Tiefer, schneller, weiter

Sandberg California Grand Dark 4 im Test

Sandberg California Grand Dark 4
(Bild: Dieter Stork)

Auf den ersten Blick ist der Grand Dark ein abgespielter Vintage-Bass, aber altbacken ist er wirklich nicht. Denn auf der Höhe des aktuellen Klanggeschmacks stecken in diesem Instrument einige spezielle Details.

Tiefere Stimmungen für böse Bassarbeit brauchen passende Voraussetzungen, um nicht schlabberig rüberzukommen. Dafür ist der neue Sandberg besonders gerüstet: Die extralange Mensur sorgt auch bei Drop-Tunings für straffe Artikulation, die angemessenen Akzente setzt dabei die Darkglass-Klangregelung.

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Reserven für die Genauigkeit

Bei den Hölzern geht der California auf Altbewährtes, der aufgeschraubte Hals ist einstreifig aus Ahorn mit liegenden Jahresringen gebaut, der Korpus aus Erlenholz. Ungewöhnlich für einen Viersaiter ist allerdings die 889-mm-Mensur, die für einen strammeren Saitenzug sorgt und den Saitenton entsprechend drahtiger ausfallen lässt. Zusätzliche Härte bringt das Griffbrett aus Pau Ferro ins Spiel, schließlich kann man gerade bei tieferen Stimmungen diese Präzisions-Reserven gut brauchen. Ebenfalls auf modernem Niveau ist der massige Steg mit den klemmarretierten Einstellmöglichkeiten, der präzise Tonansprache und strahlendes Sustain fördert. Überzeugend genau und spielfrei arbeiten die offenen Tuner, zumal ihre Gängigkeit an einer Inbusschraube einstellbar ist. Die montierten Gurthalter funktionieren sowohl mit einem normalen Gurt, passen aber auch mit Schaller Security Locks.

Sandberg California Grand Dark 4 Darkglass-Klangregelung
Durch die spezielle Abstimmung setzt die Darkglass-Klangregelung auf offensive Kante. (Bild: Dieter Stork)

Das zupackende Element wird von der Tonabnehmerbestückung mit den fetten Polepieces schon optisch signalisiert, dabei ist der Humbucker per Kippschalter zum echten Singlecoil splitbar und der Singlecoil in der Halsposition in Wirklichkeit ein Zweispuler, was seine brummfreie Arbeitsweise beweist. Zur Klangverwaltung steht neben dem Master-Volume mit dem Aktiv/Passiv-Umschalter ein Pickup-Überblender bereit, die aktive Darkglass-Elektronik bietet einen einzelnen Präsenzregler sowie die Mitten und Bässe als konzentrisches Doppel-Poti. Im Passiv-Modus wird das Präsenz-Poti automatisch zur Höhenblende umfunktioniert.

Offensiv definiert

Das harte Ageing präsentiert den Grand Dark wie einen eingespielten, vertrauten Kumpel, doch alle funktionalen Aspekte sind natürlich von der künstlichen Alterung ausgenommen worden. Sein extralanger Hals wirkt sich keineswegs negativ auf die Balance aus, die sich sogar als angenehm ausgewogen erweist. Und die um zweieinhalb Zentimeter verlängerte Mensur macht sich eher klanglich als in der Spielbarkeit bemerkbar, wo der Sandberg bewährte Player-Qualitäten entfaltet. Mit straffer Drahtigkeit setzt der Viersaiter bei normalem Tuning auf präzise Tonartikulation, was beim Herunterstimmen den Vorzug hat, dass kein Wummern auftritt und klarer Attack gewahrt bleibt.

Sandberg California Grand Dark 4 Tuner
Mit nachstellbarer Gängigkeit arbeiten die offenen Tuner spielfrei und exakt. (Bild: Dieter Stork)

Insbesondere die wuchtigen Bassanhebungen, die am Darkglass-EQ möglich sind, meistert der Extralongscale mit betont sauberen Konturen. Das Besondere an diesem EQ ist der relativ niedrig ansetzende Höhenregler, der bei 2,8 kHz statt metallischer Highlights stärker die offensive Drahtpräsenz aufs Korn nimmt und wiederum bei tiefen Stimmungen den treibenden Attack betont. Schließlich arbeitet der Mittenregler ohne kritisches Quäken den knurrigen Growl heraus und räumt bei Dämpfungen entsprechend auf, ohne die Durchsetzungskraft zu mindern.

Sandberg California Grand Dark 4 Jumbobünde
Die Jumbobünde sind nach dem Plek-Verfahren hochpräzise abgerichtet. (Bild: Dieter Stork)

Wiederum für Offensivität und zugleich klare Definition sorgt der Charakter der Tonabnehmer, wo der Humbucker in der Stegposition markantes Mittenknödeln liefert, der schmale Pickup in der naturgemäß bassigeren Halsposition aber auf offene Durchsichtigkeit setzt. Wem die luftige Transparenz insgesamt besser gefällt (was z. B. beim Einsatz von Effekten und extratiefer Stimmung sinnvoll ist), der kann auch den Humbucker zum Singlecoil umschalten, wodurch der Grand Dark am Ende für alle Fälle gerüstet ist.

Resümee

Gute Normalbässe gibt es genug, da kann das Spezialmodell Grand Dark nur eine Bereicherung sein. Vieles ist hier auf straffe, konkrete Tondarstellung hin optimiert, was insbesondere bei tieferen Tunings den offensiven Attack und klare Konturen wahrt. Doch auch in konventioneller Stimmung kann der markant drahtige Ton überzeugen, zumal die Tonabnehmer und die Aktiv/Passiv-Elektronik ja klanglich eine weite Palette an Variationen anbieten.

Plus

  • klare Tonartikulation, Definiertheit
  • Sound-Variabilität
  • Spielbarkeit
  • Ausstattung
  • Verarbeitung

Sandberg California Grand Dark 4 Übersicht

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(Aus Gitarre & Bass 06/2018)

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