Einen Toast auf die perfekte Feinabstimmung!

Ruokangas Steambass Classic 5-String J im Test

Auf die fünfsaitige Version haben Bass-Gourmets 2013 schon sehnsüchtig gewartet, schließlich haben die vom Klangzauberer Juha Ruokangas gebauten Viersaiter bereits höchste Erwartungen geweckt.

Ruokangas Steambass_03.2

Anzeige

Bis zum ersten Fünfsaiter hat es eine Weile gedauert, weil der Fivestring eben nicht nur einfach eine Saite mehr hat. Vielmehr galt es, das phantastische Klangverhalten, mit dem sich die finnischen Instrumente ihren Spitzenruf erworben haben, feinfühlig an das veränderte Tonspektrum anzupassen. Ob das gelungen ist, können wir am ersten Fivestring nun antesten, den wir direkt auf der Frankfurter Musikmesse eingesammelt haben.

Konstruktion

Auf den ersten Blick sind kaum auffällige Änderungen gegenüber dem Fourstring wahrzunehmen, und so ist es auch beabsichtigt. Sogar die gleichen Hölzer kommen zum Einsatz, Erle für den Korpus, thermobehandelter Ahorn für den aufgeschraubten Hals. Unauffällig wurde aber die Mensurlänge auf optimalen Klang auch für die tiefe fünfte Saite angepasst, der Fivestring besitzt nämlich eine extralange 888-mm-Mensur. Das ging einher mit einer feinfühligen Anpassung der Korpusgröße und -masse. Das Instrument wurde zusammen mit Markus Setzer entwickelt, und der verriet mir auch, dass sie zuvor mit einer 36″-Mensur experimentiert hatten, die aber aufgrund der großen Saitenmassen nicht die klanglichen Anforderungen erfüllen konnte, sodass es nun letztendlich zur 35″-Ausführung kam.

Bei Ruokangas gibt es diverse Griffbrett-Optionen, von denen beim Testbass die Arktische Birke mit einer Absperr-Unterlage aus Walnut zum Einsatz kommt. Zum Schutz gegen Verschmutzung und zum Anfeuern der wunderbar wilden Holzzeichnung ist die Griffbrettoberfläche hochglänzend lackiert, während die Halsrückseite hauchdünn in griffigem Seidenmatt versiegelt wurde. Übrigens fällt bei genauem Hinschauen die extrem saubere Bundarbeit mit perfekt verrundeten Enden der schmalen Medium-Frets auf. Besondere Sorgfalt wurde auch auf die Abstimmung der Tonabnehmer verwendet; es handelt sich um Alnico-Singlecoils von Harry Häussel, die nach einigen Tests von Markus Setzer feinfühlig auf ein etwas offeneres Klangbild hin modifiziert wurden. Damit filigrane Sound-Details nicht auf der Strecke bleiben, ist der Bass rein passiv ausgestattet und besitzt das traditionelle Reglerfeld mit zwei Volume-Potis und einer Höhenblende.

Ruokangas Steambass_02

Letztere ist allerdings mit einem Zugschalter kombiniert, um beide Pickups für einen tiefmittenstarken, lauten Rocksound in Serie schalten zu können. Der Testbass ist mit vergoldeter Hardware bestückt, angefangen bei offenen, extrastabilen Vintage-Tunern von Gotoh über arretierbare Sicherheits-Gurthalter bis zum Blechwinkel-Steg von Hipshot, der durch ein abgebogenes Blech am Saitenhalter zusätzliche Stabilität gegenüber seinem klassischen Vorbild aufweist. Weitere Verbesserungen liegen darin, dass die beiden äußeren Saitenreiter in Führungsnuten stehen, und dass die Saiten nicht umständlich eingefädelt werden müssen, da deren Ballends einfach in Schlüsselloch-Bohrungen eingeklinkt werden.

Praxis

Dieser Fünfsaiter ist ein stattlicher Bass, und das nicht allein wegen seiner extralangen Mensur, sondern auch aufgrund der voll erwachsenen Saitenabstände. Ein gewisses Körperformat braucht es schon, um dieses Männergerät zu beherrschen, auch wenn es beim ordentlich ausbalancierten Gewicht gleich wieder Entwarnung gibt – 4,4 kg sind für einen fünfsaitigen Extralongscale gewiss nicht schwer. Und das angenehm flache Profil des breiten Halses macht auch mittelgroßen Fingern flinkes Agieren auf dem Griffbrett schmackhaft, zumal man den Arm selbst für die tiefsten Lagen erstaunlich wenig ausstrecken muss.

Juha Ruokangas hat bereits in zwei vorausgehenden Basstests bewiesen, dass er die perfekte Feinabstimmung auf das musikalische Optimum tadellos reproduzieren kann, und das muss man jetzt auch seinem ersten Fünfsaiter bescheinigen, der ja wieder das thermobehandelte Ahornholz für den Hals verwendet. Unglaublich entspannt und definiert lotet er die tiefsten Frequenzbereiche aus, spricht schnell und willig, aber keinesfalls hektisch oder hart an, schwingt sich resonant und energiereich in jeder Tonlage ein und zeigt dabei eine fast unheimliche Gleichmäßigkeit – wo sind hier eigentlich die Deadspots? Es finden sich keine! Die bemerkenswerte Exaktheit zeigt der Steambass übrigens nicht nur über sämtliche Lagen und Saiten, sondern auch dynamisch, produziert bei wechselnden Anschlagsstärken exakt die adäquaten Ergebnisse, ohne Überschwinger, Bundschnarren oder sonstige Unwägbarkeiten.

Ruokangas Steambass_01
(Bild: Petia Chtarkova)

Dass den hochwertigen Alnico-Singlecoils durch die Modifikation ein klein wenig Biss in den hohen Mitten genommen wurde, kommt wiederum der Ausgeglichenheit und Allround-Tauglichkeit der Sounds zugute. Natürlich hört man dem Steambass seine konzeptionelle Verwandtschaft mit dem Jazz Bass an, aber eben nicht so vordergründig. Vielmehr hat dieses Präzisionswunder eine eigene Stimme, die nämlich aufgrund des genau einschätzbaren Klangverhaltens sehr differenziert darstellt, was der Spieler möchte. Was aus diesem Fivestring herauskommt, klebt quasi an den Fingern des Musikers, intimer kann man sich die Verbindung mit seinem Instrument kaum vorstellen. Und wenn man es mal richtig saftig rocken lassen will, hat man ja noch die Serienschaltung für die beiden Singlecoils in Reserve …

Resümee

Einmal mehr überzeugt Juha Ruokangas mit einem Bass, dessen außergewöhnliche Klangpotenz nur begeistern kann. Sein erster Fünfsaiter zeigt eine verblüffende Reife, und wie man es von Ruokangas kennt, wurden wieder alle Sound-Parameter so präzise auf den Punkt gebracht, dass es fast schon unheimlich ist. Der ausgewachsene Extralongscale mit dem breiten Stringspacing erfordert zwar eine gewisse Finger- und Körpergröße, aber wenn man zu diesem Bass passt, können eigentlich keine Wünsche mehr offenbleiben.

Ruokangas Steambass_04

Plus

• Klangverhalten, Präzision
• Hölzer
• Ausstattung
• Verarbeitung
• Bespielbarkeit

Miuns

• nicht für kleine Spieler

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Das könnte Sie auch interessieren: