Der neue Kommandant

Rodenberg Commander Distortion

Mit dem Commander gibt es nun das erste Pedal aus dem Hause Rodenberg, was nicht in direkter Verwandtschaft mit dem Ibanez Tube Screamer steht. Der Commander lässt zum Appell antreten.

Rodenberg Commander Distortion (2)
FOTO: Dieter Stork

Seit zehn Jahren stellt Ulrich Rodenberg unermüdlich neue und immer wieder verbesserte Versionen seiner beliebten GAS-Schaltung – welche ja auf dem Ibanez Tube Screamer basiert – vor, und baut nebenbei auch noch Verstärker, die einem wirklich den Atem verschlagen können. Der Commander entstand laut Rodenberg in erster Linie, weil viele Kunden sich ein richtiges Distortion-Pedal mit ordentlich Dampf unter der Haube wünschten. Dabei ging es vor allem darum, den Charakter grundlegend anders zu gestalten als bei der GAS-Pedal-Reihe. Das Ergebnis kann sich sehen und hören lassen – der Commander klingt vollkommen eigenständig und trägt doch die gewohnte Rodenberg-Handschrift.

Anzeige

Konstruktion

Schon am äußeren Erscheinungsbild erkennt man schnell, dass hier nun ein etwas anderer Wind weht. Vom Format und der Regleranordnung her zwar identisch mit dem GAS 808 NG, besticht der Commander sofort durch einen gänzlich runderneuerten Look. Neben dem Level-, Gain-, und Tone-Regler, gibt es zusätzlich einen Hot- und einen Bass-Boost-Switch für mehr Gain bzw. einen leichten ExtraSchub in den Bässen. Neben der neuen Beschriftung und neuen Poti-Knöpfen fällt vor allem die Karbon-Oberfläche ins Auge, die den Commander optisch deutlich von den restlichen Pedalen des Herstellers abgrenzt. Auch auf die typische Riesen-Leuchte wird verzichtet – stattdessen wird die LED clever im Inneren des Pedals positioniert und beleuchtet eine hübsch designte Aussparung im Gehäuse von unten. Sehr sexy!

Der Materialmix aus gebürstetem Aluminum, CNC-gefrästem Edelstahl und der Karbonoberfläche wirkt sehr gelungen und verleiht dem Pedal ein leicht retro-futuristisches Aussehen. Über die Verarbeitung des Commanders müssen wir – glaube ich – nicht besonders viel reden, besser kann man es einfach nicht machen! Die Konstruktion macht den Eindruck, als wolle sie mindestens einen Atomkrieg völlig unbeschadet überstehen. Hochwertigste Bauteile, eine Lötarbeit die unfassbar präzise ist und ein Gehäuse mit dem man Nägel in die Wand schlagen könnte – was will man mehr? Das Gerät läuft wahlweise mit einem 9-Volt-Netzteil oder einer entsprechenden Batterie, wobei die Spannung im Inneren des Pedals auf 18-Volt verdoppelt wird.

Praxis

Mit großer Spannung verkabele ich den Commander vor meinem Amp und schließe zum Vergleich gleich noch den GAS 808 NG mit an. Wie immer drehe ich zu Beginn alle Regler auf die 12-Uhr-Position und starte ohne den Gain- oder Bass-Boost. Schon nach drei Akkorden wird mir klar: Der Commander wird seinem Namen mehr als nur gerecht. Mit einem Tube Screamer hat dieses Pedal überhaupt nichts mehr zu tun. Der Sound zeigt sich dicht, fett und so richtig schön cremig-verzerrt. Fast habe ich das Gefühl, meine Gitarre versehentlich in ein großes Glas Moloko-Plus-Milch-Shake mit einer Extra-Portion Vanille-Eis gestöpselt zu haben. Der Sound trägt mit seinen breit gefächerten Mitten einfach so sehr, dass es eine wahre Freude ist. Nun könnte man ja vermuten, dass bei so viel Gain und Kompression ein gewisser Matsch entsteht.

Ha, weit gefehlt. Die Stärke des Commanders ist es, trotz der dichten und tendenziell mittigen Verzerrung, immer transparent zu bleiben. Drehe ich das Gain- und das Tone-Poti ein bisschen höher, springen mir unwillkürlich Heavy-Riffs der Marke Black Sabbath und frühe Judas Priest in die Finger. Ja, ich würde fast sagen, dass hier die große Stärke des Commanders liegt. Die Gitarrensounds der ersten Iron Maiden Alben liefert dieser Bursche mit Bravour. Mit aktiviertem Gain-Boost (hier springt die LED von blau auf rot – super!) wird das Klangbild dann noch etwas dichter, wobei sich das Mittenspektrum interessanterweise etwas nach oben verschiebt und der Ton minimal drahtiger wird. Absolut perfekt für einen tragfähigen Leadsound mit viel Sustain und Körper im Ton. Dreht man hier den Gain-Regler voll auf, wird der Sound merklich dreckiger und ein wenig gröber, was meiner Meinung nach besonders mit Singlecoil-Pickups einen großen Reiz hat.

Die Gain-Reserven sind schon ziemlich groß, allerdings bewegt sich das alles in einem vernünftigen und nutzbaren Rahmen. Mit den etwas fragwürdigen bis nutzlosen Verzerrungs-Orgien manch moderner High-Gain-Treter hat unser Testkanidat nichts am Hut. Auch moderne Klänge beherrscht der Commander hervorragend. Mit meiner auf A gestimmten Baritone Gitarre hat mir vor allem ein Sound mit etwas weniger Gain vor einem crunshigen Amp richtig gut gefallen. Der Klang bleibt klar umrissen ohne zu matschen oder undifferenziert zu wirken. Mit dem Bass-Boost hat man übrigens eine gute Möglichkeit, den Commander an die jeweilige Gitarre anzupassen. Zum Vergleich schalte ich noch mal auf das GAS 808 NG zurück und muss schon ein bisschen schmunzeln. Nein, die Vermutung, dass sich hinter dem Commander eine weitere Version des GAS-Schaltkreises verbirgt, kann ich getrost abhaken. Jeder weitere Vergleich dieser Pedale ist vollkommen sinnlos; Äpfel und Birnen soll man ja bekanntlich nicht vergleichen.

Rodenberg Commander Distortion (1)
FOTO: Dieter Stork

Resümee

Der Commander schafft es, den hochgezüchteten Heavy-Sound der späten Siebziger und frühen Achtziger perfekt einzufangen. Das bedeutet nicht, dass das Pedal Probleme hätte, sich in modernen Klanggefilden zu behaupten – die beherrscht es nämlich ebenfalls mühelos. Auch Bassisten sollten dem Teil mal eine Chance geben, laut Hersteller ist es aufgrund der Abstimmung für Gitarre und Bass gleichermaßen geeignet. Der kleine Kommandant entpuppt sich als äußerst vielseitiges Distortion-Pedal, das richtig was zu bieten hat, zu einem Preis, der mir angesichts der unglaublich guten Verarbeitung mehr als fair erscheint.

 

Plus

  • Sound
  • Verarbeitung
  • Flexibilität
  • Preis

 

Fabrikat: Rodenberg
Modell: Commander
Typ: Distortion Pedal
Herkunftsland: Deutschland
Preis: ca. € 169

Hinterlasse einen Kommentar

Das könnte Dich auch interessieren: