Korpusrückseite untergebracht ist, geht der Wechsel flink vonstatten.

Marlon Stork
Vom Hardcore- Aging wurde die Spielzone des Halses ausgenommen.

Klingende Magnete?

Bei gleichartig aufgebauten Magnet-Tonabnehmern können verschiedene Magnet- Materialien durchaus hörbare Unterschiede in den Übertragungseigenschaften ergeben. Das ist kein Mysterium, sondern liegt unter anderem darin begründet, dass unterschiedliche Magnet-Werkstoffe (z. B. Alnico, Ferrit, Neodym) bei gleichen Abmessungen verschiedene Feldstärken erzeugen und bei gleich gewählter Feldstärke unterschiedliche Abmessungen aufweisen. Unweigerlich ergeben sich daraus Einflüsse auf Form und Stärke des Magnetfelds eines Tonabnehmers, welches dann wiederum neben anderen Details auf dessen Übertragungseigenschaften einwirkt.


Extra-Player

Die Sandberg-Form mit dem symmetrischen Korpusrund und dem Splitcoil auf dem Pickguard erinnert am ehesten an den Precision, wird aber mit einem schlanken Hals kombiniert, der J-Bassmäßigen Spielkomfort bietet. Man darf sich also auf einen erdigen Player einstellen, der die Handsehnen schont. Die niedrig eingestellte Saitenlage funktioniert schnarrfrei und spricht für eine gleichmäßige Bundierung.

Gleichmäßigkeit fällt auch bereits beim rein akustischen Antesten auf, wo sich der Viersaiter in keiner Lage eine Blöße gibt, quer übers Griffbrett sauber anspringt und präzise Tonleistungen mit schönem Growl-Anteil abliefert. Der Splitcoil agiert dabei mit seinem kehligen Pfund einerseits charaktervoll traditionell, andererseits merkt man ihm aber doch die präziseren Tonkonturen an, im tiefen Druckbass sauber geführt und obenherum mit etwas schärferen Ecken.

Marlon Stork
Die offenen Tuner arbeiten betont gleichmäßig.

Naturgemäß kraftvoll packt der Humbucker zu und liefert volle Durchsetzungskraft mit markant mittigem Knurr-Timbre aus der Stegposition heraus. Das besondere Extra bei der VM-Bestückung ist seine eigentümliche Art, wenn beide Tonabnehmer gleichberechtigt arbeiten: Die sich ergebende Mittenauslöschung ist, mit ein wenig EQ-Boost in Bass und Treble, fast schon pervers trocken und dennoch enorm wuchtig und tragfähig. Die klanglichen Eigenheiten des VM-Konzepts sind unüberhörbar, aber stets sonor, exakt und Growl-stark ausformuliert, so dass sie auch einen heftigen Band-Sound souverän unterstützen. Insgesamt punktet Oliver Riedels neuer Sandberg zudem mit klarem Fokus und perfekter Genauigkeit – damit lässt sich Arbeiten!

Resümee

Das klassische Aussehen mit den kräftigen Benutzungsspuren kommt Vintage-mäßiger rüber, als der Riedel-Bass klingt. Denn die vielfältigen Modernisierungen mögen sich im Detail abspielen, zeigen aber zusammen eine deutliche Wirkung. Schon ohne Verstärker fallen Gleichmäßigkeit und Präzision auf, im Elektroklang kommt der klare Fokus auf Durchsetzungsmacht mit exakten Kanten und genauer Definition noch deutlicher zum Vorschein. Besonders für pfundige Musikstile ist dieses Sandberg-Modell ein erstklassiges Arbeitsgerät.

Plus

  • Klangverhalten, Präzision
  • Sounds, Durchsetzungskraft
  • Spielbarkeit
  • Ausstattung
  • Verarbeitung

Aus Gitarre & Bass 02/2017

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